Erleichterung nach Innsituation
Keinerlei Verständnis für Ignoranten

Trotz Absperrung und Warnhinweis wird die gefährdete Brücke genutzt.
  • Trotz Absperrung und Warnhinweis wird die gefährdete Brücke genutzt.
  • Foto: Foto: Berufsfeuerwehr Innsbruck
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK (hege). Brückensperren, Schienenersatzverkehr, Katastrophenschutzpläne, mobile Hochwasserschutzvorrichtungen in der Altstadt. Innsbruck bereitete sich vergangene Woche auf die Katastrophe vor. Innerhalb von 48 Stunden stieg der Innpegel rasant über die sogenannte HW 30 Markierung (Wasserstand bei 30-jährlichem Durchfluss. Ausuferungen vor allem im Freiland sind möglich). In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war der Pegel nur mehr 18 cm von derHW 100 Markierung entfernt. Bei 650 cm droht die Gefahr der Überflutung auch in Siedlungsräumen.

Rasche Entwicklung

Pfingstspaziergänger konnten entlang der Innpromenade die Entwicklungen des Inns mitverfolgen und erste Anzeichen für die drohende Gefahr erkennen. Am Dienstag um 6.38 Uhr meldete sich Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi auf seinem Facebook-Account: "So viel Wasser im Inn heute früh um 5.30 Uhr! Hoffentlich schmilzt der Schnee nicht zu schnell ... und bleiben Gewitter aus." Am Dienstagabend wurde über die ersten Sperren informiert: "Aufgrund des Hochwassers sind derzeit in Innsbruck die Karwendelbrücke, der Emile-Béthouart-Steg sowie der Hans-Psenner-Steg gesperrt". Sowohl die Berufsfeuerwehr als auch die Freiwilligen Feuerwehren sind einsatzbereit. Die ÖBB stellte Mittwochfrüh den Schienenverkehr zwischen Westbahn und Innsbruck Hötting ein.

Erster Rekordwert

Um 10 Uhr überschreitet der Pegel die HW 30 Marke. Im Laufe des Mittwochvormittags stieg der Innpegel auf 628 cm. Rund um die Uhr wird der Inn von der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG) beobachtet. IKB, TILAK und Universität bereiteten sich auf das Hochwasser vor. Als präventive Maßnahme wird der Hochwasserschutz vom Marktgraben bis zur Herrengasse vorbereitet und mit der Sperre der Innseitigen Zugänge am frühen Nachmittag umgesetzt.

Kurze Erholung

Auch wenn der Innpegel in den Nachtmittagsstunden wieder leicht sank, blieben die Geschäftstreibenden in der Innsbrucker Altstadt wachsam. Peter-Paul Bloder hat beispielsweise in seinem Modegeschäft ebenso vorgesorgt wie der direkte Nachbar Christian Pramstaller. Besondere Exponate hat der IN-N art gallery Besitzer zur Sicherheit in den ersten Stock gebracht.
In den Nachtstunden spitze die Situation neuerlich zu.

Unruhige Nacht

Innerhalb kurzer Zeit stieg der Innpegel gegen 1 Uhr früh am Donnerstag auf die Rekordmarke von 632 cm und lag nur mehr 18 cm unter der kritischen Grenze. Dann beruhigte sich die Wassersituation wieder und im Laufe des Donnerstags konnte Entwarnung gegeben werden.

Hohe Professionalität

Die Angst vor dem Wasser ist spürbar und schwer zu Händeln, wie auch der politisch Verantwortliche für Innsbrucks Feuerwehren, Vizebürgermeister Franz X. Gruber, festhält: „Natürlich hat man Sorge um die Bevölkerung und die Einsatzkräfte. Aber wir alle waren ja da, um Gefahren und Schäden abzuwehren, also schlicht im Arbeitsmodus. Beruhigend war in jedem Moment das Wissen um unsere Schlagkraft und die hohe Professionalität aller unserer Einsatzkräfte. Dafür nochmals ein großes Dankeschön.“
Die Koordination der Einsatzkräfte im Krisenmanagement verlief einwandfrei. „Die Feuerwehreinsatzleitung wurde hochgefahren, gemeinsam mit Gemeindeeinsatzleitung, Landesleitstelle und relevanten Fachdienststellen wie dem Hydrographischen Dienst des Landes wurde hier von allen ganze Arbeit geleistet.“

150 Einsatzkräfte und viele Ehrenamtliche

Die Sicherheit der Innsbrucker Bevölkerung und ihres Hab und Gutes wurde in diesen Tagen unter anderem von etwa 150 Einsatzkräften, vor allem der Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehr, aber auch von Rettung, Bergwacht, Polizei und der MÜG garantiert. Innsbrucker Kräfte waren zeitgleich beim Sucheinsatz im Ötztal und beim Waldbrand in Absam im Einsatz. Einsatzkosten fallen nur im Bereich der Logistik und notwendigen Einsatzstunden von Mitarbeitern an. Franz X. Gruber: „Diese fallen nicht ins Gewicht. Hier zeigen die Ehrenamtlichen auch in solchen schwierigen Situationen ihre unverzichtbare Stärke für unsere Stadt.“

Null Verständnis

Die Informationen an die Bevölkerung waren auch dank der sozialen Medien auf einem sehr hohen Niveau. Scharfe Kritik gibt es vom Verantwortlichen aber an den wenigen Unverbesserlichen. „Wir sperren Brücken nicht aus Spaß ab. Das Abreißen der Sperrung und die Nutzung der Brücke ist lebensgefährlich und kann auch Dritte und Helfer in Not bringen. Dafür habe ich keinerlei Verständnis und auch keine Toleranz.“, hält Franz X. Gruber abschließend fest.

Die Chronologie der Situation in Innsbruck auf meinbezirk.at kann hier nachgelesen werden.

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