Erste Bank-Chef Stefan Dörfler: "Ein Bank überfällt heute nur noch ein ganz Dummer"

Erste Bank-Chef Stefan Dörfler: "Wenn bei uns zwei Tage der Strom ausfallen würde, dann sind wir dafür gewappnet."
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  • hochgeladen von Kerstin Wutti

Sie sind gelernter Mathematiker. Also: Casino oder Börse - wo ist die Gewinnchance höher?
Das sind nicht vergleichbare Welten. Die Börse spiegelt die Entwicklung einer Volkswirtschaft über einen längeren Zeitraum wider. Im Casino regiert das Gesetz der Statistik. Sie werden aber sicher verstehen, wenn wir unseren Kunden das Glücksspiel nicht empfehlen (lacht).

Und das Sparbuch?
Man holt damit derzeit nicht einmal die Inflation herein. Deswegen empfehlen wir unseren Kunden hier in einer ausgewogenen Form anders zu veranlagen. In geeigneter Größenordnung etwa auch in Aktien.

Ihr Anlage-Tipp?
Suchen Sie einen unserer spezialisierten Berater auf. Wir investieren sehr viel Geld in die Ausbildung unserer Mitarbeiter.

Steigt die Inflation?
Ganz ehrlich: Wir wissen es nicht. Nach der Krise 2008 haben die Zentralbanken sehr viel Geld in die Märkte gepumpt. Nach den Gesetzen der Logik müsste das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent im Euro-Raum längst erreicht sein. Ist es aber nicht.

Ist das derzeitige Wirtschaftswachstum nachhaltig?
Für die nächsten zwölf bis 18 Monate haben wir sehr gesicherte Daten. Wir sehen in Österreich, Zentral und Osteuropa, wo wir ja tätig sind, überall ein robustes Wachstum.

Und danach?
Wir glauben an anhaltendes und stabiles Wachstum. Es ist aufgrund der hohen Dynamik in der Wirtschaft heutzutage aber sehr schwierig, langfristige Prognosen zu erstellen.

Wird es in zehn Jahren noch Bank-Filialen geben?
Ja, wir bauen gerade Filialen nach neuesten Standards um. Wir sind dort, wo die Kunden uns haben wollen. Ein Beispiel: Im Rahmen eines Beratungsgesprächs in unseren Flagship-Filialen können jederzeit Spezialisten aus der Zentrale, also dem Erste Campus, per Video zugeschaltet werden. Letztendlich werden also die Kunden entscheiden, wo und wie sie mit uns interagieren wollen.

Und Ihre Hypothese ist?
Es wird eine Mischung aus digitaler Welt und weiterhin persönlichem Kontakt sein. In vielen Bereichen wird die persönlichen Beratung und damit die physische Präsenz des Beraters weiterhin eine starke Rolle spielen. Etwa bei Finanzierung von Eigenheim oder Erstellung von langfristigen Vorsorgeplänen.

Wird Online-Banking noch wichtiger werden?
Ohne ein gutes, spannendes, vor allem komfortables und sicheres digitales Angebot, wird eine Bank in Zukunft nicht bestehen können. Wir haben bei Erste Bank und Sparkassen unser Online-Banking mit George deshalb komplett neu aufgesetzt.

Aber wie sicher ist Online-Banking überhaupt?
Online-Banking ist bei uns so sicher wie es nur irgendwie sein kann. Wir lassen uns hier ständig auch von außen von Cybersecurity-Firmen ganz hart testen. Denn unsere Kundendaten sind das höchste Gut, das wir zu verantworten haben.

Generell gesprochen: Macht uns die Digitalisierung nicht verwundbarer?

Die Breite und intensive Nutzung digitaler Lösungen quer durch die Wirtschaft und das private Leben bringt es mit sich, dass ganz viel Gutes aber auch manches Schlechtes in dieser Welt geschieht. Es gibt Risiken, keine Frage. Es liegt aber an uns Menschen, wie wir damit umgehen.

Und wenn wegen eines Orkans mal der Strom ausfällt?

Wenn bei uns zwei Tage der Strom ausfallen würde, dann sind wir dafür gewappnet.

Auch gegen Banküberfälle?
Sehen Sie: Das ist einer der großen Vorteile der Digitalisierung. Eine Bank überfällt heute nur noch ein ganz Dummer. Denn Geld wird er in einer Filiale kaum vorfinden.

Abseits der aktuellen Diskussion: gibt es in 20 Jahren noch Bargeld?
Eher ja. Speziell Österreich und Deutschland sind historisch gesehen bargeldlastige Länder.

Was sagen Sie zu Bitcoin und anderen Kryptowährungen?
Das ist ein spannendes Phänomen. Aber: Das sind keine echten Währungen, es ist kein offizielles Zahlungsmittel und hoch spekulativ. Als Veranlagungsprodukt sind Kryptowährungen daher kein Teil unserer Kundenberatung. Sehr interessant ist für uns allerdings die dahinterstehende Technologie Blockchain. Hierzu sind wir in einigen internationalen Projekten aktiv dabei. 

Sie spielen ja seit Ihrer Jugend Tennis. Gegen welchen Star würden Sie gerne ein Match bestreiten?
Ich bin ein großer Bewunderer von vielen tollen Spielern. Und gegen alle diese Spieler möchte ich nicht spielen (lacht).

Danke für das Gespräch!

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