60 Jahre Sportgeschichte geschrieben
So prägte die Sportunion Riegersburg ganze Generationen

Gründungsobmann Josef Baumgartner mit den Riegersburger Nachwuchshoffnungen Josef Stocker (Mitte) und Walter Hörmann (rechts) – beide schafften es später in die Österreichische Bundesliga, Hörmann wurde zudem Nationalspieler. | Foto: Archiv SU Riegersburg
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  • Gründungsobmann Josef Baumgartner mit den Riegersburger Nachwuchshoffnungen Josef Stocker (Mitte) und Walter Hörmann (rechts) – beide schafften es später in die Österreichische Bundesliga, Hörmann wurde zudem Nationalspieler.
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Die Sportunion Riegersburg ist ein Traditionsverein und seit vielen Jahren eine fixe Größe im Spielbetrieb des steirischen Fußball-Unterhauses. Die Vereinsgründung jährt sich dieser Tage zum 60. Mal.

RIEGERSBURG. In den 1960er-Jahren war der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg längst geglückt – das „Wirtschaftswunder“ hatte um sich gegriffen. "Es brachte den Menschen nicht nur höhere Kaufkraft und Lebensqualität, sondern auch neue Freizeitmöglichkeiten", erklärt Walter Iber, Historiker und Universitätsprofessor am Institut für Geschichte aus Stang bei Riegersburg.

Hinzu kam, dass durch das 1948 beschlossene „Sporttoto-Gesetz“ Einnahmen der Österreichischen Lotterien zu beträchtlichen Teilen in die Sportförderung flossen: Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) sowie die drei Dachverbände ASKÖ, ASVÖ und Sport-Union erhielten großzügige Subventionen, mit denen nun auch vermehrt in den ländlichen Gebieten der strukturelle Ausbau des Sport- und Freizeitangebotes unterstützt wurde. Mit spürbaren Auswirkungen auf die Ost- und Südoststeiermark: Hier hatte es vor dem Krieg nur vereinzelt Vereinsgründungen gegeben, beispielsweise in den Städten Feldbach und Fürstenfeld sowie im Kurort Gleichenberg. Jetzt aber setzte eine neue Gründungswelle ein, schossen Sportvereine wie Pilze aus dem Boden.

Auf Klubs wie Fehring (gegründet 1947), Gnas (1949), St. Stefan im Rosental (1951) oder Kirchbach (1952) folgten nun unter anderem Hartmannsdorf (1960), Kirchberg an der Raab, St. Margarethen an der Raab (beide 1962), Breitenfeld, Ottendorf (beide 1964) oder Klöch (1966), wie Walter Iber, selbst ehemaliger Fußballamateur und Jugendtrainer in Riegersburg, als Autor der Vereinschronik recherchierte. In diesem Zusammenhang vollzog sich auch die Gründung der Sportunion Riegersburg.

Gründung im Jänner 1966

"Riegersburg war in diesen Jahren ein beschaulicher Ort, dank der weithin bekannten Festungsanlage aber bereits so etwas wie ein touristischer Geheimtipp", weiß Walter Iber. Seine Rolle als Schulstandort – es gab eine Knaben- und eine Mädchenvolksschule, später, ab 1968, auch eine Hauptschule – habe dem Markt in der Region zusätzliches Gewicht verliehen. Doch die vorhandenen Sport- und Freizeitmöglichkeiten hielten damit nicht Schritt, was den damaligen Direktor der Knabenvolksschule, Alois Stranzl, zur treibenden Kraft bei der Gründung eines Sportvereins werden ließ. Der aus Kirchbach stammende Stranzl hatte schon in seinem Heimatort Fußball gespielt und sich im dortigen Vereinswesen engagiert.
Nachdem ein von Stranzl angeführter Proponentenausschuss im Laufe des Jahres 1965 wesentliche Vorarbeiten geleistet hatte, kam es am 8. Jänner 1966 zur Gründungsversammlung im Gasthaus Glanzer, dem heutigen Gemeindeamt.

Zum ersten Obmann wurde Kaufmann Josef Baumgartner gewählt. Als Vereinsfarben bestimmte man, angelehnt an die Farben im Gemeindewappen, Blau und Gelb. Rund um den jungen Verein habe große Euphorie geherrscht, wie sich Walter Iber erzählen ließ: Bürgermeister, Schul- und Postamtsdirektor, Gastwirte, Kaufleute und weitere Gewerbetreibende, selbst der Riegersburger Kaplan – alle hätten damals mitgeholfen.

Universitätsprofessor Walter Iber aus Stang bei Hatzendorf ist in Fußballkreisen kein Unbekannter. Er ist selbst ehemaliger Fußballamateur und Jugendtrainer in Riegersburg. | Foto: Privat
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Spielbetrieb ab März 1967

Im März 1967 nahm die Sportunion Riegersburg mit Kampf- und Juniorenmannschaft den Spielbetrieb auf, ab der Herbstsaison 1967 spielte man Meisterschaft. Die Heimspiele fanden anfänglich im benachbarten Breitenfeld statt, weil sich die eigene Spielstätte – das heutige „Grazbachstadion“ – noch in der Bauphase befand und erst im Frühjahr 1968 eröffnet wurde, weiß Iber.

Ursprünglich war „der Sportverein“, wie er in Riegersburg umgangssprachlich heißt, aber gar nicht als reiner Fußballverein konzipiert: Bei der Gründung existierte eine Eisschützen-Sektion, zwischenzeitlich gab es auch eigene Sektionen für Judo, Motorsport und Ski. Darüber hinaus war und ist der Verein abseits des grünen Rasens ein Motor des örtlichen Gesellschaftslebens, der für viele Veranstaltungen - vom Preisschnapsen über den Kindermaskenball bis zum internationalen Wandertag - verantwortlich zeichnet.

Auf dem Fußballplatz in Riegersburg werden Rohdiamante geschliffen. | Foto: Archiv SU Riegersburg
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Nachwuchsarbeit als Fixpunkt

Ein weiterer wichtiger Meilenstein: Im Jahr 1999 wurde, als zweiter namensgebender Verein, die Sportunion Kornberg/Vulkanland ins Leben gerufen. Diese verschrieb sich nicht zuletzt der Nachwuchsförderung.

Nachwuchsarbeit wird in Riegersburg großgeschrieben. | Foto: Archiv SU Riegersburg
  • Nachwuchsarbeit wird in Riegersburg großgeschrieben.
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Sportlich erlebten die Blau-Gelben im Lauf ihrer Geschichte Höhen, aber auch Tiefen. Bisheriger Höhepunkt war 2000 der Aufstieg in die Oberliga – ein Niveau, auf dem man sich auf Dauer nicht behaupten konnte. Momentan bäckt der Verein in der 1. Klasse Süd/Ost B zwar kleinere Brötchen, tut dies aber fast ausschließlich mit Spielern aus der Region und mit einem beachtlichen Stamm an Eigenbauspielern. Überhaupt sei die Nachwuchsarbeit in Riegersburg stets großgeschrieben worden und bis heute in der Vereinsphilosophie fest verankert, versichert Iber. Die Modernisierung und der Ausbau der Sportanlage in den vergangenen Jahren, die Installierung eines LAZ-Standortes auf ebendieser – all das sei vor diesem Hintergrund zu sehen.

Immer wieder habe Riegersburg Spieler hervorgebracht, die den Sprung zu größeren Klubs und in höhere Ligen wie Landesliga und Regionalliga geschafft hätten. Die größten Aushängeschilder sind Josef Stocker und Walter Hörmann, die beide in der Bundesliga für Sturm Graz aufliefen. Letzterer spielte zudem für Klubs wie St. Gallen in der Schweiz, Austria Wien sowie Austria Salzburg und brachte es auf 15 Nationalteameinsätze.

Training unter der Riegersburg | Foto: Archiv SU Riegersburg
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Nachwuchsarbeit wird in Riegersburg großgeschrieben. | Foto: Archiv SU Riegersburg
Universitätsprofessor Walter Iber aus Stang bei Hatzendorf ist in Fußballkreisen kein Unbekannter. Er ist selbst ehemaliger Fußballamateur und Jugendtrainer in Riegersburg. | Foto: Privat
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