"In Lorenzen soll sich jeder wohlfühlen"

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Petra Weberhofer ist die erste weibliche Bürgermeisterin von St. Lorenzen. Im WOCHE-Interview spricht sie über ihre bisherigen Erfahrungen, ihr Privatleben und ihr Lieblingsplatzerl.

Wie gehts?
Mir gehts gut, danke.

Schon im Amt eingelebt?
Dadurch dass ich schon lange im Gemeindedienst bin, habe ich ja schon viel Erfahrung, kann vieles schon abschätzen. Von daher, ja. Es ist natürlich viel Neues dabei, vor allem Bautechnisches. Aber ich habe da die volle Unterstützung durch meine Mitarbeiter.

Wie fühlt man sich als erste weibliche Bürgermeisterin in seiner Heimatgemeinde?
Gut, und ich denke, es hat auch einmal hergehört. Als Frau hat man doch mehr soziales Einfühlungsvermögen, denke ich.

Gibt es Vorteile als Frau?
Vorteile nein, ich glaube, als Frau muss man sich noch mehr beweisen als Männer, vor allem in der Politik.

Wie reagieren die Leute in St. Lorenzen wenn Sie den Namen Weberhofer hören?
Mich kennen so viele Leute schon so lange, die haben alle positiv reagiert und mir auch gleich gratuliert. Die die mich nicht kennen fragen dann schon, ob ich mit dem Willi verwandt bin.

Was war eigentlich der Auslöser, sich als Spitzenkandidatin der SPÖ aufstellen zu lassen?
Ich bin vor längerer Zeit schon gefragt worden, das habe ich damals aber noch nicht so ernst genommen. Jetzt habe ich mich nach Absprache mit der Familie bewusst dazu entschieden. Mir ist wichtig, dass sich in St. Lorenzen etwas verändert, mir hat da einfach der Gemeinschaftsgedanke gefehlt. Es gibt immer wieder so viele Ideen von der Bevölkerung oder von den Vereinen und Institutionen, die aber vielfach nicht gehört werden. Da habe ich im Bürgerservice vieles mitbekommen.

Waren Sie schon vorher Parteimitglied?
Nein, das hat sich so ergeben, als ich gefragt wurde zu kandidieren, so habe ich als absolute Quereinsteigerin die Unterstützung der Partei. Ich bin aber seit August offizielle Volksbürgermeisterin, das heißt ich bin überparteilich für alle Leute da. Das ist mir wichtig.

War es eigentlich nie Thema, das Amt des Bürgermeisters mit der Liste WIR zu teilen?
Nein, das war nie ein Thema. Die Liste hat ja den Vizebürgermeister von uns bekommen, ansonsten hätte sie ja nur Anspruch auf ein Vorstandsmandat gehabt. Diese Position haben wir ihr dann abgetreten.

War die Überraschung am Wahltag dann groß für Sie oder haben Sie im Stillen schon damit gerechnet?
Naja, ich habe es gehofft. Wir haben ja im Wahlkampf nahezu jeden Haushalt in St. Lorenzen besucht und da war schon ein sehr positiver Tenor da. Ich habe dann die meisten Vorzugsstimmen erhalten, von dem her war es ein sehr erfreuliches Ergebnis für mich. Uns hat es natürlich auch sehr gefreut, dass wir im Vergleich zur letzten Wahl dazu gewonnen haben

Wie haben Sie den Wahltag generell erlebt?
Eigentlich recht relaxt, wir haben es ja nicht beeinflussen können. In dem Moment zählt ja nur der Wählerwille.

Was sind/waren anfangs die größten Schwierigkeiten?
Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass es Bereiche gibt, die mir Schwierigkeiten bereiten. Eher sind es die Kleinigkeiten, die von der Gegenpartei kommen, wo ich mir meinen Teil denke.

Wie lässt sich Ihre bisherige berufliche Tätigkeit als Standesbeamtin mit jener als Bürgermeisterin vereinbaren?
Ich bin 25 Stunden pro Woche Bedienstete, die Bürgermeisterstunden kann man ohnehin nicht zählen, das ist weit mehr. Ich versuche natürlich, das so gut als möglich zu trennen, gewisse Bereiche überschneiden sich aber dennoch. Generell mache ich aber am Vormittag meine Stunden als Bedienstete und am Nachmittag mache ich Bürgermeister-Dienst. Ich möchte das auch so beibehalten, ich bin ja momentan auch die einzige Standesbeamtin.

Sie sind ja auch KSV-Nachwuchstrainerin. Wie gehts hier weiter?
Ich habe das schon sehr reduziert und bin gerade dabei, laufend Dinge abzugeben. Ich werde in Zukunft eher im Hintergrund arbeiten, Organisatorisches erledigen und zwischendurch helfen. Das Kinderturnen in St. Lorenzen mache ich aber nach wie vor.

Wie sieht jetzt ein typischer Arbeitstag aus und inwiefern hat sich dies zu vorher verändert?
Vormittags Bürgerservicetätigkeiten, nachmittags eher Bürgermeistertätigkeiten. Dienstags bspw. bin ich aber mittlerweile den ganzen Tag mit Bürgermeisterangelegenheiten beschäftigt. Dafür nehme ich mir den Mittwoch Nachmittag aber als Freizeit raus. Es ist sehr abwechslungsreich und es macht das ganze erst so richtig spannend.

Wie lässt sich berufliches mit privatem verbinden? Als zweifache Mutter ist die Situation sicher nicht einfach.
Mein großer Vorteil ist, dass mein Lebensgefährte derzeit die Abendschule macht und tagsüber zu Hause ist. Er übernimmt viel im Haushalt, vor allem das Kochen. Die Familie hält außerdem gut zusammen, mein Ex-Mann und die beiden Omas sind schon eine sehr große Stütze. Wir halten da alle zusammen, sonst ginge das nicht.

Welche Themen beschäftigen St. Lorenzen derzeit am meisten?
Jetzt momentan sind wir ja ein bisschen eingeschränkt, da wir durch Corona weniger Einnahmen haben. Aber im nächsten Jahr sind die großen Brocken die Errichtung eines Rad-und Gehweges in Richtung Pogier, Volksschulzubau, Kindergartenumbau, Ortsplatzerneuerung. Dann kommen noch viele Kleinigkeiten dazu, vor allem für die Jugend möchten wir mehr machen, auch im Veranstaltungsbereich. Und die Senioren sollen auch nicht zu kurz kommen.

Die erste Kritik der Opposition ließ ja nicht lange auf sich warten – Stichwort: Coronazuschuss für alle Haushalte in St. Lorenzen. Warum haben Sie nicht zugestimmt?
Wir haben schon im Wahlkampf den Corona-100er pro Einwohner verlangt, in Form eines Gutscheines, der in einem St. Lorenzener Betrieb eingelöst werden kann. Das ist damals von der ÖVP abgeschmettert worden. Jetzt hat die ÖVP dieses Thema von sich aus beantragt, das ist meiner Meinung nach aber ein unausgegorener Vorschlag gewesen und meiner Meinung nach nur ein Aufbäumen, damit die ÖVP jetzt gut dasteht. Es aber wurde in der Juli-Ausschuss-Sitzung mit dem Altbürgermeister einstimmig beschlossen, dass das in der ersten Ausschuss-Sitzung im Herbst besprochen wird. Die Ausschüsse fangen jetzt eh zu tagen an und wir werden natürlich schauen, dass wir jetzt in irgendeiner Form Unterstützung schaffen.

Wie gehen Sie mit solchen Vorwürfen um?
Wir behandeln die Thematik, genau so wie sie ist. Wir wollen eine gescheite Lösung finden und das soll gemeinsam in den Ausschüssen beraten werden, wo alle Parteien vertreten sind.

Was sind Ihre großen Ziele als Bürgermeisterin?
Mehr Zusammenarbeit unter allen, dass man das auch nach außen hin spürt, dass sich da was positiv verändert und einfach ein gemeinsames St. Lorenzen da ist, wo sich wirklich jeder wohlfühlt.

Persönliches

Alter: 45
Familienstand: geschieden, in einer Partnerschaft lebend
Beruflicher Werdegang: ich habe schon auf der Gemeinde gelernt, ich bin Bürokauffrau und bin seit 1991 hier im Gemeindedienst tätig
Hobbys: die Natur genießen (wandern), mit der Familie Zeit verbringen, früher auch die Leichtathletik
Persönliches Motto: Das Motto im Wahlkampf war: Es ist Zeit. Und wahrscheinlich ist es Zeit für eine weibliche Bürgermeisterin
Lieblingsplatzerl in der Gemeinde: die Zeiringer Huam und die Himmelreichkapelle

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