28.10.2015, 00:00 Uhr

In Tobelbad befindet sich der steirische Friedhof der Anatomie

Im Marmorbuch stehen Gedanken von Goethe, im Ehrenbuch der Anatomie sind die Namen der Verstorbenen verewigt
Am kommenden Wochenende werden die Gräber der Verstorbenen besucht. Ein besonderer Friedhof befindet sich in Tobelbad. Der Waldfriedhof ist die einzige letzte Ruhestätte in der Steiermark für jene, die sich zu Lebzeiten für die Anatomie entschieden haben.

Der Tobelbader Waldfriedhof befindet sich an der Ecke Haselsdorferstraße und Karl-Hohl-Straße. Hier hat das Anatomische Institut der Medizinischen Universität Graz Parzellen angekauft und eine Gedenkstätte errichtet. In der Steiermark ist es der einzige Friedhof der Anatomie, zwei weitere gibt es in Wien und Innsbruck. Seit 1970 werden hier Menschen bestattet, die ihren Körper nach dem Tod dem Anatomieinstitut zur Verfügung gestellt haben.

Lebensretter über den Tod hinaus

Weiße Marmorsteine tragen die Jahreszahl des Sterbejahres. Stein an Stein reiht sich auf dem gepflegten Areal zwischen Ahorn, Zedern und Zypressen. „Der Friedhof soll eine Würdigung für die Menschen sein, die sich verfügen“, sagt der Vorstand des Anatomischen Instituts Prof. Dr. Friedrich Anderhuber. Namen scheinen keine auf, um die Anonymität zu wahren.

150 Urnen jährlich werden hier bestattet. Etwa zwei Drittel, die sich verfügen, tun dies, um über den Tod hinaus Gutes zu tun. „Ich möchte, dass meine schwere Krankheit erforscht und anderen dieses Leid erspart wird “, verfügte eine junge Frau vor ihrem Tod. Weil es die Kinder ins Ausland zog, entschied sich ein Senior dazu. Manche tun es aus finanziellen Gründen, um den Erben die Kosten für Begräbnis und Grabpflege zu ersparen.

Für Angehörige ist es oft schwer, im Familiengrab nicht den geliebten Verstorbenen zu wissen. „Bei uns am Institut liegt ein Ehrenbuch auf“, tröstet Anderhuber. Hier ist jedem Verstorbenen ein Blatt gewidmet, mit einer Kranzniederlegung zu Allerheiligen und Gottesdiensten wird ebenso jener gedacht, die sich verfügt haben.

„An den Toten lernen nicht nur Medizinstudenten“, gibt Anderhuber Einblick in sein Institut. Hier üben auch langjährige Ärzte, die sich auf eine komplizierte Operation vorbereiten. „Diese Menschen helfen damit über den Tod hinaus den Lebenden“, sagt der Arzt respektvoll. Das drückt auch die Inschrift einer Gedenktafel aus: „Ihr Tod trägt die Würde, fremdem Leben selbstlose Hilfe zu sein."


Infos zur Verfügung


Wer seinem Körper nach dem Tod der Anatomie zur Verfügung stellen will, meldet sich beim Institut unter 0316-3804210. In einem Formular wird der Wunsch der Verfügung belegt. Eine Art Ausweis im Scheckkartenformat soll dann immer mitgetragen werden, damit im Fall des Todes sofort die Anatomie verständigt wird.
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