OMV-Chef kritisiert Energiestrategie der Regierung
- OMV-Chef Rainer Seele (li.) und Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber bei Forum Alpach: "Brauchen einheitliche europäische Energiepolitik."
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OMV-Chef Rainer Seele lässt kein gutes Haar an der Klima- und Energiestrategie der Regierung. "Die Energiestrategie wird dabei mit Maßnahmen gegen den Klimawandel gleichgesetzt", so Seele. Das sei für ihn nicht der richtige Ansatz. "Zunächst müssen die Wettbewerbsfähigkeit und die Versorgungssicherheit im Vordergrund stehen und erst danach das Klima", so Seele beim diesjährigen "Forum Alpbach".
Strom nur noch aus Erneuerbarer Energie
Die Regierung will mit ihrer vor drei Monaten präsentierten Klima- und Energiestrategie ja erreichen, dass Strom in Österreich ab dem Jahr 2030 nur noch aus Erneuerbarer Energie erzeugt wird.
Verbund-Chef Wolfgag Anzengruber findet es gut, dass es nun immerhin überhaupt eine Klima- und Energiestrategie gibt und meint: "Es ist ganz klar, dass wir viel mehr erneuerbaren Strom brauchen. Aber auch Gas werden wir noch für Jahrzehnte brauchen." Das habe auch der vergangene Sommer gezeigt.
Stromversorgung auf der Kippe
So war der stark steigende Stromverbrauch aufgrund der Hitze nur dank der Gaskraftwerke des Landes zu bewältigen. "Es gab da kritische Momente" wie Anzengruber sagt und Seele ergänzt: "Mit Windrädern wäre da nichts zu machen gewesen."
Josef Plank, Generalsekretär im Nachhaltigkeitsministerium, betonte in Alpbach, dass die Regierung die Versorgungssicherheit und Wettbewerbfähigkeit sehr wohl im Auge habe, aber man auch sehen müsse, "was der frei Markt nicht leistet."
Letztendlich aber, so Plank, Anzengruber und Seele unisono, brauche es endlich eine einheitliche EU-Energiestrategie. Denn die Energiepolitik ist in der EU noch immer Sache der einzelnen Nationalstaaten. Frankreich und Tschechien zum Beispiel setzten nach wie vor voll auf Atomenergie. Österreichs Klimapolitik habe daher im Alleingang global kaum Auswirkungen.
Redaktion: Wolfgang Unterhuber
Leserbriefe
Sehr geehrter Herr Dr. Unterhuber,
meine angeführten Punkte sind eine Replik auf den Bericht in der Wiener Zeitung vom 30.08.2018 und deshalb als Replik auf Ihren Bericht ungeeignet. Zu den Aussagen in Ihrem Bericht stelle ich indes fest:
1) Die Aussage von Herrn Seele, dass "zunächst die Wettbewerbsfähigkeit und die Versorgungssicherheit im Vordergrund stehen müssen und erst danach das Klima", ist gleich aus mehreren Gründen falsch: Erstens sind die Ziele des Übereinkommens von Paris geltendes österreichisches Recht und müssen daher auch für die OMV im Vordergrund stehen, wenn sich die OMV nicht außerhalb der Legalität stellen will. Zweitens wird Versorgungssicherheit einer Volkswirtschaft nicht durch Beharren auf fossilen Brennstoffen gewährleistet, sondern nur durch Diversität der Lieferketten und der Ressourcen. Deshalb wird die Klima- und Energiestrategie der Regierung, wenn sie denn umgesetzt wird, die Versorgungssicherheit gegenüber heute erhöhen. Drittens sind wenn überhaupt Energiekosten nur für besonders energieintensive Betriebe, wie etwa Stahlwerke, ein Wettbewerbsfaktor. Für wissensintensive Unternehmen – das ist die Mehrheit in Österreich – ist die Verfügbarkeit gutausgebildeter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter DER Wettbewerbsfaktor, nicht die Energiekosten.
2) Die Aussage von Herrn Anzengruber, dass „wir Gas noch für Jahrzehnte brauchen werden“, ist ebenfalls falsch. 1 m3 Erdgas emittiert beim Verbrennen 2,00 kg CO2. Darüber hinaus geht ca. 3% des geförderten Erdgases bereits vor dem Verbrennen beim Transport und bei der Lagerung in die Atmosphäre. Unverbranntes Erdgas ist indes ein ca. 25 mal wirksameres Treibhausgas als CO2. Somit ist Gas bezüglich Klimawandel nicht besser als Erdöl und daher deren Gebrauch genauso wie der aller anderen fossilen Brennstoffe in den nächsten Jahrzehnten gemäß dem Übereinkommen von Paris auf nahe Null zu reduzieren und je rascher damit begonnen wird, desto volkswirtschaftlich verträglicher wird es.
3) Die Aussage von Herrn Anzengruber, dass „der stark steigende Stromverbrauch aufgrund der Hitze nur dank der Gaskraftwerke des Landes zu bewältigen war“, mag stimmen, zeigt aber nur, dass offenbar viel zu wenig in Photovoltaikanlagen anstelle in Gaskraftwerke investiert wurde.
4) Die Aussage von Herrn Plank, dass „man sehen müsse, was der freie Markt nicht leistet", unterstellt, dass der Markt der Energieversorgung frei sei. Diese Aussage ist falsch, denn ein wirklich freier Markt ist nur dann gegeben, wenn die (zukünftigen) externen Kosten eingepreist sind. Dies ist bei Energiepreisen nicht der Fall. Darüber hinaus muss man nichts mehr sehen, denn man sieht seit langem schon, was der Markt nicht leistet.
5) Die Aussage der Herren Plank, Anzengruber und Seele, dass es endlich eine einheitliche EU-Energiestrategie brauche, ist ebenfalls falsch. Eine einheitliche EU-Energiestrategie gibt es seit langem, siehe etwa https://en.wikipedia.org/wiki/Energy_policy_of_the_European_Union
Diese oben angeführten Punkte dürfen Sie sehr gerne als Replik auf die Aussagen direkt unter Ihren Bericht auf meinbezirk.at publizieren.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christoph M.
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