Nahversorgung ist unersetzlich
Naheliegend (VI): Kaufhaus Mörath

Kaufmann Gregor Mörath
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Man mußte mich über die Jahre nicht erst auffordern, lokal und regional einzukaufen. Man Leben darf stellenweise in einiger Langsamkeit stattfinden, woraus folgt, daß ich mich zu Hause fühlen mag, wenn ich vor die Haustür trete. Deshalb bin ich emotional auf vertraute Geschäfte angewiesen, in denen ich das handelnde Personal wenigstens zum Teil kenne.

Ich halte den Boss gerne von der Arbeit ab. Das gelingt nicht bei jedem Besuch, aber doch immer wieder. Wenn Gregor Mörath gerade mit dem Nachfüllen von Regalen beschäftigt ist, geht es am besten. Dann stehen wir zwischen all den Dingen, erörtern Fragen des Lebens oder betrachten Details dessen, was es auf der Welt gibt.

Da ist vieles, was unser Interesse weckt. Wir blicken auf all das aus völlig verschiedenen Lebenshintergründen. Darin liegt für mich eine wichtige Qualität unserer Plaudereien. Der Kaufmann führt ein Leben im erheblichen Kontrast zu meinem. Immer ist wer da. Immer braucht wer was. Außerdem trägt er die Verantwortung dafür, daß ein ganzes Rudel Leute auch nächstes Jahr noch einen Job hat.

Mein Leben hat dagegen einige Aspekte von Knast mit Ausgang. Ich verbringe sehr viel Zeit in meinem Büro, das genau über meiner Küche liegt. Ich lebe und arbeite also einen großen Teil meiner Tage in Stille, fern von Menschen. Das macht mir freilich die vertrauten Läden so wichtig; als Orte einer anderen Lebendigkeit.

Gregor ist, wie erwähnt, während der Öffnungszeiten des Geschäftes fast ständig greifbar, ansprechbar. (So eine Position würde mich verrückt machen.) Und er kennt das Leben auf viel radikalere Art als ich, denn was immer die Menschen an guten und an liebenswürdigen Seiten haben, da kommen bei manchen Leuten auch ganz andere Eigenheiten heraus, wenn der Tag lang ist.

Wo würde denn die menschliche Komödie regelmäßiger und ausdrucksstärker stattfinden, als in einer klassischen Gemischtwarenhandlung? Ich denke, das Interesse an solchen Zusammenhängen teilen wir.

Als Kaufmann wie als Schriftsteller hat man sicher vergleichbare Neugier, was die Verhaltensoriginalität von Zeitgenossen angeht. Allerdings mit einem fundamentalen Unterschied. Wenn mir jemand die Plomben zieht, kann ich ihn anbrüllen, notfalls sogar mit der Faust drohen. Ein Kaufmann wird das nicht einmal als Ultima Ratio erwägen, sondern muß letztlich auch der Nervensäge gegenüber höflich bleiben.

Als gewesener Lehrbub hab ich das immer noch gut im Gedächtnis, wie anmaßend sich manche Typen benehmen, denen jeder Untergebene längst die Kündigung überreicht hätte. Schwamm drüber! Gregor ist im Kaufhaus aufgewachsen und hat das sicher im Griff.

Das halte ich für eine Besonderheit so eines Geschäftes im Zentrum der Stadt. Der ganze Laden fühlt sich an, als wär das mein Wohnzimmer. Die Angestellten scheinen mir vertraut und etliche davon treffe ich weit öfter als meine besten Freunde. Da bekommt das Wort Lebensmittelgeschäft eine spezielle Dimension.

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