Die Probleme der Abfalltransporte
Bahn-Zwang ohne Bahn-Kapazität ist Bürokratiemonster

Anfrage im Parlament von NR Klaus Mair und Studie des Landes Tirol und der WK Tirol zeigen Probleme bei der Verlagerung auf die Schiene. | Foto: IMAG/Ralph Peters
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Eine parlamentarische Anfrage thematisiert die Probleme bei der Abfallentsorgung auf der Schiene. Fehlende Begleitinfrastruktur sowie überbordende Bürokratie bei Ansuchen um Ausnahmengenehmigungen sind nur zwei Aspekte für die Probleme im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben des Abfallwirtschaftsgesetzes. In einer Studie des Landes Tirol und der WK Tirol werden logistische Anforderungen, fehlendes Equipment und ungleiche Wettbewerbsbedingungen als größte Herausforderungen festgehalten.

INNSBRUCK. Der Tiroler ÖVP-Nationalrat Klaus Mair hat eine umfangreiche parlamentarische Anfrage an Verkehrsminister Peter Hanke eingebracht. Thema ist die bestehende und künftig verfügbare Infrastruktur für Abfalltransporte auf der Schiene im Lichte der gesetzlichen Vorgaben des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) sowie die nötige Begleitinfrastruktur für den Bahntransport.

Seit 1. Jänner 2026 gilt: Abfälle mit einem Gesamtgewicht von mehr als 10 Tonnen, die über eine Distanz von mehr als 100 Kilometern transportiert werden, müssen grundsätzlich auf der Schiene befördert werden. Ausnahmen sind nur möglich, wenn die Eisenbahn bestätigt, dass keine Kapazitäten verfügbar sind. Genau hier ortet Mair massiven Handlungsbedarf. „Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Verlagerung ist eine ausreichende Infrastruktur – und genau diese fehlt derzeit“, verweist Mair auf den Evaluierungsbericht des zuständigen Ministeriums, der auch Teil seiner Anfrage ist.

Die Anfrage umfasst mehr als 40 detaillierte Fragestellungen zu Infrastruktur, Kapazitäten, Genehmigungen, geplanten Bauvorhaben, Sperren im Schienennetz sowie zu den tatsächlichen CO₂-Einsparungen durch den Bahn-Zwang. | Foto: ÖVP
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Eine parlamentarische Anfrage aus dem Sommer 2025 zeigt, dass die Eisenbahn die gesetzlichen Vorgaben de facto nicht erfüllen kann. Laut damaliger Anfragebeantwortung wurden im Jahr 2023 von 3.869 Anfragen an Eisenbahnverkehrsunternehmen 3.761 abgelehnt – eine Ablehnungsquote von rund 97 Prozent. „Wenn fast alle Anfragen mangels Kapazität abgelehnt werden, kann man nicht gleichzeitig neue, noch strengere Verpflichtungen einführen“, stellt Mair klar. Besonders kritisch sieht der Tiroler Abgeordnete den enormen bürokratischen Aufwand: Derzeit müsse für jede Abfallart und für jeden einzelnen Transport eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. „Das ist ein Bürokratiemonster, das weder der Umwelt noch der Wirtschaft hilft. Ich bin klar für den Transport auf der Schiene – aber dazu benötigt es auch die entsprechende Begleitinfrastruktur“, so Mair.

Evaluierung der Infrastruktur

In seiner Anfrage hält er fest, dass der Transport per Bahn mehrere zusätzliche logistische Schritte erfordert und laut Studien „vielfach größer“ im organisatorischen Aufwand ist als der Lkw-Transport. Zudem seien nur rund ein Viertel der Abfallbehandlungsanlagen überhaupt in der Nähe geeigneter Schieneninfrastruktur. Generell fordert Mair, dass die Begleitinfrastruktur entlang der Bahn evaluiert und ausbaut wird, da es aktuell nicht nur bei Abfalltransporten - sondern auch bei den Holztransporten - Probleme gibt. Das zeigt etwa ein Unternehmer im vertraulichen Gespräch mit dem Abgeordneten auf. Dieser ist im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland betrieblich aktiv und bekommt dauerhafte Absagen bzw. sogar ein Verbot, die Bahn zu nutzen, weil die Infrastruktur in diesem Bereich schlicht kaputt ist. „Wir sehen, dass wir auch an der infrastrukturellen Situation für den grenzüberschreitenden Bahntransport arbeiten müssen, wenn wir die Bahn als flexible und kostengünstige Alternative zum Transport auf der Straße zukunftsfit machen möchten“, so Mair.

Studie des Landes und der WK Tirol

In der gemeinsamen Studie des Landes und der WK Tirol "Herausforderungen für die Verlagerung von Abfallströmen auf die Schiene in Tirol " wird festgehalten: "In Tirol betrug der Anfall an Abfällen (2021) ca. 3,32 Mio. Tonnen. Auch hier entstammt die Steigerung der letzten Jahre aus den Baurestmassen der Großprojekte im Land. Für ca. 890.000 Tonnen an Abfällen und Reststoffen bestehen diverse Logistikkonzepte für die Verbringung zur thermischen oder stofflichen Verwertung."

Zu den Strategien der Förderungen erklären die Studienautoren: "Ein strategischer Rahmen mit Maßnahmen aus verschiedenen Handlungsfeldern ist notwendig.
Faire Wettbewerbsbedingungen und die Verfügbarkeit von geeignetem Equipment sind entscheidend für den Erfolg." 

Brennerbasistunnel braucht Begleitinvestitionen

Mit der künftigen Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels müsse die Schiene für die Wirtschaft besser nutzbar werden. „Der Brennerbasistunnel allein löst kein Problem. Ohne Begleitinvestitionen in Terminals, Ladestellen und Umschlaginfrastruktur bleibt er wirkungslos“, betont Mair. „Diese Investitionen fehlen derzeit.“

Anfrage

Die Anfrage umfasst mehr als 40 detaillierte Fragestellungen zu Infrastruktur, Kapazitäten, Genehmigungen, geplanten Bauvorhaben, Sperren im Schienennetz sowie zu den tatsächlichen CO₂-Einsparungen durch den Bahn-Zwang. „Derzeit ist keine politische Einigung in Sicht, wie mit dieser Regelung sinnvoll umgegangen werden soll. Deshalb gehört dieses Bürokratiemonster saniert – auf Basis von Fakten und realistischen Rahmenbedingungen“, erklärt Mair. Ziel der Anfrage sei es, ein belastbares Datenmaterial als Entscheidungsgrundlage zu erhalten, um die Schiene tatsächlich zu stärken, statt Betriebe mit nicht erfüllbaren Vorgaben zu belasten. Diese Grundlagen müssen dann bei der bevorstehenden Novellierung des AWG einfließen.

Probleme gibt es aktuell nicht nur bei Abfalltransporten, sondern auch bei den Holztransporten. | Foto: MeinBezirk
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