Jördis Tornquist appelliert
Es braucht in Graz mehr Begegnungszonen!

Begegnungszonen mindern das Gefahrenpotential – das ist sich Architektin Jördis Tornquist sicher.
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Entschleunigung, mehr Rücksicht und verringertes Gefahrenpotential– das verspricht sich Jördis Tornquist von Begegnungszonen.

Als im Jahr 2011 der Grazer Sonnenfelsplatz zum "Shared Space" (Englisch für "geteilter Platz") wurde, waren auch die kritischen Stimmen laut. Aufgrund rechtlicher Einwände wurde das Projekt im April 2013 adaptiert und so entstand eine der ersten Begegnungszonen in Österreich, offiziell zumindest. "Ursprünglich waren auch Plätze in Dörfern ähnlich konzipiert, denn es gab keine Gehsteige. Fußgänger, Autofahrer und beispielsweise auch Kühe teilten sich die Straßen und nahmen aufeinander Rücksicht", erklärt die Architektin Jördis Tornquist.

Geschwindigkeit reduzieren

"Am wichtigsten ist es, in den Städten generell die Geschwindigkeit des motorisierten Individualverkehrs wieder etwas herauszunehmen", so Tornquist. Dabei mache bereits eine Reduktion um 10 km/h eine Stadt für Fußgänger und Radfahrer sicherer und auch wieder attraktiver. "Zudem belebt eine Entschleunigung die Geschäfte und man nimmt Vorgärten, Blumen und generell die Umgebung wieder wahr."

Orte der Begegnung

"Begegnungszonen machen vor allem dort Sinn, wo bereits eine gute Infrastruktur mit Supermärkten, Ärzten, Gastronomie und Bushaltestellen vorhanden ist", erklärt Tornquist und ergänzt: "Es gibt diese Orte in Graz, die eigentlich wie kleine Dorfplätze sind. Durch die Einrichtung einer Begegnungszone, die den schwächeren Verkehrsteilnehmern gegenüber den stärkeren den Vorrang gewährt, können diese Orte so aufgewertet werden, dass sich Menschen dort sicherer fühlen, einander gerne treffen, verweilen und plaudern." Welche Orte in Graz sich als Begegnungszone eignen würden, kann die Architektin auf die Schnelle nicht sagen: "Das können Planer nicht bestimmen, da muss man die Bevölkerung befragen."

Als Beispiel nennt Tornquist die Gegend rund um den Spar-Markt in der Humboldtstraße. "Bei einem Mobilitätstreffen im Grätzeltreff vor zwei Wochen haben wir den Wunsch nach einer Begegnungszone dort, den das Kinderbüro bereits vor zwei Jahren formuliert hat, wieder aufgegriffen. In diesem Bereich gibt es zwei Supermärkte, eine Schule, einen Frisör und ein Kaffeehaus. Durch die stark belasteten Verkehrsachsen in der näheren Umgebung kommt es dort zu Umgehungsverkehr. Das birgt für die Kinder, die von der Schule kommen, große Gefahren", betont sie. Zudem gibt Tornquist zu bedenken, dass Begegnungszonen nachgewiesen sicherer sind. "Das lässt sich auch mit dem sogenannten ,Safety Paradox' begründen", erklärt die Architektin. Ein gewisses Maß an Unsicherheit steigere die Aufmerksamkeit und Menschen achten besser aufeinander. Das wiederum erhöhe die Sicherheit für alle innerhalb von Bewegungszonen.

Schreiben Sie uns

Was sagen Sie zu diesem Vorschlag? Welche Erfahrungen haben Sie mit Begegnungszonen in Graz oder anderen Städten gemacht? Tragen sie auch wirklich zur Verkehrsberuhigung bei? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an leserbrief@woche.at, per Post an die "WOCHE Graz", Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz, posten Sie online auf www.meinbezirk.at/graz oder auf www.facebook.com/wochegraz.

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Verkehrsberuhigender Trend auch in Wien beliebt

In der österreichischen Landeshauptstadt gibt es derzeit sieben Begegnungszonen, die bekannteste ist wohl jene in der Mariahilfer Straße. Als der Umbau der beliebten Wiener Einkaufsstraße im Jahr 2015 begann, war die Diskussion groß. Doch das Konzept erfreute sich immer größerer Beliebtheit, vor allem auch die Geschäfte profitierten davon. So findet derzeit rund um die Mariahilfer Straße, genauer gesagt zwischen der Mariahilfer Straße und der Schmalzhofgasse sowie in der Neubaugasse und der Zollergasse, ein Umbau zu Begegnungszonen statt.
Neben der Mariahilfer Straße gibt es derzeit sechs weitere Begegnungszonen in Wien, nämlich die Herrengasse, die Schelleingasse (4. Bezirk), die Wehrgasse (5. Bezirk), die Lange Gasse (8. Bezirk), die Reschgasse (12. Bezirk) und die Probusgasse (19. Bezirk).
Vor allem in beliebten Straßen und Einkaufsgegenden sehen die Wiener Planer einen großen Vorteil in Begegnungszonen. Man darf gespannt sein, wie sich das verkehrsberuhigende Konzept in Zukunft nicht nur in der österreichischen Hauptstadt, sondern auch in Graz durchsetzt.

Begegnungszonen mindern das Gefahrenpotential – das ist sich Architektin Jördis Tornquist sicher.
Autor:

Anna-Maria Riemer aus Graz

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