Deckt das Angebot den Bedarf?
385 Behindertenparkplätze, aber keine Bedarfsplanung
- Eine Anfrage von GR Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz) stellt das Thema Behindertenparkplätze in Innsbruck in den Fokus.
- Foto: Lucia Königer
- hochgeladen von Lucia Königer
In Innsbruck gibt es derzeit 385 öffentliche Behindertenparkplätze. Seit 2014 wurden zahlreiche zusätzliche Stellplätze geschaffen. Enie stadtweite Bedarfsplanung liegt laut Stadtverwaltung nicht vor. Für GR Gemeinderätin Andrea Haselwanter-Schneider wirft die Beantwortung mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
INNSBRUCK. Wie viele Behindertenparkplätze stehen in Innsbruck zur Verfügung? Wie hat sich ihre Zahl entwickelt und wo besteht zusätzlicher Bedarf? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Gemeinderätin Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz) in einer schriftlichen Anfrage an Bürgermeister Johannes Anzengruber. Die Anfragebeantwortung der Stadt Innsbruck zu den öffentlichen Behindertenparkplätzen wirft für Liste-Fritz-Parteiobfrau und Gemeinderätin Andrea Haselwanter-Schneider mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Zwar gibt es laut Stadt 385 öffentliche Behindertenparkplätze, eine konkrete Einschätzung, ob diese den tatsächlichen Bedarf decken, bleibt die Stadt jedoch schuldig.
„Eine Innsbruckerin im Rollstuhl hat mir deutlich vor Augen geführt, mit welchen Schwierigkeiten Menschen mit Behinderungen bei der Parkplatzsuche täglich konfrontiert sind. Barrierefreiheit darf nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern muss im Alltag funktionieren. Deshalb fordern wir eine umfassende Überprüfung aller Behindertenparkplätze, die rasche Behebung bestehender Mängel und zusätzliche Stellplätze dort, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Einen entsprechenden Antrag haben wir bereits eingebracht“, betont Haselwanter-Schneider.
Die Stadtverwaltung beantwortete die insgesamt 20 Fragen. Demnach gibt es derzeit 385 öffentliche Behindertenparkplätze im Innsbrucker Stadtgebiet. Diese befinden sich auf Straßen im Sinne der Straßenverkehrsordnung und können von entsprechend berechtigten Personen genutzt werden.
- Anzahl der Behindertenparkplätze in Innsbruck. Zahlen aus der Anfragebeantwortung im Innsbrucker Gemeinderat.
- Foto: Daten Stadt Ibk/MeinBezirk(KI generiert
- hochgeladen von Georg Herrmann
129 neue Stellplätze seit 2014
Aus der Aufstellung der Stadt geht hervor, dass zwischen 2014 und 2025 insgesamt 126 neue Behindertenparkplätze geschaffen wurden. Im Jahr 2026 kamen bisher drei weitere verordnete Stellplätze hinzu. Vier zusätzliche Anträge befinden sich noch in Bearbeitung.
Die meisten neuen Stellplätze wurden 2024 mit 15 verzeichnet. In den Jahren 2014, 2015 und 2025 waren es jeweils 14. Im selben Zeitraum wurden allerdings auch bestehende Behindertenparkplätze aufgelassen oder verlegt. Zwischen 2014 und 2025 gab es insgesamt sieben Auflassungen und zehn Verlegungen.
Keine stadtweite Bedarfsplanung
Die Anfrage sollte auch klären, ob die vorhandenen Behindertenparkplätze ausreichen. Eine konkrete Bewertung des Gesamtbedarfs enthält die Beantwortung nicht. Die Stadt verweist darauf, dass die Einrichtung solcher Stellplätze nach den Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung im Einzelfall geprüft werden müsse. Entscheidend seien unter anderem der Wohn- oder Arbeitsort der betroffenen Person sowie die Nähe zu häufig besuchten Einrichtungen. Aus diesem Grund gebe es laut Stadtverwaltung keinen allgemeinen Richtwert und keine stadtweite Bedarfsplanung für die Anzahl der Behindertenparkplätze. Auch auf die Frage, in welchen Stadtteilen der größte zusätzliche Bedarf besteht, nennt die Stadt keine konkreten Gebiete.
Keine Angaben zur Zahl der Berechtigten
Unbeantwortet bleibt zudem, wie viele Menschen mit Hauptwohnsitz in Innsbruck über einen gültigen Parkausweis nach Paragraf 29b der Straßenverkehrsordnung verfügen. Die Stadtverwaltung weist die entsprechenden Fragen mit der Begründung zurück, dass die Ausstellung dieser Ausweise nicht in den eigenen Wirkungsbereich der Stadt falle. Menschen mit einem entsprechenden Parkausweis können die Einrichtung eines Behindertenparkplatzes in der Nähe ihrer Wohnung oder Arbeitsstätte beantragen. Voraussetzung ist neben dem gültigen Ausweis, dass die gewünschte Straßenstelle rechtlich und tatsächlich dafür geeignet ist. Nach Angaben der Stadt wurden 2024 insgesamt 13 entsprechende Anträge bewilligt und keiner abgelehnt. Im Jahr 2025 wurden 14 Stellplätze auf Antrag von Privatpersonen verordnet. Auch in diesem Jahr gab es laut Stadt keine Ablehnung. Für 2026 nennt die Verwaltung bisher drei verordnete Stellplätze und vier noch offene Verfahren.
Weitere Maßnahmen nicht konkretisiert
Ob in den kommenden Jahren zusätzliche Behindertenparkplätze eingerichtet werden, kann die Stadt derzeit nicht beziffern. Die Zahl künftiger Anträge sei nicht vorhersehbar. Anregungen von Behindertenorganisationen, Interessenvertretungen und dem Behindertenbeirat würden geprüft. Auf die Frage nach weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität für Menschen mit Behinderungen verweist die Stadt allgemein auf taktile Leitsysteme und Behindertenparkplätze. Konkrete zusätzliche Projekte oder Zeitpläne werden in der Anfragebeantwortung nicht genannt.
- GR Andrea Haselwanter-Schneider bei der Angelobung im Gemeinderat
- Foto: Erich Staudinger
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