Nahversorgung ist unersetzlich
Naheliegend (VIII)

Die Vorgeschichte. Als kleines Kind lernte ich eine sehr überschaubare Käsewelt kennen. Es gab Emmentaler und Edamer, wobei mir der Edamer komisch vorkam und nicht schmeckte. Noch weniger mochte ich den Käse für besondere Tage, den weichen Geheimratskäse. Aber mit dessen dünner roten Rinde konnte man nett spielen.

Als sich in der heimischen Küche Pasta langsam etabliert hatte, liebte ich den Parmesan, der bei uns nur in geriebener Form vorkam und sparsam benutzt werden sollte, obwohl ich ihn gerne auf die Fleischsauce geschaufelt hätte.

Schließlich mein Albtraum, der in dreieckigen Portiönchen abgepackte Eckerlkäse. Allein das Wort Schmelzkäse war mir zuwider. Der wurde einem zu jedem nur denkbaren Jausen-Anlaß dazugepackt, mir womöglich schon bei meiner Taufe heimlich zugesteckt.

Seine Konsistenz war mir so unangenehm wie sein Geschmack. Heute, fast 60 Jahre später, kann ich ihn immer noch nicht leiden. Ich erinnere mich, daß ich Werbesendungen mit dem Slogan „Dass beschte Äck vom Chäs“ als Provokation empfand und meiner Mutter einen kognitiven Schaden unterstellte, weil sie dieses Eckerlwerk gut fand. (Heute nehme ich an, das war vor allem eine Preisfrage.)

Die Käseabteilung in meiner Biographie bekam dann erst wieder einen erfreulichen Schock, als die griechische Militärdiktatur so viele Griechen nach Graz getrieben hatte, daß griechische Lokale aufmachten und ich Feta kennenlernte.

Szenenwechsel

Es ergäbe einen ausladenden Essay, würde ich meinen markantesten Begegnungen mit wunderbarem Käse nachgehen. Reisen haben mich über kindliche Billigkäse-Traumata hinweggetröstet. Gegrillter Pecorino in der Toskana, Queso Manchego in Toledo, aber hier geht es ja speziell um regionale Bezüge.

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, welches Spektrum an Geschmack und Konsistenz sich in der Käsewelt auftut. Es gibt gute Gründe zur Annahme, daß mein restliches Leben nicht ausreichen wird, um alles schon gekostet zu haben. (Das ist eine gute Nachricht!)

Was für ein Vergnügen, als ich Produkte aus dem Oststeiermark entdeckt hab, die unter der Marke „Stollenkäse aus dem Almenland“ ins Geschäft kommen. (Das Almenland ist die Nachbarschaft der Energieregion, in der ich wohne.)

Der Produzent ist in Passail ansässig. Dieses Städtchen hat eine Schlüsselposition. Dahinter tut sich eine ganz andere Gegend in anderem Licht auf. Also der Käse. Da ist es wie mit dem Wein. Für ein paar Groschen bekommt man nichts Gescheites. So viel muß klar sein.

Meine beiden Favoriten im kontrastreichen Sortiment sind der Montanaro und der Parmesan. Beide habe, wenn man auf Stücke beißt, etwas Sprödes, das dann weich wird und so den Geschmack aufgehen läßt.

Das mag schon deutlich machen, solchen Käse hau ich mir nicht aufs Butterbrot, verkoche ihn auch nicht. Er wird zu etwas dazugegessen oder ganz für sich genossen, wie Stücke von Schokolade.

+) Stollenkäse aus dem Almenland
+) Weitere Texte zum Thema (Übersicht)

Autor:

martin krusche aus Weiz

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