Genug vom Home-Schooling: Steirische Schüler steigen auf die Barrikaden
"Wir sind kein Prellbock für das Versagen der Politik"

Hat mit rund 70 Schülervertretern von Feldbach bis Liezen eine Initiative für die Wiederöffnung der Schulen gestartet: Hannah Arnfelser, Vorsitzende von "Progress Steiermark"
  • Hat mit rund 70 Schülervertretern von Feldbach bis Liezen eine Initiative für die Wiederöffnung der Schulen gestartet: Hannah Arnfelser, Vorsitzende von "Progress Steiermark"
  • Foto: KK
  • hochgeladen von Andrea Sittinger

"Genug ist genug" – aufmerksamen Beobachtern der österreichischen Innenpolitik mag dieses Zitat aus dem Mund des ehemaligen und amtierenden Bundeskanzlers Sebastian Kurz noch in Erinnerung sein. Mit eben diesen Worten hat die Steirische Schüler- und Schülerinnenberwegung "Progress Steiermark" sind nun in einem offenen Brief an die Regierungsspitze, allen voran Sebastian Kurz gewandt: "Seit letztem März befinden wir, Schülerinnen und Schüler, uns nun - mit kurzen Unterbrechungen - im Homeschooling. Nur etwa 40 Schultage wurden in diesem Semester in Präsenz abgehalten. Die Situation ist untragbar!", erklärt Hannah Arnfelser, Vorsitzende von Progress Steiermark und Mitglied der steirischen Landesschülerinnen- und schülervertretung (LSV).

Fass ist übergelaufen

Nach Monaten der Ungewissheit und hoher Belastung für Schülerinnen und Schüler ist das Fass nun übergelaufen. "Wir haben lange gehofft, dass wir nicht vergessen werden und uns quasi von einer Regierungspressekonferenz zur nächsten 'gehantelt'", erklärt Arnfelser den doch relativ spät anmutenden Aufstand. Nun sei aber der Punkt erreicht, "wo man merkt, es kommt nichts mehr." Rund 70 Schülervertreterinnen und -vertreter aus 31 Schulen der gesamten Steiermark haben daher gestern Abend einem offenen Brief an die Regierungsspitze geschickt: "Wir verstehen, dass die epidemiologische Lage kompliziert ist. Wir verstehen, dass Situationen wie diese Maßnahmen benötigen. Was wir nicht verstehen, ist Ihre Untätigkeit!", sagen die jungen Interessenvertreterinnen und -vertreter im Schreiben an Bundeskanzler Kurz, Vizekanzler Kogler und Bildungsminister Faßmann und zeigen damit eklatante Mängel im Krisenmanagement der Verantwortlichen auf.

"Der Herbst kam für die Politik anscheinend völlig überraschend und wir Schülerinnen und Schüler wurden hilflos ins Chaos geschickt."

Weiter Warten auf Konzepte

„Nach dem ersten Lockdown wurde nicht an Konzepten gearbeitet, die die Schule zu einem sicheren Ort machen. Stattdessen kam der Herbst für die Politik anscheinend völlig überraschend und wir Schülerinnen und Schüler wurden hilflos ins Chaos geschickt", kritisiert Arnfelser. Daneben habe man auch nicht an den Rahmenbedingungen gefeilt. "Im letzten Frühjahr haben steiermarkweit 47.000 Laptops für das Distance Learning gefehlt", nur 7.000 Schüler hätten inzwischen einen Laptop erhalten. Auch für alle Betroffenen ausreichend verfügbares WLAN sei nach wie vor ein großes Thema. Arnfelser und ihre Kollegen schockiert besonders, wie leicht es den Verantwortlichen anscheinend fällt, die Schulen zu schließen. Dabei seien die Folgen laut ihr mehr als fatal: "Gerade in Fächern, die nicht zur persönlichen Stärke zählen, werden viele Schülerinnen und Schüler immer weiter abgehängt und verlieren den Anschluss. Viele junge Menschen sind – nicht nur fachlich, sondern auch psychisch – an ihrer Belastungsgrenze." 

Klarheit gefordert

Die Schülervertretung tritt nun mit klaren Forderungen an die Politik heran, so müssten endlich sinnvolle Konzepte geschaffen werden, die den Unterricht ermöglichen. Um jeden Preis sei eine weitere Schließung von Schulen zu vermeiden. Außerdem brauche es zeitgemäße Rahmenbedingungen für digitales Lernen und breite Förderprogramme, die Schülerinnen und Schülern helfen sollen, die verlorene Zeit aufzuholen. "Wir Schülerinnen und Schüler haben unseren Beitrag geleistet. Wir waren immer bereit jegliche Verordnung mitzutragen, jedoch sind wir kein Prellbock für das Versagen der Politik. Wir fordern Pläne und Maßnahmen ein, die es uns ermöglichen endlich wieder eine faire Chance auf Bildung zu haben", schließt Arnfelser.


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