EU-weiter Vergleich
Österreich belegt vorletzten Platz beim Artenschutz

Der Artenschutz wird in Österreich vernachlässigt – das zeigt sich auch in einem EU-Vergleich.
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  • Foto: Wild Wonders of Europe/Laszlo Novak/WWF
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Das Wochenende steht im Zeichen des Natur- und Artenschutzes: Am Samstag ist der Tag der europäischen Naturschutzgebiete, am Sonntag Tag der Biodiversität. Feiern ist laut der Umweltschutzorganisation WWF jedoch nicht angesagt. Denn im Vergleich mit anderen EU-Ländern hinkt Österreich deutlich hinterher, wie eine Analyse der Europäischen Umweltagentur zeigt.

ÖSTERREICH. Mit dem europaüberspannenden Schutzgebietsnetz "Natura 2000" sollen die natürlichen Lebensräume Europas dauerhaft geschützt und gesichert werden. Auch in Österreich sind 350 Gebiete umfasst, davon sind 272 als Europaschutzgebiete sogar rechtlich verordnet. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist Österreich allerdings ein Nachzügler in Sachen Natur- und Artenschutz. Es gibt hier massiven Aufholbedarf, kritisiert der WWF. In der letzten Berichtsperiode habe sich die Situation erneut verschlechtert statt verbessert, so die Naturschutzorganisation.

"Die in Österreich auch als Europaschutzgebiete bekannten Natura 2000-Gebiete sind das Rückgrat für den Schutz der Natur in Europa. Doch obwohl Österreich seit über 25 Jahren Mitglied der Europäischen Union ist, gibt es noch immer keine deutlichen Verbesserungen im Erhaltungszustand von Lebensräumen und Arten – im Gegenteil! WWF-Biodiversitätsexperte Arno Aschauer 

83 Prozent der bewerteten Arten und 79 Prozent der bewerteten Lebensräume weisen kaut Studie keinen guten Zustand auf.
  • 83 Prozent der bewerteten Arten und 79 Prozent der bewerteten Lebensräume weisen kaut Studie keinen guten Zustand auf.
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Vertragsverletzungsverfahren

Österreich drohe nun ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren wegen lückenhafter Umsetzung der Schutz-Maßnahmen. "Die dadurch drohenden Strafzahlungen und Verfahrenskosten sollte man besser in die Wiederherstellung der Natur und damit in unsere Zukunft und die unserer Kinder investieren", mahnt Aschauer.

Daneben erwarte die EU-Kommission von Österreich und den anderen Mitgliedsstaaten bis Jahresende einen konkreten Vorschlag zur Umsetzung wesentlicher Biodiversitätsziele. Bis heute seien allerdings keine konkreten Pläne der zuständigen Behörden bekannt, kritisiert der WWF.

Dementsprechend fordert die Naturschutzorganisation einen nationalen Aktionsplan, um die Biodiversitätsziele zu erreichen. Sowohl die Bundesregierung als auch die Bundesländer seien hier gefordert. Denn: "jeder in die Natur investierte Euro liefert uns ein Vielfaches an Wohlstand und gesunden Lebensgrundlagen", betont der Biodiversitätsexperte.

Österreich hinkt nach

Europaweit haben 17,5 Prozent der Landesfläche und 26.935 Gebiete Natura 2000-Status. Österreich hinkt dem EU-Durchschnitt aber in mehreren Belangen hinterher. Zunächst sind nur 15 Prozent der Fläche als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Gravierender sei aber vor allem die Situation beim Zustand der zu schützenden Lebensräume und Arten, so der WWF.  

Eine 2020 veröffentlichte Analyse der Europäischen Umweltagentur zeigt: 83 Prozent der bewerteten Arten weisen keinen guten Zustand auf. Österreich belegt damit den vorletzten Platz von 28 untersuchten Ländern. Daneben befinden sich knapp 79 Prozent der bewerteten Lebensräume in keinem guten Zustand – auch hier landet Österreich mit Platz 18 nur im hinteren Mittelfeld.

"Das oft strapazierte Umweltmusterland Österreich ist ein reiner Mythos. Wir sind mittlerweile Nachzügler, weil Natur im großen Stil verbaut, verschmutzt und übernutzt wird." Arno Aschauer

Nutzung von Brachflächen

Auch der Österreichische Biodiversitätsrat meldete sich anlässlich des am Sontag stattfindenden Tages der Artenvielfalt zu Wort und verwies auf die schwerwiegenden Folgen agrarischer Nutzung von Brachflächen. Hintergrund ist die Freigabe der Brachen durch Ex-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. Längerfristig könnte diese Entscheidung die globale Ernährungskrise verschärfen, anstatt sie zu bekämpfen, so der Biodiversitätsrat.

Sollte Österreich mehr für den Natur- und Artenschutz tun?

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