Mobilitätsexpertin Marie-Thérèse Fallast fordert: Mehr Rad- und Fußwege statt Parkplätze für Graz!

Viele Ideen für den Grazer Verkehr: Marie-Thérèse Fallast
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Graz ist die steirische Stadt mit dem größten Anteil an Radfahrern und das Radverkehrsnetz umfasst 120 Kilometer. In der Murmetropole gibt es genügend Problemstellen, an denen gerade zwischen Radfahrern und Fußgängern Konfliktpotenzial herrscht, weil sie sich den Platz für Rad- und Gehwege teilen müssen. Dazu kommen weitere Herausforderungen: Die schnellen Elektrofahrräder sowie die sehr breiten Lastenräder, die viel Platz am Fuß-/Radweg einnehmen.

Eigene E-Bike-Radwege

Mobilitätsexpertin Marie-Thérése Fallast vom Ingenieursbüro Planum für Verkehrs-, Raum- und Umweltplanung erklärt: "Ein Platzproblem herrscht an Abschnitten des Radwegs entlang der Conrad-von-Hötzendorf-Straße, wo Rad- und Gehweg verschmelzen oder auch an Ecken des Griesplatzes." Fallast meint, dass Fußgänger und Radfahrer natürlich aufeinander achtgeben müssen, "aber gerade für E-Bikes sollten aufgrund ihrer Geschwindigkeit eigene Radwege gebaut werden, ansonsten gibt es einfach ein zu hohes Gefahrenpotenzial."

Fußgänger nicht einschränken

Laut Fallast wäre es trotz des Platzmangels ein Fehler, den Raum für Radfahrer von den Fußgängern wegzunehmen, stattdessen würde sie am Autoverkehr ansetzen: "In der Technikerstraße vom Café Tribeka weg gibt es einen Gehsteig, auf dem auch noch Räder abgestellt werden, und daneben einen extrem schmalen Radweg – aber dafür zwei Spuren für Autoparkplätze. Und das direkt neben der Uni, an die täglich hunderte Studenten mit dem Rad kommen." Als Vorbild in Radverkehrsfragen könnte Kopenhagen dienen. "Dort werden großzügige Radwege in den normalen Straßenverkehr integriert. In den nordischen Ländern oder auch in den Niederlanden hat Radfahren einfach eine höhere Priorität", sagt Fallast.

Bewusst gestalten

Die Expertin betont, dass es anstelle von Verboten oft geeignetere Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation gäbe. "Durch einfache Gestaltungsmaßnahmen wie einem anderen Untergrund für den Rad- und Gehbereich kann man schon viel steuern. Radfahrer wählen automatisch Asphalt, während es Fußgängern egal ist, ob der Gehweg beispielsweise gepflastert ist. So könnte man gemeinsame Fuß- und Radwege optisch trennen."
Zusätzlich zu den nötigen Veränderungen in der Verkehrsplanung seien laut Fallast auch bewusstseinsbildende Maßnahmen notwendig. "Fußgänger und Radfahrer sind gut für jedes Stadtbild und die Belebung der Stadt, aber natürlich muss man auch aufeinander Rücksicht nehmen. Und wenn Wege umgestaltet werden, muss man darauf aufmerksam machen."

Woche-Wissen:
Das Straßennetz in Graz hat eine Länge von insgesamt 1.215 Kilometern. Das Radverkehrsnetz nimmt dabei rund 123 Kilometer ein. Am häufigsten fahren in Graz die 16- bis 35-Jährigen mit dem Rad von und zu ihrer Ausbildungsstätte (22 Prozent), also zur Schule, FH oder Universität. Frauen und Männer nutzen Ihr Rad in Graz gleichermaßen. Jeder zweite Grazer besitzt ein Rad.

In Amsterdam gibt es mehr Fahrräder als Einwohner

Amsterdam gilt als die Fahrradhauptstadt Europas. Während in Graz jeder zweite Bürger ein Fahrrad besitzt, sind es in der niederländischen Hauptstadt mehr Fahrräder als Einwohner und rund 60 Prozent der Amsterdamer benutzen ihr Fahrrad täglich. Die Stadtregierung versucht beständig neue Maßnahmen für den Radverkehr zu setzen, in den kommenden Jahren sollen 200 Millionen Euro in die Fahrradfreundlichkeit investiert werden. In den letzten 20 Jahren ist der Anteil der Radfahrer in Amsterdam deswegen auch um rund 40 Prozent gestiegen.

Schreiben Sie uns:
Sie haben Ideen, wie man das "Zusammenleben" zwischen Radfahrern und Fußgängern in Graz verbessern könnte? Was halten Sie von den Ansätzen der Expertin? Schreiben Sie uns Ihre Meinung, Konzepte und Gedanken per E-Mail an leserbrief@woche.at, per Post an die "WOCHE Graz", Gadollaplatz 1, 8010 Graz, oder posten Sie auf unserer Website www.meinbezirk.at/graz oder auf unserer Facebook-Seite.

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In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam bestimmen Fahrräder und nicht Autos das Stadtbild.

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