Moustafa - Frühstück mit einem syrischen Flüchtling

In der direkten Begegnung entstehen Brücken von Mensch zu Mensch
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- Begegnung im REHA-Zentrum Münster -

So ein REHA-Aufenthalt hat verschiedene Gesichter: Ärzte, TherapeutInnen, Reinigungs- und Bedienungspersonal, MitpatientInnen und BesucherInnen... Seit vergangenen Dienstag gibt Moustafa meinem Aufenthalt in Münster ein unvergessliches Gesicht. Zufällig saßen wir am gleichen Frühstückstisch im perfekt organisierten Speisesaal des Zentrums. Mein Blick auf seinen Frühstücksteller - auf dem sich Sesamkörner, Sonnenblumenkerne, Nüsse und Honig zu einem Brei zusammengefunden hatten - brachte den 33-jährigen Mann zum Lachen. Ich muss wohl ein selten doofes Gesicht gemacht haben. Lachend kamen wir ins Gespräch. Moustafa sitzt im Rollstuhl. Er hat MS - Multiple Sklerose. Mit Gestik und Mimik, mit einem Gemisch aus Deutsch, Englisch und Arabisch gelang der Austausch. Moustafa hatte in seiner Heimat Syrien einen Tuchhandel. Drei Nähmaschinen waren sein Eigen und dazu hatte er ein paar Näherinnen angestellt. Seine Ehefrau und drei Kinder machten sein Glück vollkommen. Der Bürgerkrieg in seinem Land hat das über Nacht zerstört,
Das Regime von Präsident Baschar al-Assad nutzte im Herbst des vergangenen Jahres die Wirrnisse um die Terrororganisation IS und die mangelnde Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft und bombardierte Aleppo, holte es aus der gesuchten Unabhängigkeit gewaltsam zurück unter die Knute des totalitären Regimes. Moustafas Haus und seine kleine Firma lagen über Nacht in Schutt und Asche. So schickte er seine Frau und die beiden größeren Kinder mit Verwandten in die Türkei. Er selber wollte noch nach seiner dreijährigen Tochter suchen, die unter den Trümmern lag. Noch bevor er das geliebte Kind finden konnte, musste auch er fliehen. Die Grenze zur Türkei war unpassierbar. So wählte er den Weg nach Griechenland. Über Mazedonien, Serbien und Ungarn führte der Irrweg seiner Flucht nach Österreich. Hier angekommen, suchte er einen Job. Bei der Arbeit in der Gastronomie brach Moustafa eines Nachts zusammen. Die Diagnose "Multiple Sklerose" bedeutet zur Zeit ein Rollstuhl-Dasein für ihn. Mit großer Fürsorge, Aufmerksamkeit und Herzlichkeit hat man sich hier in Münster ganz außergewöhnlich um diesen wunderbaren jungen Mann gekümmert. Geld hat er keinen Cent. Geblieben ist ihm seine bemerkenswerte Strahlkraft, seine Energie und seine ungebrochene Sehnsucht und Hoffnung, eines Tages mit seiner Familie wieder nach Aleppo zurück zu können. Mit Beginn dieser Woche ist Moustafa zurück im überlaufenen Traiskirchen - im Rollstuhl. Die Bemühungen um Menschlichkeit laufen auch dort... Ob sie im konzentrierten und numerischen Übermaß von Flüchtlingsschicksalen und menschlichem Elend möglich sind... Schwerer als hier wird´s wohl allemal für ihn und für die, die sich mühen um ihn.
Meine Gedanken und ein wenig materielle Hilfe begleiten ihn. Allen aber, die ihre ängstliche Hartherzigkeit und ihren dümmlichen Egoismus hinter scheinbar politischen Parolen verstecken, wünsche ich ein einziges Mal die Begegnung mit einem Moustafa und den Fotos von der dreijährigen Tochter, die er unter den Trümmern von Aleppo zurück lassen musste.

Autor:

Martin Frank Riederer OPraem aus Landeck

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