Umfrage zeigt
Gewalt an Frauen wird in Medien verharmlost

Medien haben Verantwortung. Die Art und Weise wie über Gewalt an Frauen berichtet wird lässt zu wünschen übrig.
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  • Medien haben Verantwortung. Die Art und Weise wie über Gewalt an Frauen berichtet wird lässt zu wünschen übrig.
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Laut einer neuen Umfrage nimmt die Berichterstattung über Gewalt an Frauen zu. Doch weder die österreichische Bevölkerung noch Journalistinnen und Journalisten finden, dass die mediale Berichterstattung adäquat ist. 88 Prozent der Journalistinnen geben an, dass Verbrechen oft verharmlosend dargestellt werden. 

ÖSTERREICH. Über Gewalt an Frauen wird nicht ausreichend und nicht sensibel genug berichtet. Das ergibt eine neue Umfrage von rund 500 Österreichern und Österreicherinnen, sowie 120 Journalistinnen und Journalisten. Die Berichterstattung über diese Verbrechen lässt zu wünschen übrig, meinen vor allem weibliche Befragten und das obwohl die Anzahl der Gewaltverbrechen an Frauen drastisch zugenommen hat.

Gewaltverbrechen nehmen zu 

Laut einer Umfrage der PR-Agentur Ecker & Partner glauben 70 Prozent der befragten Journalisten und Journalistinnen, dass Gewaltverbrechen an Frauen in den letzten zwei Jahren zugenommen hätten. Dasselbe glaubt auch etwa 70 Prozent der restlichen Bevölkerung. Weiters geben beide Gruppen an, dass die Berichterstattung über diese Verbrechen in den letzten zwei Jahren zugenommen hat. Die Faktenlage: 2020 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik 31 Frauen – häufig von ihren (Ex-)Partnern oder Familienmitgliedern – ermordet. Davor gab es im Jahr 2018 sogar einen Höchststand von 41 Morden an Frauen. Zum Vergleich: 2014 wurden 19 Frauen umgebracht. Es kam also in diesem Zeitraum zu mehr als einer Verdoppelung der ermordeten Frauen – ein trauriger Rekord. Im Jahr 2021 verzeichnet Österreich bereits 17 Femizide. 

Da waren es "erst" neun Opfer. Mittlerweile sind es 17.

Berichterstattung hat Aufholbedarf

Aufholbedarf sieht die österreichische Bevölkerung in der Berichterstattung: Weit mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, dass zu wenig über psychische Gewalt an Frauen, sexualisierte Gewalt an Frauen ohne Todesfolge, sowie körperliche Gewalt an Frauen ohne Todesfolge berichtet wird. 

Vor allem was Gewaltverbrechen ohne Todesfolge angeht, haben Medien Nachholbedarf.
  • Vor allem was Gewaltverbrechen ohne Todesfolge angeht, haben Medien Nachholbedarf.
  • Foto: meineresterampe/Pixabay
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Diskrepanz zwischen Journalisten und Journalistinnen

Wird ein Gewaltverbrechen an einer Frau zu oft verharmlosend dargestellt? Fast 90 Prozent der Journalistinnen sagen ja, während nur circa zwei Drittel der männlichen Kollegen das ebenfalls so sehen. Ein Drittel der Redakteure meint außerdem, dass die Häufigkeit derartiger Gewalttaten medial überproportional dargestellt wird. Diese Ansicht teilen nur vier Prozent der Redakteurinnen. Es mangelt aber laut der Umfrage nicht nur an der Berichterstattung, sondern auch an der Sensibilität für das Thema "Gewalt an Frauen": Knapp 70 Prozent der befragten Journalistinnen und Journalisten gaben an, dass Sensibilisierungsmaßnahmen oder Weiterbildungen weder angeboten noch geplant sind. 

Proteste gegen Gewalt an Frauen wurden vor allem 2021 lauter.
  • Proteste gegen Gewalt an Frauen wurden vor allem 2021 lauter.
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Gewalt als Tabuthema

Gewalt an Frauen ist im Familien- und Bekanntenkreis bei mehr als 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung noch immer ein Tabuthema. Und das obwohl jede fünfte Frau in Österreich seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren hat, jede dritte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr eine Form von sexueller Belästigung erlebt hat und jede siebte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr von Stalking betroffen war. Das ergab eine Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte.

Täterprofil und Opferschutz

Die Umfrage der PR-Agentur hat zudem ergeben, dass mehr als vierzig Prozent der Bevölkerung es für wichtig halten, über Täter und Motiv informiert zu werden. Vor allem jene Journalisten und Journalistinnen, die mehr als 20 Jahre Berufserfahrung haben, finden Informationen über den Täter in der Berichterstattung relevant. Beiden befragten Gruppen ist Opferschutz wichtig: 60 Prozent meinen, dass Informationen über die Betroffene eher nicht oder auf gar keinen Fall veröffentlicht werden sollten. 

Gewalt an Frauen:

Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen werden auch als Femizide bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.

Hilfe für von Gewalt Betroffene gibt es hier:

Frauenhelpline (Mo–So, 0–24 Uhr, kostenlos): 0800 / 222 555

Männerberatung (Mo–Fr, Ortstarif): 0720 / 70 44 00

Männernotruf (Mo–So, 0–24 Uhr, kostenlos): 0800 / 246 247

Telefonseelsorge (Mo–So, 0–24 Uhr, kostenlos): 142

Zum Thema:

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