Hass im Netz
Kampf gegen die Lügen im Internet

Seit Langem beschäftigt sich Ingrid Brodnig damit, warum Fake im Internet funktioniert.
  • Seit Langem beschäftigt sich Ingrid Brodnig damit, warum Fake im Internet funktioniert.
  • Foto: Ingo Pertramer
  • hochgeladen von Nina Schemmerl

44 Prozent aller rassistischen Vorfälle, die im Vorjahr bei ZARA – der Zivilcourage- und Anti-Rassismus-Arbeit – gemeldet wurden, fanden online statt. Die scheinbar anonyme Welt des Internets ermöglicht es, hetzerische Inhalte oder Falschmeldungen rasch zu verbreiten.

Was Fakt oder Fake ist, darüber sprach die WOCHE mit der Medienexpertin Ingrid Brodnig, die im Rahmen der "Reiner Gespräche" (s. Info unten) in Kürze über den Unterschied zwischen Information und Manipulation referieren wird.

Wut hinter dem Bildschirm

Ob in sozialen Netzwerken, Online-Foren oder Ketten-Mails: Bewusste Lügen und Hasspostings sind wirksame Instrumente, um gleichermaßen zu manipulieren und andere Menschen zu diffamieren. Trotzdem werden sie immer häufiger unbedacht weitergereicht. "Den einen Hetzer gibt es aber nicht. Hass im Netz zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten", verrät Brodnig. Allerdings gibt es, sagt die Grazerin, bestimmte Themen, die enorme Wut hinter den Bildschirmen hervorrufen, etwa Migration oder Gleichberechtigung. Dabei vergessen Verfasser wie Teiler, dass das Verbreiten von Falschnachrichten und Hasstiraden sogar strafrechtlich verfolgt werden kann.

Fake durch Wiederholung

Erfundene Nachrichten, die als sogenannte alternative Fakten herhalten, sind ein gutes Mittel, um seriösen Quellen der Lüge zu bezichtigen. Dabei ist der Unterschied klar. "Wenn etwas belegbar ist, dann ist es ein Fakt", so Brodnig. Warum "alternative Fakten" trotzdem funktionieren, kann sich die Autorin gut erklären: "Häufig wird davon ausgegangen, dass es sich um andere Ansichten handelt. Es könnte ja so ähnlich passiert sein. Eine Meinung oder eine Ansicht ist allerdings noch kein Fakt." Vor allem bei Verschwörungstheorien oder Worten, die etwa Politikern in den Mund gelegt werden, hilft auch die Richtigstellung wenig, denn "Fake-Meldungen oder radikale Ansichten funktionieren durch Wiederholung".

Faktenchecks durchführen

Und über Emotionen. Gerade vermeintliche Betrugsmaschen oder Inhalte, die ein Zu-kurz-Kommen vonseiten der Regierung suggerieren, wecken über WhatsApp, Facebook, Twitter und Co. im Kollektiv Wut und Ärger, der geteilt wird.
Die Mittel dazu sind nicht neu. Das Internet arbeitet mit Tricks, die seit jeher benutzt werden. Nur die Umsetzung geht deutlich rascher. Dabei ist der Weg zum wahrheitsgetreuen Inhalt ein kurzer und einfacher.
Dazu gibt Brodnig zwei Tipps. Zum einen sollte die Selbstbeherrschung gelten. "Wer sich über einen Beitrag im Internet ärgert, sollte ihn nicht gleich aus der Wut heraus teilen, sondern zuerst durchatmen und überlegen: Moment, stimmt diese Information überhaupt?" Zum anderen kann das Internet bei Falschinformationen im Internet helfen. "Googeln Sie einfach und hängen Sie das Wort ‚Faktencheck‘ an. Es gibt genug Homepages wie www.mimikama.at, die sich darauf spezialisiert haben, Lügen aufzuschlüsseln", so die Autorin.

Reiner Gespräche
Am 16.11. wird Ingrid Brodnig im Rahmen der "Reiner Gespräche" ab 19 Uhr im Hoke-Saal des BG Rein über "Lügen im Netz! Fakt oder Fake? Zwischen Information und Manipulation" referieren. Veranstalter ist die Bürgerbeteiligung "ZOR – Zukunft Ortskern Rein" mit Unterstützung der Gemeinde Gratwein-Straßengel. Der Eintritt ist frei.
Brodnig studierte an der FH Joanneum Graz Journalismus und Unternehmenskommunikation, war Redakteurin unter anderem beim Nachrichtenmagazin profil und ist heute als Buchautorin, Kolumnistin und Expertin für Medien- und Digitalthemen selbstständig tätig.

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