Seltenes Handwerk, das "mit Füßen getreten wird"

Inmitten des Teppich- und PVC-Belag-Paradieses: Rudolf Langmann übt ein äußerst seltenes Handwerk aus.
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Rudolf Langmann spricht in Gratwein über ein Handwerk, das nur noch Wenige kennen.

Rudolf Langmanns Arbeit wird mit Füßen getreten – im wahrsten Sinne des Wortes. Und das ist sogar etwas Positives, denn sein Geld verdient er unter anderem mit der Kettlerei. Das Ketteln ist eine Tätigkeit, die heute kaum noch jemand beherrscht, und doch begegnet sie uns täglich: Beim Ketteln werden Kanten mit textilem Garn miteinander verbunden, der sogenannten Kettelnaht. Dadurch wird ein Ausfransen verhindert.

WOCHE: Herr Langmann, wie sind Sie zum Fertigen und Einfassen von Teppichen und Belägen gekommen?
Rudolf Langmann: Uns gibt es bereits seit 1996. Ich habe bei der Holz-Steiner Teppichland & Fliesencity AG gearbeitet und kam in Kontakt mit Teppichen und Böden. Dort habe ich mir das Handwerk auch sozusagen selbst angeeignet. Irgendwann war kein Platz mehr für die Abteilung, und aufgeben wollte ich das Wissen auch nicht, also habe ich in meinem eigenen Keller einfach weitergemacht.

Das Dranbleiben hat sich gelohnt, Ihre Kunden zählen zu den großen ...
Seit 24 Jahren begleiten wir schon Konzerne mit unserer Dienstleistung, dazu zählen alle 46 Häuser von XXXL Lutz Österreich, Hornbach, Kika, Inku oder Leiner. Aber auch für Kindergärten, Gastrobetriebe oder Raumausstatter sind wir im Einsatz. Auch in Deutschland, der Schweiz oder Italien. Wir haben uns auf das Einfassen rund um Teppiche und PVC-Beläge spezialisiert. Aber auch Maßanfertigungen für Privathaushalte, Camper, Boote oder Autos sind möglich.

Wie haben Sie es geschafft, dieses doch alte Handwerk aufrechtzuerhalten?
Wenn ich zum Beispiel in ein Hotel gehe und die Randleiste eines Teppichs sehe, die ich gemacht habe, erfüllt mich das mit Stolz. Es reizt mich einfach, dass ich eine Arbeit mache, die tagtäglich auch fertig wird. Ich schaffe etwas. Mit meinen Händen und meiner Erfahrung. Denn der Beruf ist kein Lehrberuf.

Das heißt aber auch, dass der Beruf irgendwann aussterben wird, oder?
Man kann ihn zumindest erlernen. Es ist ein Handwerk, das gut 15 Jahre Erfahrung braucht, damit auch alles wirklich funktioniert.

In vielen Eigenheimen verschwinden aber auch die Teppiche. Wie kommt das Ihrer Meinung nach?
Die Bodenheizung hat bei vielen Menschen den Teppich oder Belag verdrängt. Auch Allergiker verzichten gerne darauf. Dabei muss ich sagen: Wer eine Hausstauballergie hat und deshalb seinen Teppich entfernen muss oder will, der tut das ja nur dann, weil die Qualität des Materials nicht stimmt. Ein ordentlicher Teppich wirbelt keinen Staub auf.

In Ihrer Größenordnung, was die Kunden betrifft, gibt es österreichweit nur einen Mitbewerb. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Die Kunden kommen zu mir, weil ich das Wissen, die Erfahrung und ein Auge für das Detail habe.

Gab es für Sie schon besonders herausfordernde Kundenwünsche? Und gibt es Grenzen der Machbarkeit?
Zwischen 2008 und 2012 haben wir jeden Tag rund 250 Kundenaufträge bearbeitet. Das war schon eine herausfordernde Zeit. Jeder Teppich ist durch meine Hände gegangen. Grenzen gibt es eigentlich nicht. Solange die Qualität des Materials stimmt, ist vieles möglich.

Ist Ihre Tätigkeit auch eine gegen Verschwendung?
Aus Altem kann wieder Gutes entstehen. Das darf nicht aufgegeben werden.

Info und Kontakt:
"HomeTex", Kettlerei: Gewerbezentrum Gratwein, Murfeldstraße 10, 8112; 03124/54047, www.teppichkettlerei.at. Portfolio: Beratung, Verkauf, Fertigung, Reparatur, Sonderanfertigungen und Einfassung von Teppichen, PVC-Böden, zusätzlich Reinigung und Putzerei.

Autor:

Nina Schemmerl aus Graz-Umgebung

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