14.09.2016, 07:30 Uhr

Zum Schulstart greifen Eltern tief in die Tasche

Karin Roth aus Hitzendorf hat ihre Tochter mit Bastel-, Mal- und Schreibsachen für die Schule ausgerüstet.
Hitzendorf: Hitzendorf |

Die WOCHE hat mit einer Mutter über den finanziellen und zeitlichen Aufwand des Schulstarts gesprochen.

11.340 steirische Kinder erleben die Magie des Beginnenden gerade hautnah, denn sie befinden sich in ihrer allerersten Schulwoche. Während die Erstklässler sich in den letzten Wochen bereits fieberhaft auf den neuen Lebensabschnitt gefreut haben, haben ihre Eltern im Hintergrund die großen Vorbereitungen getroffen. Diesen haftete allerdings wenig Zauberhaftes an. Karin Roth, alleinerziehende Mutter aus Hitzendorf, gab im Interview einen Einblick in die stressige und kostenintensive Vorbereitungsarbeit.

Zeitlicher Aufwand

Einkaufsmarathons jagten Roth auf der Suche nach Schulutensilien für ihre Tochter Leona quer durch die Stadt. Die Liste der zu besorgenden Gegenstände hat sich seit Roths Kindheit stark verändert. "Meine Mutter meinte, dass sie damals viel kürzer gewesen sei, und die Utensilien waren grob definiert. Da stand Bleistift und sie kaufte einen Bleistift. Heute stehen verschiedenste Bezeichnungen dabei und ich musste oft lange suchen, bis ich das Angeforderte fand", schildert Roth die Schwierigkeiten, die sich beim Schuleinkauf auftaten. Schließlich teilte sie sich mit einer anderen Mutter die Einkaufsliste, um Zeit zu sparen. Ein System, welches das Besorgen der Schulausrüstung erleichtert, würde sie sehr willkommen heißen. "Lehrer könnten beispielsweise Utensilien selbst organisieren, von denen sie wissen, dass sie schwer erhältlich sind", schlägt Roth dazu vor.

Finanzieller Aufwand

Aber nicht nur der zeitliche Aufwand stellt eine Belastung dar. Die Kosten für die Ausstattung eines Taferlklasslers belaufen sich auf rund 300 Euro. Mehrere Kinder für die Schule zu rüsten, wäre für die alleinerziehende Mutter eine finanzielle Herausforderung. Obwohl Roth sich die Kosten mit ihrem Ex-Partner teilt, hat sie bereits Sparmaßnahmen getroffen. Ihre Leidenschaft, das Turnierreiten, hat sie längst für ihre Tochter aufgegeben. Als Mutter arbeitet sie nun nur noch 20 Stunden von Montag bis Donnerstag. "Die Zeit mit meiner Tochter ist mir wichtiger als Geld. Wir genießen unsere gemeinsamen Nachmittage sehr", resümiert Roth.

Unterstützung

Unlängst forderten KPÖ und FPÖ ein Schulpaket zur Unterstützung von Familien mit schulpflichtigen Kindern. "Alleine wäre es sehr schwierig für mich, die Kosten für den Schulstart aufzubringen", muss Roth eingestehen. Nicht nur für sie gestaltet sich die schulische Ausbildung ihrer Tochter als finanzielle Belastung. In der Steiermark sind rund 32.000 Minderjährige armutsgefährdet. Beinahe 8.000 davon leben unter der Armutsgefährdungsgrenze und beziehen Mindestsicherung. Daher haben Volkshilfe und Energie Steiermark eine Gutschein-Aktion gestartet, mit der sie bereits im Vorjahr den Eltern von 822 schulpflichtigen Kindern finanziell unter die Arme gegriffen haben.
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