Protest trifft Brauchtum
"Omas gegen Rechts" veranstalten Perchtenlauf in Graz
- Aufwendig gestaltete Perchten-Kostüme der "Omas gegen Rechts": Beim Perchtenlauf am 16. Jänner ziehen sie durch die Grazer Innenstadt.
- Foto: Zoe Ebner
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Mit einem ungewöhnlichen Mix aus Brauchtum und politischem Protest machen die "Omas gegen Rechts" auf aktuelle Entwicklungen aufmerksam: Am Freitag, dem 16. Jänner ziehen die Aktivistinnen mit einem Perchtenlauf durch die Grazer Innenstadt.
STEIERMARK/GRAZ. Die "Omas gegen Rechts" wurden 2017 in Wien gegründet, seit 2018 sind sie auch in der Steiermark aktiv. Das Motto der zivilgesellschaftlichen Initiative: "Alt sein heißt nicht still sein." Barbara Kasper erläutert: "Man sagt ja oft, Frauen ab 60 seien unsichtbar. Wir sind laut und sichtbar!" Unabhängigkeit ist den "Omas" besonders wichtig: Sie sind parteipolitisch nicht gebunden und in allen deutschsprachigen Ländern vertreten. Österreichweit zählt der Verein rund 15.000 Mitglieder, in der Steiermark sind aktuell über 30 Frauen regelmäßig aktiv, bei Aktionen deutlich mehr. "Man muss keine biologische Oma sein und auch keine Mama, um bei uns dabei zu sein. Es gibt keine Altersgrenze und wir sind auch offen für solidarische Männer. Es geht darum, Oma im Herzen zu sein", erklärt Kasper.
"Wir sind eine der wichtigsten Frauenbewegungen der Jetztzeit."
Barbara Kasper, Omas gegen Rechts
- Vier der rund 30 steirischen "Omas gegen Rechts" mit selbstgemachter Perchta: Borghild Bernhard, Barbara Kasper, Christine Teichmann, Ulrike Leger-Pölzl
- Foto: MeinBezirk/Antonia Unterholzer
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Mahnwachen und Kunstaktionen der "Omas"
2025 war für die steirischen Omas gegen Rechts ein intensives Jahr. "Hochgerechnet hatten wir jede Woche eine Aktion", zieht Ulrike Leger-Pölzl Bilanz. Monatliche Fixpunkte sind Mahnwachen bei jeder Landtagssitzung vor dem Landhaus. Am Folgetag gehen die Aktivistinnen in die Herrengasse, um die aktuellen politischen Themen aufzuarbeiten – mit Schärpen, "mit denen wir Burschenschaften ein bisschen verarschen". Weitere Formate sind monatliche Jour Fixes und das sogenannte Demokratiespiel, bei dem Passantinnen und Passanten gefragt werden: "Was hast du heute schon für die Demokratie getan?" Ein Höhepunkt war für die Omas 2025 die "Rückwärtsparade" im Rahmen des "Steirischen Herbst", die symbolisch auf gesellschaftliche Rückschritte aufmerksam machte. "Wir machen sehr viel, weil leider sehr viel zu tun ist", fasst Leger-Pölzl zusammen. Auch an Aktionen anderer Initiativen, wie den Fridays-for-Future-Demos oder dem Protestmarsch zum Weltfrauentag, sowie an Gedenkveranstaltungen, etwa dem Stolpersteinputzen, beteiligen sich die Omas regelmäßig.
- Mit Masken, Fellen und Symbolik: Die "Omas" greifen beim Perchtenlauf bewusst auf steirische Volkskultur zurück.
- Foto: Zoe Ebner
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Perchtenlauf ist keine "Satire-Aktion"
Mit dem geplanten Perchtenlauf nächsten Freitag greift die Initiative bewusst auf einen volkskulturellen Brauch zurück: "Wenn Volkskultur in der Steiermark gefragt ist, dann machen wir Volkskultur", sagt die Oma gegen Rechts und Künstlerin Christine Teichmann. "Wir kritisieren die Entwicklungen in der Steiermark seit dem Regierungswechsel – besonders im Klima- und Sozialbereich. Die Tendenzen sind menschenfeindlich", so ihre Meinung. Kritisch äußert sich Teichmann außerdem zu vielen heutigen Krampusläufen: Diese seien oft enthemmt und gewalttätig.
"Die Idee hat zwar als Satire-Projekt begonnen, aber wir haben es letztlich sehr ernst genommen", so Teichmann – inklusive fachlicher Beratung im Volkskundemuseum. Der Perchtenlauf soll Tradition, Protest und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbinden. Geplant ist ein "klassischer" Perchtenlauf mit klarer Symbolik: Mit den "Schiachperchten" werden die bösen Geister ausgetrieben – konkret Rassismus, Frauen- und Queerfeindlichkeit, Hetze und Diskriminierung. "Schönperchten" bringen die Menschenrechte. Rund 20 aufwendig gestaltete Kostüme kommen zum Einsatz, begleitet von Zieharmonikamusik. Start ist am 16. Jänner um 16 Uhr am Grazer Hauptplatz, mit Stationen beim Landhaus, der Stadtpfarrkirche und der Polizeistation in der Schmiedgasse.
Mehr Infos zu den Omas gegen Rechts unter omasgegenrechts.at
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