"Musik ist mein Ort"
Dalal Bruchmann über Heimat, Erinnerung und ihr neues Album
Komponistin Dalal Bruchmann aus Bad Waltersdorf lebt und arbeitet seit rund 15 Jahren zwischen den USA und ihrer steirischen Heimat. Von der Pop - und elektronischen Dance-Musik führte ihr Weg zunehmend zur Klassik und Filmmusik. Mit „Things I Choose to Keep“ hat sie nun ihr bisher persönlichstes Album veröffentlicht.
STEIERMARK/HARTBERG-FÜRSTENFELD. Für die steirische Komponistin Dalal Bruchmann ist Musik mehr als ein Beruf. Sie ist Ausdruck, Rückzugsort und oft auch ein Weg, persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Mit ihrem neuen Album „Things I Choose to Keep“, das im November 2025 bei Warner Classics erschienen ist, zeigt sie eine besonders intime Seite ihres Schaffens. Im Rahmen der Serie "Wödsteira - Auslandssteirer im Interview" erzählt sie von ihrem Weg auf internationale Bühnen und dem überwältigenden Moment, wenn eine Idee, die still am Klavier entstanden ist, plötzlich um die Welt reist.
- Im November 2025 veröffentlichte die Steirerin Dalal Bruchmann ihr neues Solo-Piano-Album „Things I Choose to Keep“. Dieses ist ihrer verstorbenen Mutter gewidmet.
- Foto: Bruchmann
- hochgeladen von Martina Schweiggl
MeinBezirk: Seit wann leben Sie nicht mehr in der Steiermark?
Dalal Bruchmann: „Ich bin 2010 in die USA ausgewandert – zunächst lebte ich mehrere Jahre in New York City, später in Los Angeles und schließlich in Austin, Texas. Heute arbeite ich zwischen den USA und Österreich beziehungsweise Europa. 2024 verstarb meine geliebte Mutter leider viel zu früh. Dieser Verlust hat meinen Lebensmittelpunkt wieder stärker in die Steiermark verlagert, um näher bei meiner Familie zu sein. Seither lebe ich mit meinem Partner in Graz.“
Was hat Ihnen das Leben in den USA gegeben, das Sie in Österreich so nicht gefunden hätten?
„Die USA haben mir vor allem Weite gegeben – künstlerisch wie auch menschlich. Der Markt ist größer und stärker spezialisiert, und für meine Arbeit als Komponistin und Musikerin gab es dort eine breiter gefächerte Nachfrage sowie viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit – besonders im Bereich Film, Klassik und Crossover. Was mich besonders geprägt hat, ist der Unternehmergeist und der Mut vieler Menschen. Dieses „Why not?“ hat mich inspiriert, größer zu denken und Risiken einzugehen. Außerdem schätze ich die multikulturelle Vielfalt sehr. Die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Denkweisen hat meinen Horizont enorm erweitert.“
Wann fühlen Sie sich heute Ihrer steirischen Heimat besonders nah – eher im Alltag oder beim Musizieren?
„Beim Musizieren denke ich tatsächlich nicht bewusst an eine bestimmte Heimat – in diesen Momenten gibt es für mich nur die Musik. Sie ist mein eigentlicher Ort. Gleichzeitig trage ich meine steirischen und österreichischen Wurzeln sehr tief in mir. Ich bin unglaublich stolz, aus einem Land mit einer so reichen Musikgeschichte zu kommen – das ist Teil meiner DNA. Auch viele steirische Traditionen schätze ich sehr, sie geben mir ein Gefühl von Erdung. Ich fühle mich heute zwar auf der Welt zu Hause, aber meine Herkunft bleibt ein wichtiger innerer Anker. Und manchmal zeigt sich das ganz einfach: Wenn ich für meine Freunde in den USA steirisch koche, merke ich, wie sehr mich diese Heimat auch im Alltag begleitet.“
Ihr neues Solo-Piano-Album ist kürzlich erschienen. Wie würden Sie dieses Werk jemandem beschreiben, der Ihre Musik noch nicht kennt?
„Mein neues Album „Things I Choose to Keep“ ist ein Modern-Classical-Album, überwiegend für Solo-Klavier. Die Musik entstand nach dem Tod meiner Mutter. Sie war für mich ein Ort, an dem ich zur Ruhe kommen und meine Trauer verarbeiten konnte. Das Album verbindet klassische Klaviertradition mit einem zeitgemäßen Zugang. In meiner Musik bewege ich mich gerne sowohl minimalistisch als auch impressionistisch. Es geht weniger um Virtuosität als um Stimmung, Melodie, Emotion und erzählerische Tiefe.“
- Dalal Bruchmann steht bei Warner Classics sowie bei Parlophone Records unter Vertrag und arbeitet sowohl an eigenen Projekten als auch an Kompositionen für Orchester, Filmproduktionen und internationale Pop- und Electronic Dance Music-Künstler.
- Foto: Bruchmann
- hochgeladen von Martina Schweiggl
Was unterscheidet dieses Album künstlerisch von Ihren bisherigen Veröffentlichungen?
„Dieses Album ist definitiv mein persönlichstes Werk bisher. Der Tod meiner Mama ist für mich bis heute ein surreales Erlebnis, und die Musik war mein Weg irgendwie zu versuchen, damit umzugehen. Ich sehe dieses Album als eine Art Akt des Glaubens – als Vertrauen darauf, dass es weitergeht und dass man selbst aus den schwierigsten Zeiten etwas Sinnvolles oder sogar Schönes entstehen lassen kann. Künstlerisch unterscheidet es sich auch dadurch, dass ich mich bewusst reduziert habe. Normalerweise schreibe ich gerne für größere Instrumentierungen oder orchestrale Besetzungen. Diesmal wollte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren – hauptsächlich auf ein Instrument, das Klavier. Diese Reduktion hat eine andere Form von Intimität geschaffen. Auch wenn es auf dem Album ein Stück mit Streichern gibt, steht insgesamt die Einfachheit im Mittelpunkt.“
Wie erleben Sie es, als österreichische Komponistin, Teil der internationalen Klassik- und Filmszene zu sein?
„Für mich ist Musik eine Brücke zu jedermann. Sie braucht keine Erklärung und keine Übersetzung. Als österreichische Komponistin Teil der internationalen Klassik- und Filmszene zu sein, empfinde ich deshalb als großes Privileg. Ich liebe dieses Internationale an meiner Arbeit. Meine Arbeit hat mich an Orte geführt, die ich mir früher kaum hätte vorstellen können. Ich durfte auf karibischen Inseln auftreten, in Deutschland und Wien spielen. Meine Musik erklang im Symphoniesaal in Montreal, in einer Kirche in Venedig oder bei einem Festival in Brasilien. Und dieses Gefühl ist manchmal tatsächlich überwältigend – wenn eine Idee, die still am Klavier entsteht, plötzlich um die Welt reist.“
Wenn Sie auf Ihren Weg von der Steiermark in die internationale Musikszene zurückblicken – was macht Sie heute besonders dankbar?
„Ich bin sehr dankbar für meine Kindheit und dafür, dass ich in der Steiermark aufwachsen durfte. Meiner Mama und meiner Familie bin ich besonders dankbar, weil sie mir die Welt geöffnet haben – im Denken, im Fühlen, im Menschsein. Sie haben mir die Liebe zu anderen Kulturen mitgegeben, Disziplin, Struktur und einen starken Sinn für Tradition, aber auch die Lust auf neue Abenteuer. All das trage ich bis heute weiter. Und ja – auch die Topfennockerl.“
Zur Person: Dalal Bruchmann
Dalal Bruchmann ist Komponistin, Pianistin und Sängerin aus der Oststeiermark. Seit rund 15 Jahren lebt und arbeitet sie zwischen den USA und Österreich. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie zunächst mit einem Top-40-Hit in den US Dance-Charts, später verlagerte sich ihr Schwerpunkt auf Klassik und Filmmusik. Heute steht sie bei Warner Classics und Parlophone Records unter Vertrag und komponiert für eigene Projekte, Orchester, Filmproduktionen sowie internationale Pop- und Dance-Künstler. Ihr aktuelles Solo-Piano-Album "Things I Choose to Keep" erschien im November 2025. Im März 2026 folgt eine weitere Modern-Piano-Compilation.Sag der Steiermark "Servus"
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