Hitze in der Steiermark
Extreme Dürre plagt Bauern, Futter wird für viele Höfe knapp
- Andreas Handlos im Stall mit Sandra Krautwaschl; die extreme Hitze macht ihm als Landwirt heuer ordentlich zu schaffen.
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Die Trockenheit im heurigen Jahr sorgt vor allem in der Landwirtschaft für große Probleme. In Kapfenberg berichtet Biobauer Andreas Handlos davon, heuer bereits drei Tiere aus der Not heraus verkauft zu haben.
KAPFENBERG. Wir erleben dieser Tage die zweite Hitzewelle in diesem Jahr. Wir müssen uns also wieder für Temperaturen wappnen, die für unsere Breiten ungewöhnlich hoch klettern; bis zu 40 Grad sind zu erwarten – für die Landwirtschaft eine Katastrophe.
- Die Böden sind teilweise komplett ausgetrocknet.
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Das gesamte heurige Jahr über ist es bereits viel zu trocken. Was viele Grundstückseigentümer bereits im eigenen Garten merken, nämlich ausgetrocknete Böden und verdorrtes Gras, ist in der Landwirtschaft eine riesengroße Herausforderung. Weil bei den Grasschnitten heuer große Ausfälle zu erwarten sind, gibt es auf vielen Höfen nicht genügend Futter für das vorhandene Vieh. Wo es möglich ist, wird Futter zugekauft, im schlimmsten Fall müssen Tiere verkauft werden.
Notverkauf
Einer, der diesen Schritt bereits setzen musste, ist Andreas Handlos, Biobauer aus Kapfenberg. Er passt seinen Viehbestand grundsätzlich den jeweiligen Bedingungen an; heuer musste er aber bereits drei Kühe ungeplanterweise verkaufen.
- Sandra Krautwaschl besuchte den Hof von Andreas Handlos, um an einem praktischen Beispiel die Probleme des Klimawandels zu verdeutlichen.
- Foto: Grüne
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Schon seit über 50 Jahren betreibt Handlos seien Biobauernhof auf der Pötschen in Kafenberg. Und genauso lang beobachtet er das Wetter und den Klimawandel. In den vergangenen fünf Jahrzehnten haben sich laut seiner Beobachtung die Niederschläge in Menge und Verteilung über das Jahr stark verändert; speicherfüllender Regen ist seltener geworden. Trockene Phasen werden länger und intensiver, die Temperaturen steigen spürbar an. Die Schneemengen sind stark rückläufig; die Vegetationszeit hat sich geändert und bringt einen um rund drei Wochen früheren Weidebeginn im Frühjahr und ein früheres Weideende durch Wassermangel mit sich. „Trockenheit kennen wir immer wieder mal regional – aber Trockenheit in dieser flächendeckenden Form, das ist neu", schlussfolgert Andreas Handlos.
- Es ist heuer viel zu trocken, eine Katastrophe für die Landwirtschaft.
- Foto: pixabay / Kollinger
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Vorausschauend hat er seinen Hof bereits angepasst und Vorkehrungen getroffen. Er setzt seit Jahren bewusst auf mehrere Standbeine und auf eine an die klimatischen Veränderungen angepasste Bewirtschaftung. Der Tierbestand wird an das verfügbare Futter angepasst. Regenwasser wird zur Stallreinigung, zur Gülleverdünnung und für den Garten verwendet (Speichervolumen: rund 50.000 Liter). Photovoltaik sorgt für saubere Energie, der Treibstoffverbrauch wurde reduziert. Dennoch sind Jahre wie das heurige eine riesige Herausforderung.
Auswirkungen des Klimawandels
Handlos, der sich auch politisch engagiert und bei der jüngsten Gemeinderatssitzung für die Grünen kandidierte, hat zu diesem Thema vergangene Woche zu einer Pressekonferenz auf seinen Hof geladen; mit dabei: die Grüne Landeschefin Sandra Krautwaschl. Die Grünen haben im Landtag zuletzt zahlreiche Anträge zum Thema Trockenheit, Hitzeschutz und Wassermanagement eingebracht. Sie zeigen sich besorgt, denn der Klimawandel zeigt sich mittlerweile bereits sehr deutlich: ausgetrocknete Böden, sinkende Grundwasserstände, massive Probleme in der Landwirtschaft, ausgedehnte Waldbrände und erste Gemeinden, die Schwierigkeiten bei der Trinkwasserversorgung haben. Österreich habe sich seit 1900 bereits um 3,1 °C erwärmt – wesentlich stärker als der globale Durchschnitt, heißt es in einer Aussendung. Wissenschaftliche Analysen zeigen klar: Hitzewellen nehmen zu, Dürreperioden werden länger, Starkregenereignisse intensiver und Waldbrandrisiken steigen massiv.
- Viele Bauern haben weniger Erträge als sonst und können damit ihr Vieh nicht mehr versorgen.
- Foto: pixabay / Kollinger
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„Die Steiermark bekommt die Auswirkungen des Klimawandels ganz besonders deutlich zu spüren. Wer jetzt nicht alles unternimmt, um die Menschen zu schützen, handelt fahrlässig. Um die Lebensgrundlagen für unsere Kinder und Enkelkinder abzusichern und die Steiermark auch in Zukunft lebenswert zu erhalten, braucht es jetzt konsequenten Klimaschutz", so Klubobfrau Sandra Krautwaschl.
Die Klimaszenarien zeigen eindeutig, dass sich die Situation in Zukunft noch verschärfen wird. Die steirischen Grünen sehen daher dringenden Handlungsbedarf: Es braucht entschlossene Maßnahmen seitens der Landesregierung. Die Strategie zur Klimawandelanpassung muss überarbeitet werden, insbesondere in den Bereichen Wasser, Landwirtschaft und Katastrophenvorsorge.
- Handlos hat seinen Hof bereits vor Jahren an die sich ändernen Bedingungen angepasst – und kämpft dennoch.
- Foto: Grüne
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Konkrete Forderungen der steirischen Grünen
- Rascher Ausbau der Erneuerbaren Energien
- Abbau von klimaschädlichen Förderungen
- Deutliche Reduktion von Bodenverbrauch und -versiegelung
- Sicherung der Trinkwasserversorgung
- Verhinderung von Nutzungskonflikten beim Wasser
- Transparentes Monitoring von Wasserentnahmen
- Anreizsysteme, um Wasser verstärkt in der Landschaft zu halten
- (z.B. Förderung von Zisternen)
- Renaturierung: Flüsse, Auen und Feuchtgebiete als natürliche Wasserspeicher nutzen
- Unterstützungsprogramme für klimaresiliente Landwirtschaft
- Anpassungsmaßnahmen gegen Trockenstress
- Programme zur kurzfristigen Anpassung der Forstwirtschaft
Alle bisher von den Grünen eingebrachten Vorschläge wurden jedoch von den Regierungsparteien FPÖ und ÖVP abgelehnt.
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