"Oberes Gösting": Wo Alt und Jung noch Brauchtum pflegen

Ein beliebtes Ausflugsziel ist die 900 Jahre alte Burgruine Gösting. Von der urigen Burgtaverne hat man einen traumhaften Blick über den nordwestlichen Bezirk  und das dahinterliegende Grazer Stadtgebiet.
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  • Ein beliebtes Ausflugsziel ist die 900 Jahre alte Burgruine Gösting. Von der urigen Burgtaverne hat man einen traumhaften Blick über den nordwestlichen Bezirk und das dahinterliegende Grazer Stadtgebiet.
  • Foto: geopho.com
  • hochgeladen von Robert Bösiger

Dass Graz eine Stadt der vielen Dörfer ist, zeigt wieder einmal unsere Serie „Mein Graz“, in der uns Bezirks-Urgesteine durch ihr Grätzel führen. Nach dem Streifzug durch Andritz in der letzten WOCHE bewegen wir uns diesmal über die Mur ins „Nachbardorf“ nach Gösting. Dort, im als „Pensionistenhochburg“ verschrienen Bezirk, empfängt uns der Ur-Göstinger Andreas Zunkovic, der seit drei Jahren mit seinem Café Gösting einen Treffpunkt für Alt und Jung bereitstellt.
„Was ich an Gösting schätze: Dass es etwas Ländliches hat“, erzählt der 30-Jährige, der neben seinem Café auch als Stahlhandelskaufmann arbeitet, „man ist zwar in fünf Minuten in der Stadt, aber auch in fünf Minuten im Grünen, in Thal, auf der Burgruine, oder am Plabutsch. Wir haben einfach eine hohe Lebensqualität hier.“

Kirchenwiese und Kindheit

Und Zunkovic muss sein Grätzel lieben, verbringt er doch schon sein ganzes Leben in dem Bezirk: Aufgewachsen in der Breunergasse ging er gleich um die Ecke zur Volksschule. „Als Kinder haben wir immer auf der Kirchenwiese gespielt, meistens gekickt. Leider ist die Wiese heute schon verbaut“, erinnert er sich zurück. Auch an die Burgruine, das lokale Ausflugsziel schlechthin, hat er schöne Erinnerungen. „Als Kinder sind wir rauf zum Jungfernsprung, um heimlich zu rauchen und Bier zu trinken,“ lächelt Zunkovic, der alles westlich der Wienerstraße als „Oberes“ Gösting bezeichnet.
„Mit 15, 16 Jahren waren wir dann weniger am Fußballplatz, eher mehr im Gasthaus, damals noch im alten Café Gösting.“ Gerade diese Zeit dürfte für Zunkovic, der sich als SPÖ-Bezirksrat auch politisch engagiert, wohl prägend gewesen sein, denn viele Jahre später stand für ihn fest: Sein eigenes Gasthaus kann nur „Café Gösting“ heißen.
Wie es sich für einen waschechten Göstinger gehört, kam er nach der Unterstufe im Stadtzentrum wieder in den Heimatbezirk zurück, um in der „Bulme“ die Schulbank zu drücken. „Meine Devise lautete „Durchkommen“. Obwohl es ein Jahr länger als geplant gedauert hat, war es eine geile Zeit, die ich nicht missen möchte.“

Brauchtum, Jugend, Alter
Außerdem schätzt Zunkovic an seinem Heimatbezirk, dass jeder jeden kennt. „Und dass Alt und Jung bei uns besonders gut miteinander auskommen.“
Denn im Grazer Nordwesten wohnen nicht nur viele Pensionisten, sondern immer mehr junge Menschen ziehen zu. „Viele Jungfamilien kommen hierher, gerade wird wieder ein Wohnpark fertiggestellt. Und in den kleinen Lokalen vermischen sich die Generationen.“
Überhaupt bezeichnet Zunkovic die Lokale als die Treffpunkte schlechthin im „Oberen“ Gösting: „Wir haben nicht so etwas wie einen Ortskern oder eine Mehrzweckhalle, die Lokale sind die sozialen Treffpunkte. Etwa der Göstinger Hof, der „Stiegenwirt“, das „119er“, das „Café Zunki“ meines Vaters und natürlich mein Café“, berichtet er, „die 1B vom ASV Gösting hat am Mittwoch bei mir den Stammtisch.“ Außerdem treffen sich die Generationen bei den traditionellen Festen. Der sympathische Gastwirt hat generell das Gefühl, dass in seinem Heimatbezirk das Brauchtum noch hochgehalten wird. „Das Maibaumaufstellen wird sicher nicht mehr in vielen Grazer Bezirken gepflegt“, meint Zunkovic. Auch das Annafest, das jedes Jahr am letzten Sonntag im Juli im „Gasthaus Zur Sonne“ stattfindet, erfeut sich großer Beliebtheit. „Dieses Fest ist zwar nicht mehr so groß wie früher, unterstreicht aber den dörflichen Charakter des Bezirks.“
Wegzuziehen kam für ihn nie in Frage. „Warum auch? Du bist gleich im Grünen, die Kriminalität ist niedrig, die Mietpreise noch in Ordnung. Mit der Burgruine gibt es auch noch ein lässiges Ausflugsziel, wo es am Sonntag in der Burgtaverne immer Schweinsbraten gibt, sehr zu empfehlen. Wenn da einer allerdings zu spät kommt, muss man sich mit einer Brettljause zufriedengeben.“

Grätzl-Fakten

Gösting (slawisch entweder „gostinca“ – Herberge – oder „gozd“ – Bergwald) liegt im Nordosten von Graz zwischen Mur und Plabutsch.
Bereits 1138 wurde das Dorf gegründet, das 1430 aus 33 Bauernhöfen und einigen Handwerkern bestand.
1938 wurde Gösting zu einem Teil von Graz, seit 1946 bildet es den 13. Stadtbezirk der Landeshauptstadt.
Die Burgruine Gösting, erbaut im 11. Jahrhundert, ist heute eines der beliebtesten Ausflugsziele in Graz. 1707 wurde die Burg und die Herrschaft von den Grafen Attems erworben. Seit 1925 vom „Burgverein Gösting“ betreut.
10.755 Menschen lebten bei der Zählung 2012 in dem Bezirk.

* Hier geht’s zur Diashow mit Audiokommentar von Andreas Zunkovic

* Mehr Diashows und Geschichten zu "Mein Graz"


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