Hochwasser in der Steiermark
148.000 Menschen leben in Risikozonen

Zerstörte Straße und überflutete Keller – von oben wird das Ausmaß eines Hochwassers schnell sichtbar.  | Foto: RegionalMedien Steiermark
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  • Zerstörte Straße und überflutete Keller – von oben wird das Ausmaß eines Hochwassers schnell sichtbar.
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Aktuelle Daten zeigen ein alarmierendes Bild: 148.000 Steirerinnen und Steirer und damit jede neunte Person lebt in einer Hochwasser-Risikozone. Überdurchschnittlich hoch ist das Gefahrenpotenzial demnach in den Bezirken Leoben, Deutschlandsberg und Liezen. 

STEIERMARK. In der Steiermark lebt jede neunte Person in einer Hochwasser-Risikozone, das berichtet die APA auf Basis von Daten des Landwirtschaftsministeriums. Konkret sind es 11,3 Prozent der steirischen Bevölkerung oder in absoluten Zahlen rund 148.000 Steirerinnen und Steirer, die ihren Wohnsitz in sogenannten HQ100-Zonen haben. Dabei handelt es sich um Gebiete und Regionen, die statistisch gesehen alle 100 Jahre von einem Hochwasser betroffen sein können, was wiederum einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von einem Prozent entspricht. Damit liegt die Steiermark über dem Bundesdurchschnitt von 8,6 Prozent – und somit im Spitzenfeld der Gefährdungsskala hinter Tirol, Vorarlberg und Salzburg. 

Hochwasser können nicht ausgeschlossen werden. Prävention ist daher das Gebot der Stunde. | Foto: RegionalMedien Steiermark
  • Hochwasser können nicht ausgeschlossen werden. Prävention ist daher das Gebot der Stunde.
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Topografie, Klima, Siedlungsentwicklung

Doch woran liegt das? Die Gründe für das hohe Hochwasserrisiko sind vielfältig: Die steirische Topografie mit alpinen Regionen, engen Tälern und weiten Flusslandschaften begünstigt Überflutungen ebenso wie die klimatische Entwicklung mit zunehmenden Starkregenereignissen. Hinzu kommt: Viele Siedlungen entstanden historisch entlang von Flüssen – genau dort, wo heute das Risiko besonders hoch ist. 

Die Kombination aus geografischen Gegebenheiten, klimatischen Veränderungen und historisch gewachsenen Siedlungsstrukturen macht eine differenzierte Analyse unerlässlich. In vielen Fällen liegen gefährdete Zonen in alten Ortskernen oder entlang früherer Handelswege, die sich an Flüssen orientierten.

Über den HQ100-Wert

Die HQ100-Werte beruhen auf hydrologischen Modellierungen und amtlichen Risikokarten, sie bilden die Grundlage für Raumplanung, Katastrophenschutz und infrastrukturelle Maßnahmen.

Wichtiger Hinweis: Beschrieben wird mit dem Begriff „HQ100“ die statistische Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers für ein bestimmtes Gebiet. Das bedeutet allerdings nicht, dass beispielsweise zwischen zwei HQ100-Ereignissen tatsächlich genau 100 Jahre liegen. Die Natur hält sich nicht an definierte, planbare Zeitspannen – Jahrhunderthochwasser können demnach auch in kürzerer Zeit aufeinanderfolgen.
Es ist eine Kombination unterschiedlicher Faktoren wie Topografie, klimatische Veränderungen und Siedlungsentwicklung, die maßgeblich zu einem erhöhten Hochwasserrisiko einer Region beitragen.  | Foto: BFV Leoben
  • Es ist eine Kombination unterschiedlicher Faktoren wie Topografie, klimatische Veränderungen und Siedlungsentwicklung, die maßgeblich zu einem erhöhten Hochwasserrisiko einer Region beitragen.
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Bezirk Leoben weist höchstes Risiko auf

Die höchste Hochwassergefährdung weist der Bezirk Leoben auf, wo laut APA-Daten 18,2 Prozent der Bevölkerung – fast jede fünfte Person – in einem HQ100-Gebiet lebt. Ursachen für das erhöhte Risiko sind die Tallage im Murtal, historische Siedlungsstrukturen entlang der Flüsse sowie begrenzte Ausweichflächen in der Stadt Leoben und den umliegenden Gemeinden wie Niklasdorf, Sankt Peter-Freienstein oder Proleb. Insgesamt sind hier über 9.600 Hauptwohnsitze in Gefahrenzonen registriert.

Knapp dahinter folgt Deutschlandsberg mit 16,9 Prozent der Bevölkerung in HQ100-Risikogebieten. Insbesondere entlang der Sulm, Laßnitz und Saggau sind viele Siedlungen hochwassergefährdet – ein Resultat jahrhundertealter Bebauung in Gewässernähe kombiniert mit einer oft engen Tallage.

In Thörl im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag kam es im vergangenen Jahr aufgrund der schweren Niederschläge zu Überschwemmungen. | Foto: Feuerwehr St. Ilgen
  • In Thörl im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag kam es im vergangenen Jahr aufgrund der schweren Niederschläge zu Überschwemmungen.
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Der drittgefährdetste Bezirk ist Liezen mit einem HQ100-Anteil von 14,7 Prozent. Zwar ist Liezen flächenmäßig der größte Bezirk Österreichs, doch konzentrieren sich die Risiken stark im dicht besiedelten Ennstal, im Paltental und an Flüssen wie der Enns, Salza und Palten. Gemeinden wie Stainach-Pürgg (32,1 Prozent), Trieben (29,4 Prozent) oder Liezen (27,6 Prozent) weisen überdurchschnittlich hohe Anteile gefährdeter Haushalte auf. Gleichzeitig gibt es im Bezirk auch sehr sichere Regionen: Orte wie Wildalpen, Donnersbachwald oder Lassing haben HQ100-Anteile von unter zwei Prozent, da sie hochgelegen oder weit entfernt von Fließgewässern sind.

Ebenfalls stark betroffen ist Bruck-Mürzzuschlag (15,6 Prozent), wo Siedlungen entlang der Mürz und Laming wie Kapfenberg (24,2 Prozent) oder Bruck an der Mur (22,6 Prozent) zu den Hotspots zählen. Auch Graz-Umgebung liegt mit 14,3 Prozent deutlich über dem Schnitt – in Gemeinden wie Frohnleiten (28,6 Prozent) oder Kalsdorf (24,4 Prozent) ist das Risiko besonders hoch. 

Bezirke mit niedrigem Hochwasserrisiko

Am anderen Ende der Skala stehen Bezirke mit deutlich geringerem Risiko. Die Südoststeiermark weist mit 5,1 Prozent den niedrigsten HQ100-Anteil auf. Auch Murau (5,3 Prozent), Hartberg-Fürstenfeld (6,0 Prozent) und Voitsberg (6,7 Prozent) schneiden vergleichsweise gut ab. Gründe dafür sind entweder die Lage in höher gelegenen Regionen, geringere Besiedelungsdichte oder effektive Hochwasserschutzmaßnahmen.

Gerade in Murau und Teilen der Südoststeiermark wurden in den vergangenen Jahren Dämme verstärkt, Rückhaltebecken errichtet oder Flüsse renaturiert – Maßnahmen, die sich positiv auf die Hochwassergefährdung ausgewirkt haben.

In zahlreichen Regionen der Steiermark war in den vergangenen Jahren mit massiven Hochwassern zu kämpfen. | Foto: FF Horn
  • In zahlreichen Regionen der Steiermark war in den vergangenen Jahren mit massiven Hochwassern zu kämpfen.
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Graz – städtische Verdichtung trifft Kessellage

Und wie sieht es in der steirischen Landeshauptstadt aus? Graz ist mit einem HQ100-Anteil von 12,5 Prozent überdurchschnittlich betroffen. Die Kombination aus urbaner Verdichtung, der Nähe zur Mur sowie der hohen Versiegelung begünstigt die Entstehung von Hochwasserrisiken. Besonders entlang der Mur und im Bereich älterer Stadtviertel bestehen relevante Gefährdungen, die durch moderne Schutzmaßnahmen zwar entschärft, aber nicht vollständig eliminiert wurden.

Die Kessellage macht Graz dabei besonders sensibel gegenüber Starkregen. So kann es im Sommer bei kurzen, intensiven Regenfällen zu raschen Überflutungen kommen, da das Wasser nur schwer abfließen kann. Auch in neueren Wohngebieten im Süden der Stadt sind durch zunehmende Bebauung neue Risikozonen entstanden.

Die Kessellage der steirischen Landeshauptstadt in Kombination mit zunehmender Versiegelung macht Graz anfällig für Starkregen und Hochwasser. | Foto: Region Graz - pixelmaker
  • Die Kessellage der steirischen Landeshauptstadt in Kombination mit zunehmender Versiegelung macht Graz anfällig für Starkregen und Hochwasser.
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Differenzierte Raumplanung notwendig

Die Daten machen deutlich: Eine pauschale Einschätzung der Hochwassergefahr in der Steiermark greift zu kurz. Vielmehr sind regionale Analysen gefragt, die lokale Gegebenheiten, die Siedlungsstruktur und Schutzmaßnahmen berücksichtigen. Klimatische Veränderungen und zunehmende Versiegelung erhöhen das Risiko weiter, weshalb präzise Gefahrenanalysen und vorausschauende Planung zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Während in Graz und Leoben infrastrukturelle Maßnahmen wie neue Pumpstationen, Überflutungsflächen und Rückhaltebecken im Fokus stehen, geht es in ländlichen Gebieten eher um die Wiederherstellung natürlicher Auen und eine ökologisch verträgliche Raumplanung. Auch die Einbindung der Bevölkerung und die Integration von Gefahrenzonen in Flächenwidmungspläne spielen eine zentrale Rolle.

Befindet sich mein Haus in einem Risikogebiet?
Über die HORA-Karte des Landwirtschaftsministeriums (hora.gv.at) lässt sich auf einen Blick feststellen, ob das eigene Haus in einem Risikogebiet steht:

HORA - gratis online Tool zeigt Risikogebiete

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