11:58 Stunden im Bodensee
Extremsportlerin Claudia Müller schaffte die Dreiländer-Querung
- Mit kraftvollen Zügen dem Ziel entgegen
- Foto: Müller
- hochgeladen von Gerhard Langmann
Im Vorjahr vermieste ein Gewitter den Erfolg, heuer schaffte Extremsportlerin Claudia Müller am Bodensee die Dreiländer-Querung Deutschland, Schweiz und Österreich.
STALLHOF/STAINZ. Der größte Anteil des Bodensees von rund 530 Quadratkilometern liegt auf deutschem Gebiet, dahinter folgen die Schweiz und als kleinster Anteil Österreich. Die Fläche hat mit der Dreiländer-Querung am vergangenen Wochenende von Claudia Müller, der mehrfachen Weltmeisterin im Eisschwimmen und vielfachen Triathlon-Finisherin, nur wenig zu tun. Da ging es um jene Kilometer, die zwischen Langenargen (D), Arbon (CH) und Bregenz (A) zu absolvieren waren.
Start war um ¾ 5 Uhr beim Strandbad in Langenargen, neben Ehemann Günter war Patrick Boche vom Bodensee Openwater-Team im Begleitboot. Ihm oblag es, exakt auf die Einhaltung der Regeln zu achten. Die wichtigste davon: Auf offener Strecke durfte nicht die geringste Möglichkeit, sich anzuhalten, genutzt werden. Selbst die Verpflegung und das Trinken mussten frei schwimmend absolviert werden. Ganz unbekannt war die Situation der Stallhoferin nicht, im Vorjahr machte aber ein schweres Gewitter kurz nach Arbon dem Unternehmen Dreiländer-Querung ein abruptes Ende.
Exakt umgesetzter Zeitplan
Dieses Mal waren die Bedingungen schlichtweg ideal: leicht bedeckter Himmel, mäßiger Wellengang, annehmbarer Rückenwind und 26 Grad Wassertemperatur. „In solchen Phasen“, so die 56-Jährige, „kommt es auf die mentale Vorbereitung und Einstellung an.“ Soll heißen: Claudia Müller konnte auf ihre Erfahrung aus so manchen Langstreckenrennen zurückgreifen. Nach knapp vier Stunden und einer Distanz von zwölf Kilometern traf sie beim Kanu- und Ruderclub Arbon ein.
Aber eine längere Pause gönnte sich Claudia Müller nicht und der erlaubte Landgang war nur von kurzer Dauer. Eine wichtige Motivation: In ihrem Vorhaben fühlte sie sich von einem präzise eingehaltenen Zeitplan gestärkt. Mit 24 Kilometern bis nach Bregenz stand allerdings die längste Wasserstrecke der Querung bevor. Exaktheit diente auch hier als Diktat: Alle dreißig Minuten machte die „Iron Ice Woman“, so ihr ehrender Spitzname, im Wasser einen Halt, um Nahrung und Elektrolyte zu sich zu nehmen. Dabei wurde die Trinkflasche an einer Schnur ins Wasser geworfen, denn – siehe oben – ein Festklammern war strikt verboten.
Kraftvolles Finsih
Patrick Boche wurde schon erwähnt, er gab im Boot den Begleiter und Logistiker. Der Extremsportler vom Lauf- und Triathlon-Club Wangen kennt sich beim Laufen, beim Schwimmen und beim Eiswassersport gut aus. Dieses Metier war es auch, das ihn mit Claudia Müller sportlich zusammengebracht hat. „Ihre Leistungen haben mir sehr imponiert“, war er gerne bereit, beim Abenteuer auf dem Bodensee dabei zu sein. Auch das Wetter freute sich ganz offensichtlich, auf dem Weg nach Österreich riss die Wolkendecke endgültig auf.
Auf Höhe der Rhein-Mündung war bereits das Ziel am Kaiserstrand in Bregenz-Lochau zu sehen. Dennoch: Noch mussten etwa sieben Kilometer bewältigt werden. In dieser Phase zeigte sich die ganze Cleverness einer Claudia Müller, die mit kraftvollen Zügen die letzten der insgesamt 35,5 Kilometer abspulte und – erschöpft, aber glücklich – in einer Zeit von 11:58 Stunden (schnellste Zeit einer Frau in dieser Alterskategorie) anschlug. Sie hat damit ein weiteres erfolgreiches Kapitel in ihrer brillanten Karriere erfolgreich abgeschlossen.
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