Leobener Forschungsprojekt
"Die Mur ist in einem erfreulichen Zustand"
- Derzeit ist das Forschungsteam an der Meža und Drau in Slowenien zur Probenahme unterwegs (v.l.): Antonia Siebenbrunner, Stefan Wagner, Ulrike Moser und Johanna Irrgeher.
- Foto: Johanna Irrgeher
- hochgeladen von Laura Jung
Von der Mur bis zum Amazonas: An der Montanuniversität Leoben entwickelt ein interdisziplinäres Forschungsteam neue Methoden, um Flusslandschaften besser zu verstehen und zu schützen. Mit innovativen Analysen machen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter sichtbar, wie Nährstoffe, Schadstoffe – aber auch Fischarten – durch Flüsse wandern. Das Projekt MURmap zeigt: Die Mur ist in einem erfreulich guten Zustand.
LEOBEN. Flüsse sind Lebensadern – für Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme. Gerade in Zeiten von Wasserknappheit und Klimawandel rücken sie stärker in den Fokus. An der Montanuniversität Leoben arbeitet derzeit ein interdisziplinäres Team rund um Projektleiterin Johanna Irrgeher daran, mit modernsten Methoden die „Gesundheit“ unserer Flüsse besser zu verstehen.
Stoffe sichtbar machen
Im Projekt MURmap haben die Forschenden neue Analysewerkzeuge entwickelt: Mit Hilfe von empfindlichen Tracer-Methoden und Isotopenverhältnissen wird sichtbar gemacht, wie sich Stoffe und Lebewesen in Flussgebieten bewegen. Ob Nährstoffe, Schadstoffe oder wandernde Fischarten wie der Huchen: Alles hängt von der sogenannten Konnektivität ab – also davon, ob Flüsse frei verbunden sind und natürliche Wanderwege bestehen.
- Manchmal kommt es auch vor, dass Johanna Irrgeher bis in die Nacht arbeitet, weil sie die Auswertungsergebnisse nicht erwarten kann.
- Foto: MeinBezirk
- hochgeladen von Astrid Moder
Für die Mur konnten dabei positive Ergebnisse festgestellt werden: Ihr Wassergütezustand ist heute überaus gut. Historische Belastungen aus vergangenen Bergbauzeiten spielen kaum mehr eine Rolle. Selbst punktuelle Einleitungen („discharges“) gelten aktuell als ökologisch unbedenklich. Dennoch bleibt die Durchgängigkeit des Flusses entscheidend – etwa für gefährdete Arten, die auf freie Wege und hohe Wasserqualität angewiesen sind.
Umweltveränderungen beobachten
Ein wichtiger Baustein der Forschung sind passive Probenahmesysteme, die es ermöglichen, Umweltveränderungen zeitlich integriert zu beobachten – von der Quelle bis zur Mündung. So lassen sich ökologische Zusammenhänge besser erfassen und Maßnahmen für den Schutz ableiten.
Aus MURmap entstand inzwischen das Nachfolgeprojekt DISCOVER, das den Blick weitet: Es untersucht nun das Einzugsgebiet der Drau, auch bekannt als der „Europäische Amazonas“. Gerade in diesem einzigartigen Naturraum ist die Frage der Konnektivität von großer Bedeutung, sei es für die Artenvielfalt oder für das Aufspüren möglicher Ressourcen und Rohstoffe.
- Masterstudentin Antonia Siebenbrunner und Dr. Stefan Wagner am Forschungsboot im Amazonas.
- Foto: Johanna Irrgeher
- hochgeladen von Laura Jung
International im Einsatz
Die Leobener Forschung ist aber nicht nur regional wichtig. Das Team arbeitet auch international – etwa mit Partnern im brasilianischen Amazonasgebiet. Dort wie hier stehen Wasserqualität, nachhaltige Ressourcennutzung und der Schutz sensibler Ökosysteme im Mittelpunkt.
„Flüsse kennen keine politischen Grenzen – das zeigen nicht nur unsere Daten, sondern auch die Kooperationen, die aus der Forschung entstehen, in Europa und weit darüber hinaus. Gerade in Zeiten wie diesen ist das unverzichtbar.“
Johanna Irrgeher, Projektleiterin von MURmap an der Montanuniversität Leoben
- Das Forschungsteam beim Murursprung in Salzburg.
- Foto: Johanna Irrgeher
- hochgeladen von Laura Jung
Damit trägt die Montanuniversität Leoben wesentlich dazu bei, unsere Wasserressourcen langfristig zu sichern – lokal an der Mur und Drau, und global bis in den Amazonas.
Wissenschaftliches Team
- Johanna Irrgeher leitet die Projekte in Österreich an der Montanuniversität Leoben. Ihr Profil umfasst über 15 Jahre Expertise in umweltanalytischer Chemie, Isotopenanalyse, komplexer Datenauswertung und internationalen Feldkampagnen.
- Stefan Wagner, Wissenschaftler im Projektteam, ist Experte für die Entwicklung von passiven Beprobungstechniken im Bereich von Umwelt- und Materialanalytik sowie deren Erweiterung auf medizinische Anwendungen.
- Viele Forschende sowie Bachelor-, Master- und Doktoratsstudierende sind im Einsatz, darunter Ulrike Moser, Antonia Siebenbrunner und Donata Bandoniene.
- Auch im Amazonas hat das MURmap-Team der Montanuniversität rund um Johanna Irrgeher (3. v. l.) bereits Proben entnommen.
- Foto: Johanna Irrgeher
- hochgeladen von Laura Jung
MURmap steht exemplarisch für moderne Umweltforschung: multidisziplinär, methodenreich, international und regional verankert. Die Kombination von innovativer Analytik, Systemdenken und talentierten Forschenden eröffnet neue Perspektiven für den Gewässerschutz – egal ob Mur, Drau oder Amazonas.
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