Natur-Alarm 2026
Gründe für das Amphibiensterben in der Steiermark – ein Trauerspiel
- Die blauen Moorfrösche konnten im Frühjahr in der Südsteiermark noch in großer Anzahl bewundert werden. Jetzt kommen sie nur noch vereinzelt vor.
- Foto: E. Bernhart
- hochgeladen von Waltraud Fischer
Der stetige Rückgang der Amphibien bereitet der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht große Sorgen. Heuer konnten bei den Krötenwanderungen wesentlich weniger Tiere in der Steiermark gezählt werden. Der Landesleiter Raphael Narrath warnt vor einem stillen Sterben der Amphibien.
STEIERMARK. Die Amphibienschutzzäune sind abgebaut, die Kübel eingesammelt – die Amphibienwandersaison 2026 ist vorbei. Zurück bleibt eine beunruhigende Bilanz: Aufgrund der heurigen Wetterlage wurden an der Mehrzahl der von zahlreichen Ehrenamtlichen betreuten Wanderstrecken in der südlichen Steiermark dramatisch wenig Tiere gezählt.
So blieben im März, der Hauptwandersaison der meisten Amphibienarten, in der südlichen Steiermark nennenswerte Niederschläge nahezu vollständig aus (Quelle: Geosphere Austria). Gleichzeitig sanken die Temperaturen in vielen Nächten unter den Gefrierpunkt – Bedingungen, unter denen Amphibien ihre Wanderung zu den Laichgewässern oft gar nicht erst antreten. Zusätzlich trockneten viele temporäre Gewässer, die manchen Amphibienarten als Kinderstube für Kaulquappen dienen, frühzeitig aus.
- Beim Aufbau des Amphienzauns in Rabenhof - die Anzahl der Tiere war heuer wesentlich geringer.
- Foto: G. Ambrosch
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Entwicklung bereitet Sorgen
„Ein einzelnes schlechtes Jahr wäre für stabile Populationen verkraftbar“, erklärt Raphael Narrath, Landesleiter der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht. „Doch wir beobachten seit Jahren einen kontinuierlichen Rückgang.“
Ein besonders eindrückliches Beispiel liefert die Amphibienwanderstrecke an den Rabenhof-Teichen bei Sankt Veit am Vogau. Seit mehr als einem Jahrzehnt werden hier die Zahlen der wandernden Tiere systematisch erfasst.
- Landesleiter Raphael Narrath von der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht warnt vor dem stillen Amphibiensterben in der Steiermark.
- Foto: Waltraud Fischer
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Moorfrösche beinahe ausgestorben
Die Rabenhof-Teiche gelten als regionaler Amphibien-Hotspot, hier kommen neun von 16 heimischen Amphibienarten vor, darunter seltene und europaweit geschützte Arten wie die Knoblauchkröte. Bekannt waren die Teiche bei Naturbegeisterten jedoch vor allem für das bedeutende Vorkommen von Moorfröschen. Jedes Frühjahr bot sich hier ein besonderes Naturschauspiel: Für wenige Tage färben sich die männlichen Moorfrösche während der Paarungszeit leuchtend blau. Wo früher jedoch ein spektakulärer blauer Teppich zu sehen war, sind heute mit Glück noch einzelne Tiere zu entdecken. Wurden im Jahr 2018 noch über 4.000 wandernde Moorfrösche gezählt, waren es heuer nicht einmal mehr hundert.
- Vertrockneter Laich ist ein ernstes Problem für Amphibien (Frösche, Kröten), besonders bei plötzlichem Abfall des Wasserstands in Flachgewässern im Frühjahr. Wenn Laichgewässer austrocknen, stirbt der Laich meist ab.
- Foto: A.Tiefenbach
- hochgeladen von Waltraud Fischer
Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig. Neben den klimatischen Veränderungen spielen auch Lebensraumverlust, Straßenverkehr und Umweltgifte eine Rolle. Amphibienschutzzäune und der Einsatz von Freiwilligen, die Tiere sicher über Straßen tragen, sind wichtige Maßnahmen – doch sie können die grundlegenden Probleme nicht lösen. Gerade der Moorfrosch braucht Lebensräume mit hohem Grundwasserstand und staunassen Böden, etwa Niedermoore, Au- und Bruchwälder, Altarme von Tieflandflüssen, strukturreiche Feuchtwiesen oder auch extensiv genutztes, feuchtes Ackerland. Sein wissenschaftlicher Name "Rana arvalis" (lateinisch für „auf dem Feld lebend“) verweist auf eine Kulturlandschaft, die mit der heutigen, intensivierten Landschaft kaum mehr vergleichbar ist.
Umso dringlicher sind verstärkte Anstrengungen zum Schutz dieser Art, die in Österreich inzwischen als „vom Aussterben bedroht“ gilt. Gefordert sind vor allem Maßnahmen gegen die zunehmende Austrocknung der Landschaft, der Erhalt und die Wiederherstellung von Feuchtgebieten sowie eine bessere Vernetzung von Lebensräumen.
- Für wenige Tage färben sich die männlichen Moorfrösche während der Paarungszeit leuchtend blau. Nur mit ein wenig Glück konnten sie heuer noch bei den Rabenhof-Teichen beobachtet werden.
- Foto: E. Bernhart
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Die Steiermärkische Berg- und Naturwacht versucht unter der Leitung der Herpetologen Eva Bernhart und Werner Kammel mit gezielten Verbesserungsmaßnahmen der Lebensräume dem Verschwinden dieser Art entgegenzuwirken. Gefördert werden diese Bemühungen vom Land Steiermark und dem Biodiversitätsfonds. Ein besonderer Dank gilt auch den Teichbesitzern, die den Maßnahmen äußerst positiv gegenüberstehen.
Um das stille Sterben aufzuhalten, bedarf es jedoch verstärkter und vor allem langfristiger Anstrengungen – nicht nur an den Rabenhof-Teichen, sondern auch an den wenigen anderen verbliebenen Vorkommen. Ergänzend zu den Lebensraumverbesserungen sollte auch der Aufbau von Nachzuchtprogrammen in Betracht gezogen werden, sind sich Expertinnen und Experten einig.
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