IV-Chef Georg Knill: "Der Aufschwung braucht Fachkräfte" (+ Video)

"Der Fachkräftemangel bremst den Aufschwung in Österreich", so IV-Präsident Georg Knill.
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Der Status quo ist schlicht und ergreifend unbefriedigend: "In der Steiermark fehlen aktuell 2.000 Fachkräfte, wir reden darüber seit vielen Jahren, doch es hat sich grundlegend nichts geändert", bringt es der steirische IV-Präsident Georg Knill auf den Punkt. Und das ist wohl doppelt schade, denn: "Wir befinden uns in einer echten Aufschwungphase, die Wirtschaft wächst, die Konjunktur zieht an, 2017 ist ein sehr gutes Jahr, 2018 lässt sich ähnlich gut an", prognostiziert der erfolgreiche Unternehmer.

Und doch hinkt Österreich ein kleines Stück hinten nach:
Während das Wirtschaftswachstum vielerorts bei 3 bis 4 Prozent liegt, bleibt Österreich bei 2,5 bis 3 Prozent. Dies führt Knill ganz konkret auf die verfehlte Arbeitsmarktpolitik der alten Bundesregierung zurück. Während die Probleme in Länder wie Deutschland etwa aktiv angegangen wurden, war Österreich hier viel zu restriktiv. Die fatale Konsequenz: "Die fehlenden Fachkräfte sind eine Bremse für ein noch stärkeres Wachstum in Österreich", ist Knill überzeugt. Denn: "Investitionen werden nicht getätigt, weil die Mitarbeiter fehlen, die die Aufträge umsetzen können.

Schnelle Lösung: qualifizierter Zuzug

Was also tun? "Kurzfristig kann uns hier nur qualifizierter Zuzug helfen", stellt Knill fest. Doch auch hier sei die künftige Regierung gefragt, Modelle wie die "Rot-Weiß-Rot-Card" hätten versagt. "2016 haben gerade einmal vier Personen aus Drittländern auf diesem Weg nach Österreich gefunden. Weitere 160 sogenannter "Schlüsselkräfte" seien dann noch dazugekommen. "Viel zu wenig, um den Bedarf zu decken." Unter anderem auch deshalb, weil die Definition der "Mangelberufe durch den Bund nicht mit dem Bedarf der Industrie übereinstimmt. Zweites Problem: "Österreich betreibt als Standort zuwenig Marketing. Wir sind für hochqualifizierte Fachkräfte nicht bekannt und attraktiv genug", so die Diagnose des IV-Präsidenten.

Zukunftschance Lehre

Mittel- und langfristig müsse man mehrere Hebel bedienen, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Wesentlichster Aspekt dabei sei natürlich eine Imagepolitur: "Es darf nicht mehr sein, dass die Lehre nur die zweite Option ist, wenn es nicht für die höhere Schule reicht." Dies sei überdies längst passé, weil sich die Anforderungen, gerade im Bereich der Industrielehrlinge nachhaltig geändert haben. "Am Beispiel der Papierindustrie: Das ist ein abwechslungsreicher Job mit viel Verantwortung und guten Perspektiven, der im 4. Lehrjahr bereits mit 1.800 Euro brutto bezahlt wird."

Wie kann der Weg dorthin aussehen?
"In der Berufsorientierung wird zu wenig gemacht, sie setzt auch zu spät an, man müsste schon viel früher auf Eignungen und Talente der Kinder eingehen. Aber auch in der Mittelschule sieht Knill noch Möglichkeiten: "Es würde Sinn machen, dort verstärkt verpflichtende Praktika in Betrieben einzuführen, um auch diese Ausbildungsschiene zu ermöglichen." Ein logischer Schritt eigentlich, nachdem sich immer mehr junge Menschen für eine Lehre nach der Matura entscheiden.

Und last, but not least, gilt es die Begeisterung von Mädchen für technische Berufe zu wecken:
"Wir haben einen zarten Anstieg, das muss man aber jedenfalls noch intensivieren. Abschließend noch ein klares Bekenntnis von Knill: "Die Lehre wird in diesem Land von der Industrie getragen, dazu stehen wir, auch in Zukunft." Ein wichtiges Investment, steht doch die Ausbildung eines Lehrlings mit Kosten von 100.000 Euro zu Buche.

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