Die Frage nach dem Warum

Über den Dächern von Graz: Die Landeshauptstadt ließ Thair Abud wie das Business-Outfit jetzt für längere Zeit hinter sich.
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Diagnose Krebs. Schock. Ohnmacht. Angst. Wut. Und immer wieder die quälende Frage nach dem Warum. Nicht nur die Betroffenen selbst werden aus ihrem alltäglichen Leben gerissen, auch für deren Angehörige ist plötzlich alles anders.
„Als die Ärzte bei meiner Schwester Brustkrebs diagnostiziert haben, hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, erzählt Thair Abud in seiner für ihn so typischen ruhigen, sachlichen Art. Der Grazer flog damals im Wochentakt zu ihr nach Deutschland. „Da hab ich miterlebt, wie meine Schwester neben mir regelrecht verfallen ist. Ich habe etwas tun müssen – für sie und natürlich auch für mich selbst.“ Dachte es, packte seine Sachen und begab sich auf den Jakobsweg – von Graz aus knapp 3.200 Kilometer nach Santiago de Compostela und dann noch 90 Kilometer ans Kap Finisterre. „Meine Schwester hat sich mit meinen Reiseführern und Plänen eingedeckt und mich dadurch begleitet – sie sagt, dass sie die Schmerzen so besser ertragen konnte.“
Schmerzen waren auch Abuds Begleiter auf seiner 101-tägigen Pilgerwanderung. „Es war bei Sterzing in Südtirol als ich richtig fertig war – ich habe Probleme mit meiner Archillessehne und Zerrungen im Oberschenkel gehabt. Dann hab ich zu mir gesagt, wenn ich es bis Santiago schaffe und meine Schwester gesund wird, gehe ich nach Mekka.“
Er schaffte es bis an den Atlantik und die Schwester besiegte die heimtückische Krankheit. Also war es am vergangenen Freitag so weit: Von seiner Wohnung in der Heinrichstraße machte sich der 49-Jährige auf nach Mekka. 8.150 Kilometer, zwölf Länder, 271 geschätzte Gehtage bei einem Tagespensum von 30 Kilometern – von der Mur in die Geburtsstadt des Propheten Mohammed.
Vier Mal musste Abud seine Reiseroute ob der Lage im Nahen Osten ändern. Syrien, Israel, der Irak – alles Tabuzonen. „Ich gehe jetzt über die türkische Schwarzmeerküste in den Iran und weiter nach Saudi Arabien.“ Im Gespräch am Schloßberg wurde Abud beim Gedanken an seine alte Heimat noch einmal nachdenklich. „Mein Vater ist Iraker – ich hab einen Teil meiner Jugend dort verbracht. Damals gab es keine Christen, Juden oder Moslems – wir waren alle Nachbarn, Freunde.“ Heutzutage unvorstellbar. Und da ist sie wieder – die quälende Frage nach dem Warum ...

Von Graz nach Mekka

Zur Person: Thair Abud wurde in Duisburg geboren, ist Sohn einer Deutschen und eines Irakers. Seit 1979 lebt er in Graz und ist längst auch österreichischer Staatsbürger.
Die Route: Abud startete am vergangenen Freitag in Graz. Bis zur Grenze nach Slowenien wurde er von einem Freund begleitet – anschließend geht es über Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Bulgarien, die Türkei (die Hälfte des Weges liegt beim Berg Ararat), dem Iran und Kuwait bis nach Saudi Arabien. Immer entlang alter Pilgerwege und prächtiger Moscheen (die erste wird er übrigens in den nächsten Tagen in Zagreb erreichen).
Zahlenspiele: 8.150 Kilometer, 12 Länder, 10 Sprachen, 271 Gehtage, 30 Kilometer pro Tag, 14 Kilo Gepäck, 6 Paar Wanderschuhe, 1 Zelt.
Kosten: Insgesamt sind für die Reise knapp 30.000 Euro (Übernachtungen, Ausrüstung und vor allem die teuren Visas) veranschlagt. Unterstützt wird Abud dabei von der Grazer Wechselseitigen und dem Bürgermeisteramt der Stadt Graz.

Autor:

Marcus Stoimaier aus Graz

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