"Graz braucht endlich eine City-Maut!"

- Stau auf den Grazer Straßen: Ein gewohntes Bild in der Murmetropole, Lösung ist dafür keine in Sicht.
- Foto: Oliver Wolf
- hochgeladen von Marcus Stoimaier
„Graz braucht Wohnungen für Pendler.“ Mit diesem Vorstoß ließ Elke Kahr im Kampf gegen die Grazer Feinstaub- und Verkehrsproblematik in der letzten WOCHE aufhorchen. Die vielen Reaktionen, die in unserem Postfach eintrudelten, zeigen jedenfalls, die Grazer stehen dem Vorschlag der Wohnungsstadträtin äußerst skeptisch gegenüber.
Eine durchaus diskussionswürdige Idee griff WOCHE-Leser Johann Paar wieder auf. „Graz braucht eine City-Maut“, fordert der Grazer. „Die Verkehrs- und Feinstaubprobleme in Graz sind leider nur durch Gesetze und Verbote lösbar“, ist er überzeugt.
In die (fast) selbe Kerbe schlägt auch Karl Dreisiebner: „Graz muss endlich Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung setzen – in welcher Art auch immer“, ist der Gemeinderat (Grüne) überzeugt. „Allerdings bezweifle ich, dass bei der momentanen Stadtregierung in diese Richtung etwas passieren wird.“
Wie schädlich der momentane Verkehr in Graz für uns alle ist, kann Thomas Pongratz vom Referat Luftreinhaltung des Landes erklären: „Ein Drittel des Feinstaubes in Graz wird durch den Verkehr produziert – bei den giftigen Stickstoffoxiden sind es sogar zwei Drittel.
Hier funktioniert die City-Maut
Die erste City-Maut weltweit wurde 1975 in Singapur eingerichtet. In Europa wird die City-Maut etwa in London, Oslo, Trondheim, Bologna, Göteborg oder Stockholm eingehoben.
In der schwedischen Hauptstadt wird die Maut mittels eines sogenannten Kordonsystems, einem Ring von Kontrollstellen an den Zufahrtsstraßen, überwacht. Jedes Fahrzeug, das eine dieser Kontrollstellen passiert, wird elektronisch mittels Nummerntafelerkennung erfasst. Die Maut wird werktags zwischen 6.30 Uhr und 18.30 Uhr eingehoben und gestaffelt berechnet – sie beträgt zwischen einem und zwei Euro, der Höchstbetrag pro Tag und Fahrzeug liegt bei 6,50 Euro. Pro Jahr werden so über 68 Millionen Euro eingenommen – dem stehen Kosten für den Betrieb in der Höhe von 28 Millionen gegenüber.
Allerdings pendeln aus dem Großraum Stockholm (rund 2 Millionen Einwohner) täglich über 200.000 Menschen in die schwedische Metropole ein – in Graz (im Ballungsraum der Landeshauptstadt leben rund 440.000 Menschen) sind es 93.000.


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