Fünf Jahre Männernotruf
Manns genug, um anzurufen: Interview mit Männernotruf-Obmann Eduard Hamedl
- Wenn ein Gespräch Wunder wirken kann: Männernotruf-Obmann Edi Hamedl und Assistentin Erika Hausberger zogen Bilanz.
- Foto: Martin Janderka
- hochgeladen von Christoph Hofer
Mit der Installierung des einzigartigen Männernotrufs konnte von Graz aus in der Steiermark und darüber hinaus zahlreichen Männern in persönlichen Krisensituationen geholfen werden. Anlässlich des fünfjährigen Bestehens hat die WOCHE den Initiator des Vereins und der Hotline, Eduard Hamedl, zu einem Bilanzgespräch getroffen.
WOCHE: Welche Überlegungen haben dazu geführt, die Männernotruf-Hotline 0800/246 247 ins Leben zu rufen?
Eduard Hamedl: Die steigenden Zahlen bei Bedrohungen von Leib und Leben in Beziehungen haben mich alarmiert. Männer sind von Grund auf natürlich keine Gewalttäter, wenn es aber Gewalt in der Familie gibt, werden die Taten zu 90 Prozent von Männern verübt. Oft fehlt dann einfach jemand zum Reden, genau da setzt der Männernotruf an.
Aufgrund welcher Themen rufen Männer an?
Zunächst muss gesagt werden, dass der Großteil der Anrufer natürlich männlich ist, es rufen aber auch Frauen an. In den meisten Fällen geht es um klassische Alltagsprobleme. Die Bandbreite reicht von Beziehungsproblemen, Einsamkeit, Generationenkonflikte, Arbeitslosigkeit, über das Loch, das ein verstorbener Partner aufreißt bis hin zu Suizidgedanken. In Summe konnten wir bereits 15 Menschen, die akut drohten, sich das Leben zu nehmen, retten. Im Normalfall wird die Polizei von uns aber nicht verständigt.
Wie viele Anrufe konnten seit Beginn verzeichnet werden?
Es waren über 8.200 seit 2013. Davor gab es Angebote, wie Hilfe und Beratung, ausschließlich für Frauen. Die hohe Zahl der Anrufe zeigt aber, dass die Einrichtung einer Hotline, an die sich Männer vertrauensvoll wenden können, auf jeden Fall richtig war.
Das Angebot gilt für die ganze Steiermark?
Und darüber hinaus. Wir sind noch immer die einzige vergleichbare Einrichtung im gesamten Land. Daher erreichen uns Anrufe aus allen Bundesländern, teilweise sogar aus Bayern und Südtirol.
Gibt es eigentlich Zeiten, zu denen mehr Leute anrufen?
Im Allgemeinen zeigt sich, dass die Hotline am Wochenende stärker nachgefragt wird. Auch nach der Dienstzeit erreichen uns viele Anrufe. Jetzt kommt mit Weihnachten ohnehin wieder eine emotional aufgeladene Zeit, wenn die Vorstellung einer heilen Familienwelt nicht mit der Realität Schritt hält.
Wie viele helfende Hände haben Sie im Verein?
Wir haben mit 25 Personen begonnen, heute sind wir 33 Männer und eine Frau. Alle wurden aufgrund ihrer Persönlichkeit und Fähigkeit als Mitarbeiter aufgenommen und sind Psychologen, Lebensberater, Coaches, Trainer, Sozialarbeiter, Polizeiverhandler etc. Man darf das ja nicht unterschätzen: Ein Dienst dauert in der Regel 24 Stunden, alles auf ehrenamtlicher Basis.
Wie finanzieren Sie sich?
Die Unterstützung teilt sich auf Land, Stadt Graz und einem geringen Bundesanteil auf.
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