Kulturpolitik
Kultur & Krise II
- Fotograf Richard Mayr in unserem temporären Kuturraum (Weizerstraße Nr.4, Gleisdorf)
- hochgeladen von martin krusche
Wer durch die alten Zentren von Gleisdorf oder Weiz spaziert, kann die hohe Dichte an Leerständen gar nicht übersehen. Was darf ich daraus schließen?
Selbst einem Wirtschaftslaien könnte dämmern, daß unsere regionale Geschäftswelt stark unter Druck geraten ist. Keine oststeirische Besonderheit. Der Kreditschutzverband von 1870 berichtete schon vor einer Weile:
„Während sich die aktuelle finanzielle Situation vieler Betriebe zuspitzt, ist im 1. Halbjahr 2024 auch die Zahl der Firmenpleiten empfindlich gestiegen. Gleichzeitig vermeldet das AMS Steiermark ein starkes Plus bei den von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen.“ [Quelle]
Durfte im Kielwasser der Corona-Krise jemand annehmen, unser Land werde ökonomisch stabil bleiben und unser Metier, nämlich Kunst und Kultur, könnte unbeschadet durch diese Zeiten kommen? Sicher nicht!
Zwischen 2020 und 2024 mußte jeder Mensch auf dem Kunstsektor sowie in der Wissens- und Kulturarbeit, der sein Handwerk versteht, auch wissen, daß uns nennenswerte Budget- und Strukturprobleme blühen. Schließlich ist der Kulturbetrieb kein Reservat mit Sonderstatus.
Wer das ignoriert oder womöglich überhaupt nicht geahnt hat, ist für unser Berufsfeld schlecht gerüstet. Ich habe freilich keine Laune, mir jetzt Jammertöne anzuhören. Erstens, weil das deprimierend ist, zweitens, weil es nutzlos ist, drittens, viertens…
Ich bin nun seit rund 50 Jahren als Freelancer in diesem Geschäft tätig, wobei ich weder Rücklagen, noch Vorsorge erwirtschaften konnte. Das ist ein Preis für jenes hohe Maß an Selbstbestimmung, das ich mir angewöhnt habe. Höherer materieller Profit handelt von anderen Verpflichtungen.
Ergo neige ich keinesfalls dazu, Versammlungen aufzusuchen, in denen Leute einander die Hemden und T-Shirts naß weinen. Ich ziehe es vor, mit inspirierten Menschen an Lösungen zu arbeiten. Inhalte, Konzepte, Strategien… Und ein Hauch von Selbstachtung.
Mein Rahmen für diese Art von Engagement ist der Gleisdorfer „Archipel“, wo sie unter „8. Mai 2026“ eine kleine Zusammenfassung finden, was wir aktuell erreicht haben: [Link]
Postskriptum
Für alle meiner Kolleginnen und Kollegen, die eben erst aufgewacht sind, hier eine skizzenhafte Link-Sammlung mit Nachrichten, dank derer einem hätte schon vor einiger Zeit dämmern können, welche soziale Lawine losgebrochen ist.
+) Die Steiermark weist im Bundesländervergleich die höchste Pro-Kopf-Verschuldung auf. (ORF Steiermark)
+) Die steirische Wirtschaft befindet sich in einer tiefen Rezession (Wirtschaftskammer Steiermark)
+) IV-Chef Knill: "Es werden harte Jahre, und jeder und jede muss einen Beitrag leisten" (Der Standard)
+) ADA Möbelwerke und Möbelfabrik insolvent (Wirtschafts-Nachrichten)
+) Weitzer Parkett kündigt viele Mitarbeiter (Holzkurier)
+) Wollsdorf Leder meldet Insolvenz an (ORF Steiermark)
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