Ein Stallhofer Urgestein
Gemütliches Beisammensein im Gedenken an Reinhard Gratt
- Eine Stimmung, wie sie sich Reinhard Gratt gewünscht hätte
- Foto: Gerhard Langmann
- hochgeladen von Gerhard Langmann
Selber war es Reinhard Gratt mehr nicht möglich: Tochter Nadja lud Gäste in Erinnerung an ihren im Oktober verstorbenen Vater zu einem gemütlichen Beisammensein ein.
STALLHOF/STAINZ. Bei seiner Einlieferung in das Krankenhaus im Herbst des Vorjahres war Reinhard Gratt zuversichtlich: „Wenn ich wieder heimkomme, setzen wir uns gemütlich zusammen.“ Es sollte nicht dazu kommen, denn am 29. Oktober schloss der liebenswürdige Mensch seine Augen für immer. Tochter Nadja hatte beim Begräbnis im Gedenken an ihren Vater gedichtet „Irgendwonn ~ sitz ma olle wieda z’somm“.
Und exakt dieser Verszeile hauchte sie am vergangenen Samstag Leben ein: Sie lud alle Verwandten, Bekannten, Freunde und Weggefährten zu einem gemütlichen Zusammensitzen bei sich zu Hause ein. Die unausgesprochen einzige Bedingung: Der Papa soll mitten unter uns sein. Und genau in diesem Sinn stiegen die Gäste in den sehr persönlichen Event ein. „Von ihm host du anfoch olles hob’n kennan“, war da von einem Wegbegleiter zu hören, während ein einstiger Schützling vom intensivsten Fußballtrainer des Sportclubs Stainz sprach und ein Dritter von der Handschlagqualität des früheren Sportausnahmetalents schwärmte.
Ein bewegtes Leben
In der Tat: Reinhard Gratt, am 26. Oktober geboren, als dieser noch nicht als Nationalfeiertag gefeiert wurde, war ein Sportler durch und durch. Als aktiver Leichtathlet und Steirischer Meister ebenso wie als Fußballer und Nachwuchstrainer des SC, der Bundesliga-, Landesliga- und Erste-Spieler formte. Der sich aber auch in den Dienst der Republik Österreich stellte und Dienst leistete als Peacekeeper bei der UN-Friedenstruppe (sie wurden 1988 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet) auf Zypern.
Die Internationalität schien es ihm überhaupt angetan zu haben: Er betätigte sich als Ochsenbrater beim Oktoberfest in München, besuchte mit seiner Jugendmannschaft mehrmals den Verein Rott am Inn und wechselte arbeitsbedingt nach Rußland aus, wo er seine Ehefrau Tatjana kennen-, lieben lernte und samt Tochter Mascha mit nach Österreich nahm.
Durch Dick und Dünn
Beim Fest war für alle Gäste bestens gesorgt. Der Ausschank stand zur freien Verwendung und die Grillerpartie Franz Garber und Adi Christöfl sorgte für knusprige Würstel, Schnitzel und Erdäpfel, die im Schatten des Zeltes verzehrt werden konnten. Dem Wunsch, die Erinnerung zu teilen, kamen die vielen Erinnerungsstücke und Fotos des Verstorbenen und das von Alois Rumpf gestaltete Video über die UN-Blauhelme nach.
„Wir sind Freunde der Familie und betrachten es als Ehre, hier zu sein“, waren Barbara Stowasser und Franz Zinhobl aus Bayern angereist. Ebenso eine Selbstverständlichkeit zu kommen war es für Guntram Schönett aus Götzis, der meist in den Ferien zu Gast in Stallhof war: „Wenn die Nadja anruft, gibt es kein Zaudern.“ Bis zu seinem sechsten Lebensjahr lebte Gerald Mayr in Stallhof. „Leider“, so sein Bedauern, „gibt es den alten Gratt-Bauernhof in Stallhof 33 nicht mehr.“ Mit Harald Kogler soll auch ein Einheimischer zu Wort kommen. „Wir beide sind durch Dick und Dünn gegangen“, beschrieb er das Miterleben der Hochzeiten, die gemeinsamen Fußballzeiten und Urlaube: „Wenn der Reinhard eingestiegen ist, hat es den Kadett jedes Mal nach unten gedrückt.“
Das könnte Sie auch interessieren:
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.