Wo Kaffeesud nicht nur gelesen wird: Businesslunch mit der "Pilzkiste"

Seit Kurzem gibt es auch einen Hooters-Burger mit Austernpilzen: C. Hofer, N. Brecko, J. Kabir und M. Springer (v.l.) kosteten ihn.
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  • Seit Kurzem gibt es auch einen Hooters-Burger mit Austernpilzen: C. Hofer, N. Brecko, J. Kabir und M. Springer (v.l.) kosteten ihn.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Christoph Hofer

Jasmin Kabir, Nina Bercko und Mercedes Springer züchten
Austernpilze, die auf Kaffeesatz wachsen.

Ein Start in den Tag ohne Kaffee? Das ist für viele Österreicher schlicht und einfach unmöglich. Cappuccino, Espresso und Co. erfreuen sich hierzulande einer großen Beliebtheit. Nicht so beliebt ist der Gedanke an die Entsorgung: Unzählige Tonnen an Kaffeesatz landen pro Tag im Restmüll. Dieses Abfallprodukt haben sich Jasmin Kabir, Nina Bercko und Mercedes Springer zunutze gemacht und begonnen, Austernpilze auf Kaffeesatz zu ziehen. Im Interview mit der WOCHE erklärt das Team der "Pilzkiste" sein Geschäftsmodell.

WOCHE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Austernpilzzucht in Graz zu starten?
Jasmin Kabir: Wir haben TV-Berichte zum Thema gesehen, unser Interesse wurde in weiterer Folge immer größer.
Mercedes Springer: Wir sind praktisch ins kalte Wasser gesprungen, haben Anfang 2017 unsere Pläne konkretisiert und in den eigenen vier Wänden mit der Produktion gestartet.
Nina Bercko: Man muss auch dazu sagen, dass keine von uns dreien eine Ahnung von der Pilzzucht und von der Landwirtschaft im Allgemeinen hatte. Wir mussten uns sehr viel Wissen selbst aneignen.

Was ist das Spezielle am Kaffeesud?
M.S.: In Kaffeebohnen stecken viele Nährstoffe. Nach dem Brühen verbleiben bis zu 99 Prozent im Kaffeesatz. In Graz wird er täglich leider tonnenweise im Restmüll entsorgt. Für uns ist er wichtig, schließlich bildet er den wesentlichen Teil des Substrats für die Aufzucht der Pilze.

Woher beziehen Sie Ihren Rohstoff?
J.K.: Wir holen den Kaffeesatz mehrmals in der Woche von Kaffeehäusern, Restaurants und Hotels ab, haben da in Graz schon gute Partner, sind aber immer auf der Suche nach weiteren.

Auf Ihrer Homepage ist auch von Kreislaufwirtschaft die Rede ...
N.B.: Einerseits verkaufen wir die Austernpilze oft wieder an jene Lokale, von denen wir den Kaffeesatz beziehen.
M.S.: Andererseits nutzen wir mit den sogenannten Kaffeehäutchen ein weiteres Abfallprodukt der Röstung. Nach der Pilzernte stellen wir das Alt-Substrat nämlich wieder als landwirtschaftlichen Dünger zur Verfügung.

Wie sieht der Produktionsprozess aus?
J.K.: Produziert wird in Säcken, zunächst in einem abgedunkelten Raum. Danach geht’s in den Fruchtungsraum, wo es hell und kühl ist. Bis man die fertigen Austernpilze ernten kann, dauert es vier bis sechs Wochen.
N.B.: Uns ist vor allem die Frische des Produktes wichtig. Wenn Kunden früh genug anrufen, ernten wir so, dass möglichst keine Wartezeiten entstehen. Ziel ist es auch, möglichst verpackungsfrei zu arbeiten.
M.S.: Wir stellen den Kunden Kisten zur Verfügung, die man wieder zurückgeben kann. Viele Kunden bringen ohnehin ihre eigene Schüssel mit.

Sie bieten aber nicht nur Austernpilze an ...
M.S.: Neben den Frischpilzen bieten wir auch eine Austernpilzcreme an. Wir waren sehr überrascht, dass es noch nichts Vergleichbares im Handel gab.
J.K.: Ziel war, ein hochwertiges Produkt zu entwickeln. Unsere Creme hat einen Pilzanteil von 95 Prozent und kann sehr vielseitig verwendet werden.
N.B.: Dazu kann man bei uns auch ein Grow-Kit erwerben und die Austernpilze daheim mit dem eigenen Kaffeesatz selbst ziehen.

Infos zur "Pilzkiste"

Das Start-up wurde 2017 von Jasmin Kabir, Nina Bercko und Mercedes Springer gegründet.
Finanziert hat sich das Trio zunächst über eine Crowdfunding-Initiative.
Heute züchten die drei Damen in der Höchstproduktion pro Jahr rund 15 Tonnen Austernpilze.
Die Pilzkiste ist offiziell auch ein landwirtschaftlicher Betrieb.
Den Kaffeesatz beziehen die drei von verschiedenen Partnern in Graz (u.a. Café Kaiserfeld, Das Gramm, Odilien-Institut).
Abnehmer der Pilze sind Gastrobetriebe und private Endkonsumenten.
Kaufen kann man die Pilze und die Austernpilzcreme ab Hof (vorab oder telefonisch zu bestellen) oder an diversen Verkaufsstellen (u.a. Bauernladen Pölzl, Dekagramm).
Auch das Thema Franchise ist für das Trio gerade aktuell.
Standort: Lehárgasse 1
Telefon: 0316/67 19 08
Web: https://www.pilzkiste.at/

Das ist Jasmin Kabir

Geboren im Jahr 1981.
Hat nach der Matura für verschiedene Betriebe gearbeitet (u.a. Hooters), war auch in der Gastronomie und im Werbe- und Eventmanagement-Bereich tätig.
Beim Wandern (und ohne Handy) kann sie abschalten.

Das ist Nina Bercko

Geboren 1979 in Salzburg.
Hat ein Hochbau-Kolleg an der HTL absolviert und danach Germanistik studiert.
Heute unterrichtet sie auch noch nebenbei an der Uni.
In ihrer Freizeit widmet sie sich gerne dem eigenen Garten.

Das ist Mercedes Springer

Geboren 1986 in Klagenfurt.
Hat Schauspiel studiert und als Schauspielerin gearbeitet.
Auch heute verfasst sie in ihrer Freizeit noch Texte.
An der Pilzkiste mag sie, dass alle drei Damen unterschiedliche Zugänge und Ansätze haben.

Gast & Wirtschaft: Hooters Graz Nord

Adresse: Wiener Straße 331 (Shopping Nord), 8051 Graz
Telefon: 0316/90 88 08
Web: https://www.hooters-austria.com/
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag von 10 Uhr bis Mitternacht, Sonn- und Feiertag von 10.30 bis 23 Uhr
Beschreibung: Vier Hooters-Filialen gibt es in Österreich, zwei davon in Graz (Liebenau, Graz Nord). Die Auswahl an Speisen ist sehr groß und reicht von Chili con Carne über Steaks und Quesadillas, Salaten bis hin zu Burgern und Nachspeisen. Dazu kommen ein tägliches Menü sowie ein Mittagsmenü unter der Woche.
Das Essen: Nachdem die Austernpilze der "Pilzkiste" mittlerweile auch an das Hooters geliefert werden, war es für Jasmin Kabir, Mercedes Springer und Nina Bercko sowie Redakteur Christoph Hofer nur logisch, den ganz neuen Burger mit den selbst gezogenen Pilzen zu kosten. Fotograf Jorj Konstantinov wählte einen Grilled Caeser Salad.
Die WOCHE meint: Ein Burger, der kein Fleisch vermissen lässt: Die Austernpilze mundeten vorzüglich. Definitiv eine gute Erweiterung des Speisensortiments.

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