Erster UNICEF-Kinderworkshop
"Mitreden statt sudern" in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg
- Ein knackiges Programm hatten die Kinder
beim ersten UNICEF-Kinderworkshop zu stemmen, begleitet von Selina Burgstaller und Mathias Rosenberger von der Landentwicklung Steiermark und von den beiden Audit-Assistentinnen der Stadtgemeinde Deutschlandsberg, nämlich Elke Krois und Julia Müller Reinisch. - Foto: MeinBezirk/Susanne Veronik
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Die Stadtgemeinde Deutschlandsberg strebt das Prädikat als "Familienfreundliche Gemeinde" und das Zusatzzertifikat als "Kinderfreundliche Gemeinde" an – und wer könnte bessere Ideen haben als die Kinder selbst? In diesem Sinne stand ein UNICEF-Kinderworkshop im Sitzungssaal am Programm, begleitet und moderiert von der Landentwicklung Steiermark. MeinBezirk war exklusiv mit dabei und war überrascht von den durchwegs konstruktiven Verbesserungsvorschlägen der jungen Leute.
DEUTSCHLANDSBERG. Was gefällt euch in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg besonders gut? Was eher nicht – und was wollt ihr ändern? Das waren die Kernfragen beim UNICEF Kinderworkshop im Sitzungssaal der Stadtgemeinde Deutschlandsberg.
Geladen waren Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Angemeldet waren viele, gekommen sind jetzt sieben Kindern", bedauert Julia Müller Reinisch, die doch zahlreichen Abmeldungen, die kurz vor dem Workshop eingegangen sind. Julia Müller Reinisch ist nicht nur Lehrerin an der Volksschule Deutschlandsberg, sondern gemeinsam mit Elke Krois jetzt auch Audit-Assistentin. Audit-Beauftragte für den laufenden Prozess in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg ist Gemeinderätin Elisabeth Koch, Obfrau des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familien der Stadtgemeinde Deutschlandsberg.
- Mathias Rosenberger und Selina Burgstaller haben den Workshop kurzweilig moderiert und spannend gestaltet.
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Begleitet von Selina Burgstaller (Prozess- und Projektmanagement) und Mathias Rosenberger (Prozess- und Projektmanagement, Kinder- und Jugendschutzbeauftragter) von der Landentwicklung Steiermark haben sich schließlich fünf Mädchen und und zwei Burschen im Sitzungssaal der Stadtgemeinde Deutschlandsberg eingefunden. Bei den Vorstellungsrunden im Sesselkreis kam bald eine lockere Stimmung auf, die beste Voraussetzung, um die folgenden Aufgaben-Stellungen miteinander zu erarbeiten.
Fragen über Fragen
"Was gehört für euch zu den Kinderrechten?", fragte Mathias Rosenberger in die Runde. Da kam allerhand zurück, von sauberem Wasser über Familie und Freunde bis hin zu Freizeit und Bildung sowie das Recht auf Schutz und überhaupt auf ein gewaltfreies Umfeld sowie das Recht auf Meinungsfreiheit.
Insgesamt zählt die Konvention für Kinderrechte 54 Artikel, in denen die Menschenrechte für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre weltweit festgelegt sind. "Schließlich seid ihr vor dem Gesetz bis zu eurem 18. Lebensjahr Kinder", erklärte Selina Burgstaller.
- Spannung bei der Vorstellungsrunde
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Im Kreis aufgelegt wurden einige der 54 Artikel, um darüber gemeinsam zu diskutieren und und für sich persönlich zu positionieren...
"Dabei sind sehr viele Rechte, die für uns in Österreich selbstverständlich sind, in anderen Regionen aber nicht, wie etwa das Recht auf Bildung. In machen Ländern müssen Kinder in eurem Alter bereits arbeiten", machte Rosenberger deutlich.
"Fühlst du dich in der Schule sicher?"
Im anschließenden Stationen-Betrieb sind mitunter provokante Fragen und Statements in den Raum geworfen worden.
Den Satz "Die Schule ist ein sicherer Ort" konnten nach den Bombendrohungen im Laufe des vergangenen Schuljahres nicht alle der anwesenden Kinder mit einem guten Gefühl bejahen.
Schließlich ging es an die Kernthemen des zweistündigen Workshops: "Was gefällt euch in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg gut?" war einmal die Frage zur Ausgangsposition. Da kam von den Geschäften im Fachmarktzentrum über die Eisdielen bis hin zur Burg und der Klause für die Naherholung schon allerhand an positivem Feedback. Auch die Angebote bei den "Sommerimpulsen" als umfangreiches Freizeit-Angebot während der Sommerferien kommen gut an.
- Gleichberechtigt engagiert bei der Erarbeitung der Themen im Sesselkreis im Sitzungssaal der Stadtgemeinde Deutschlandsberg.
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"Was gefällt euch weniger?" war die darauf folgende Fragestellung. Wie aus der Pistole geschossen kam die einhellige Meinung: Das Hietlbad, das für die Kinder einfach zu veraltet und mit zu wenig Angebot ausgestattet ist. Fast unisono bekrittelten die jungen Leute das für sie unzureichende Öffi-Angebot, während eines der Mädchen die Sanitäranlagen in der Koralmhalle als schlichtweg "grauslich" bezeichnete und ein anderes den Eislaufplatz bei der Klause für unzureichend hält.
Kinder sprudeln über vor Ideen
"Was würdet ihr verbessern? Was sind eure Ideen dazu?" Da stand selbstredend die Sanierung des Hietlbades ganz vorne auf der Liste, gefolgt von einem Kino und einem Netzausbau im öffentlichen Verkehr. "Das sind mitunter sehr teure Projekte", warf Rosenberger ein. "Wie wäre es denn, wenn man als Alternative zu einem kostspieligen Kinosaal einmal ein Sommerkino ins Auge fasst und schaut, wie das ankommt?" Dieser Vorschlag fand schon einmal breite Zustimmung.
Basti wünscht sich mehr Möglichkeiten für öffentliche Auftritte für Jungmusiker, schließlich ist er gemeinsam mit Paul im Jugendblasorchester der Stadtkapelle aktiv. Jana hatte nicht nur den Vorschlag für ein Geschäft für Musikinstrumente parat, sondern würde auch gerne in ungezwungener Atmosphäre Tanzen lernen. Hanna hatte die Idee zu einem öffentlich zugänglichen Raum, in dem man sich Spiele ausborgen und gleich ausprobieren kann.
Daumen hoch
Der Tenor zu diesen Projekt-Stunden wurde auch mit geschlossenen Augen durchwegs mit einem Daumen hoch bewertet. "Treffen wir uns wieder einmal in dieser Runde?", fragte Elli. In diesem Zusammenhang ist jetzt kein Treffen mehr geplant", erklärte Selina Burgstaller und regte an: "Aber ihr könntet ja die Idee zu einem ersten Kindergemeinderat in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg einbringen, dann hättet ihr über einen längeren Zeitraum die Möglichkeit, euch weiterhin in der Gemeinde aktiv und demokratisch einzubringen."
- Na da schau her, so viele Ideen gibt es da für die Kinder in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg.
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Wie geht es jetzt weiter?
Bereits stattgefunden hat der sogenannte "Ist-Workshop" mit Erwachsenen, ebenfalls begleitet von der Landentwicklung Steiermark, um den aktuellen Stand an Angeboten in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg in sämtlichen Lebensphasen quer durch die Generationen zu erheben. Damit einher gehend hat es bereits eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger gegeben inklusive Fragebögen. "Daraus sind rund 300 Rückmeldungen eingegangen, das ist sehr erfreulich", betonen Rosenberger und Burgstaller zu diesem doch repräsentativen Ergebnis.
- Vorschläge für die Zukunft gibt es genug.
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Nach Auswertung der Antworten steht der Soll-Workshop am Programm, nämlich am 6. Oktober, wozu wiederum die Projektgruppe der Erwachsenen eingeladen ist, bunt zusammengewürfelt stellvertretend für die vielen Belange in der Bevölkerung von Kinderbetreuung bis hin zu Seniorinnen und Senioren.
"Mit den Ergebnissen aus den Fragebögen und dem Kinderworkshop werden schließlich reelle Maßnahmen zusammengefasst, die in einer Zielvereinbarung gebündelt werden", erklärt Rosenberger gegenüber MeinBezirk. In dieser Zielvereinbarung müssen mindestens drei Maßnahmen in Bezug auf Familienfreundlichkeit stehen und noch weitere drei Maßnahmen zur Kinderfreundlichkeit.
- Die Audit-Assistentinnen Elke Krois (l.) und Julia Müller Reinisch
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Nach Beschluss dieser Zielvereinbarung im Gemeinderat hat die Gemeinde drei Jahre Zeit, um die neuen Maßnahmen umzusetzen. Nach erfolgreicher Prüfung durch eine externe Stelle verleiht das zuständige Bundesministerium das offizielle staatliche Gütezeichen "Familienfreundliche Gemeinde".
Die Vorteile dieser Zertifizierung
Gemeinden können sich mit dem Gütesiegel "Familienfreundliche Gemeinde" nach Beantragung bei der Familien- und Berufs GmbH mit Sitz in Wien, als attraktive Wohnorte positionieren und einen bedeutenden Standortvorteil erlangen, indem sie Familienfreundlichkeit fördern und das damit einher gehende Image aufbessern. Das bedeutet wiederum eine nachhaltige Stärkung für den jeweiligen Wirtschafts- und Bildungsstandort. Familien mit Kindern werden durch die damit verbundenen Initiativen dazu ermutigt, sich in der Gemeinde niederzulassen, also Zuzug statt Abwanderung.Darüber hinaus ist es möglich, das Zusatzzertifikat "Kinderfreundliche Gemeinde" von UNICEF zu erwerben. Es steht für das Engagement für eine Umgebung, in der Kinder sich wohlfühlen und unterstützen und gleichzeitig für ein nachhaltige Entwicklungsimpulse.
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