Mobilitätsgeschichte
Der mechanische Gaul

Der Steyr-Puch AP 700 "Halinger", bis heute unbertroffen
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Heute ist Österreichs Nationalfeiertag. In meiner Kindheit hieß das „Tag der Fahne“. Man erzählte uns vom Staatsvertrag und daß zu diesem Tag im Jahre 1955 der letzte Besatzungssoldat Österreich verlassen habe.

Damit bekam der Kalte Krieg, wie er bis zum Ende des Warschauer Paktes und zum Fall des Eisernen Vorhangs dauerte, eine neue Dimension. Das bildet sich untere anderem in einem kuriosen Fahrzeug ab, welches ab 1959 in Graz produziert wurde. Ich meine den Steyr-Puch Haflinger. Der „Hafi“ hat seinen Namen von einer stämmigen, nicht sehr großen Pferderasse, die bei uns bis heute in Tragtierkompanien eingesetzt wird.

Er wurde als Militärfahrzeug entwickelt. Die Anregung dazu kam von der Schweizer Armee. Die „Allrad-Plattform“ (AP 700) hat eher nichts Kriegerisches. Sieht man von wenigen Sonderausführungen ab, waren mitgeführte Sturmgewehre der Besatzung schon die härteste Haflinger-Bewaffnung.

Das heißt, dieses kleine Allrad-Wunder war hauptsächlich dem Transport gewidmet, und zwar nicht als Teil von Nachschub-Systemen, sondern vorzugsweise direkt neben den Fußsoldaten. Deshalb konnte der „Hafi“ per Kriechgang im Schrittempo fahren und fast überall hingelangen, wo auch der Infanterist hin muß.

Es gab in Österreichs Armee zwar einige gepanzerte Mannschaftstransporter, so etwa den „Radiergummi“, einen Saurer Schützenpanzer, der von Steyr in Lizenz gebaut wurde, aber die Haflinger waren, wie später auch Pinzgauer und Puch G, hauptsächlich ohne Panzerung.

Das erklärt sich unter anderem aus Österreichs Situation des neutralen Staates zwischen zwei Machtblöcken, die in einer Konfrontation von Nato und Warschauer Pakt mit einer übermächtigen Militärmaschinerie aufgefahren wären, der weder Österreich, noch die Schweiz, auf konventionelle Art hätten entgegentreten können.

In Österreich setzte man daher unterem anderem auf die „Spannocchi-Doktrin“, benannt nach dem General Emil Spannocchi. Er vertrat das Konzept einer Raumverteidigung, zu der etliche Elemente des Partisanenkampfes für reguläre Truppen adaptiert wurden. Er nannte das im Rahmen seiner Vorstellung von umfassender Landesverteidigung eine „Verteidigung ohne Schlacht“.

Bei diesem Ansatz verzichtet eine Armee auf schwer bewaffnete Großverbände. Sie begegnet einem Aggressor mit anderen Strategien und Mitteln. Dafür sollten kleine Verbände sehr beweglich agieren, um etwa in unserem alpinen Raum nicht eingekesselt werden zu können, sondern selbst dann noch zu entkommen, wenn sich ein Ring des Feindes um sie geschlossen hätte.

Das mag selbst militärischen Laien anschaulich machen, welche Bedeutung der kleine, sehr belastbare Steyr-Puch Haflinger gehabt hat, mit dem vier Personen plus Ausrüstung auch noch auf jeden Trampelpfad vorankamen und Steigungen überwinden konnten, die man zu Fuß lieber nicht angehen will.

Robust, vielfältig einsetzbar, leicht zu warten und in der Spritfrage (mit seinem kompakten Zweizylinder Boxer im Heck) wesentlich genügsamer als selbst der kaum größere Willys Jeep, das machte aus dem „Hafi“ eine Jahrhundertkonstruktion, nicht bloß technisch, sondern auch zeitgeschichtlich.

+) Das Haflinger-Projekt

Der Steyr-Puch AP 700 "Halinger", bis heute unbertroffen
Aus einem alten Prospekt der Puchwerke: Da kommt dem Hafi kein Hummer hinterher.

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