Studie läuft
Neues Verkehrskonzept muss Graz als Großraum denken

Präsentierten erste Zwischenergebnisse (v.l.): Stadträtin Elke Kahr, Verkehrsplaner Willi Hüsler und Peter König von Prime Mobility.
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  • Foto: KK
  • hochgeladen von Ludmilla Reisinger

Zwischenbilanz: Der Schweizer Verkehrsplaner Willi Hüsler soll Kosten und Nutzen von S-Bahn- und Straßenbahnausbau in der Landeshauptstadt abschätzen. Seine ersten Ergebnisse: Die Bim hat noch lange nicht ausgedient. Die vollständige Studie soll im Spätherbst folgen. 

Die Straßenbahn in Graz hat noch Zukunft, soweit die guten Nachrichten, die Hüsler parat hat. Seit 20 Jahren beliefert der Schweizer die Grazer Verkehrsentwicklung bereits mit Studien, gerade analysiert er im Auftrag von Stadträtin Elke Kahr unterschiedliche Visionen. Bislang hat er sich genau mit dem möglichen Ausbau des Grazer Straßenbahnnetzes beschäftigt und bereits erste Ergebnisse vorzuweisen. Als Nächstes wird er einen Blick auf den von Kahr anvisierten S-Bahn-Ausbau werfen – und sieht auch hier nicht gerade schwarz. 

Verdoppelung der Kapazitäten möglich

Dem geplanten Tram-Ausbau stellt der Verkehrsplaner ein gutes Zeugnis aus: Dieser soll in einem ersten Schritt die Verlängerung der Linie 4 nach Reininghaus sowie 6 in Richtung "smart city" bringen, die im November 2021 in Betrieb gehen wird. Weiters geplant ist eine Entlastung der Herrengasse über die Tegetthoffbrücke (Fertigstellung 2024). Noch in ferner Zukunft liegen dagegen die neuen Bim-Linien 2, 8 und 9, die jeweils zur Uni, über den Griesplatz und in Richtung Gösting führen könnten.

Hüsler sieht hier großes Potential. Mit einem neuen Konzept und größeren Straßenbahnen könnte man die Kapazitäten um 100 Prozent erhöhen, schätzt er. Letzteres wäre vor allem eine schnelle Lösung: Wenn pro Bim 235 anstelle von 150 Fahrgästen befördert werden können, bietet das schon 50 Prozent mehr Kapazität. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Ausbau und Kapazitätserhöhung sind ohne Überlastung von Jakominiplatz und Herrengasse möglich, da es durch die neuen Strecken zu einer besseren Verteilung kommen würde. 

Haltestellen im 300-Meter-Radius

Ein entscheidender Unterschied zwischen Straßenbahn und der viel diskutierten Metro sei die Haltestellendichte, betont Hüsler. Studien in Deutschland hätten gezeigt, dass Haltestellen nur benutzt werden, wenn sie innerhalb von 300 bis 350 Metern fußläufig erreichbar sind. Darüber hinaus nimmt die Öffi-Nutzung rapide ab. "Nur drei Prozent nutzen Einstiegsstellen, die über 600 Meter entfernt sind", sagt Hüsler. Die weit auseinander liegenden Haltestellen einer Metro sind also eher ungünstig,  mit dem neuen Straßenbahnnetz könnten dagegen zukünftig 190.000 Grazer direkt in der Nähe einer Haltestelle wohnen. Ein engmaschiges Netz  zu schaffen und den Ausbau der Straßenbahn zu forcieren, ist also das eine, das andere ist die Anbindung zum Grazer Umland, mit der sich Hüsler im zweiten Teil seiner Studie beschäftigt.

Den Stadtumlandverkehr abholen

Jedes zweite Auto in Graz überquert jeden Tag die Stadtgrenze. Deshalb sei gerade in der Peripherie eine Stärkung der Öffentlichen Verkehrsmittel dringend notwendig. "In Graz ist man immer noch zu sehr auf das Zentrum fixiert", erklärt Hüsler, "aber da liegt der Öffi-Anteil schon bei ungefähr 60 Prozent." Aber wie die Stadt vom Umland aus erschließen? Ideen gibt es dafür viele – und so einige haben mit der S-Bahn zu tun. Auch Elke Kahrs Konzepte, die Hüsler gerade analysiert. 

Vorbild Zürich

Seine vollständige Studie zum S-Bahn-Ausbau wird erst im Herbst 2021 vorliegen. Darin beschäftigt sich der Verkehrsplaner mit vier möglichen Szenarien für die Zukunft: 

  1. Nur Tram-Ausbau, gekoppelt mit einer Angebotsverdichtung der S-Bahn
  2. wie Szenario 1, mit elf zusätzlichen S-Bahnhaltestellen im Stadtgebiet (Raach, Center Nord, Gösting, Peter-Tunner-Gasse, Ulmgasse, Neuholdaugasse, Südgürtel, Reininghaus, Grillweg, Seiersberg, Pirka)
  3. wie Szenario 2 mit zusätzlichem, kurzen S-Bahn-Tunnel (Ostbahnhof, Jakominiplatz und Hauptbahnhof)
  4. wie Szenario 2 aber mit mit langem S-Bahn-Tunnel (über Uni und LKH)

Als Vorbild nennt Hüsler allerdings jetzt schon Zürich, wo die PKW-Nutzung von 40 (2000) auf 25 Prozent (2019) gesunken sei – auch aufgrund zweier S-Bahn-Tunnel, die das Umland besser anbinden. Der Ausbau der S-Bahn, resümiert er, sei besonders wichtig. Man müsse Graz zukünftig als Großraum denken. Sein fertiger Arbeitsbericht soll auch in die Diskussionen der Expertenrunde  „Innovative Mobilitätslösung für Graz" einfließen, die seit Februar 2021 zu dem Thema tagt.

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