Hintergründe
Steirische Politiker – von ganz unten an die Spitze des Landes

Vom obersteirischen Holzknecht an die Seite der Queen: Josef Krainer sen. beim Staatsbesuch in Graz.
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  • Vom obersteirischen Holzknecht an die Seite der Queen: Josef Krainer sen. beim Staatsbesuch in Graz.
  • Foto: Archiv Steirische Volkspartei
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Josef Krainer sen., Franz Wegart, Franz Voves, Elke Kahr und viele andere – sie alle eint eines: Sie hatten es am Beginn ihres Lebens sehr schwer ...

Von goldenen Löffeln, Staatsbanketten und Treffen mit Königinnen war er sehr, sehr weit weg, der Josef Krainer sen., als er 1903 in einer ärmlichen Bauernfamilie in St. Lorenzen bei Scheifling auf die Welt gekommen ist. Als Holzknecht verdiente er sich sein Brot hart – und hat es dennoch – oder gerade auch deswegen – bis zum Landeshauptmann der Steiermark gebracht, zu Staatsbanketten und 1969 auch zu oben zitierten Treffen mit Queen Elizabeth in Graz.
Der "lärchene Stipfl", wie er genannt wurde, ist leuchtendes Beispiel für die Politik-Karriere von ganz unten bis an die Spitze – aber spannenderweise nur eines von vielen, immer wieder hat es Menschen mit sozial schwierigen Anfängen in die Politik gedrängt. Ganz aktuell gilt das etwa für die neue Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr, die in einem der sozialen Brennpunkte von Graz, der Triestersiedlung, aufgewachsen ist.

Von der Arbeitersiedlung in die Grazer Burg

Aber auch der vorletzte steirische Landeshauptmann Franz Voves war nicht gerade auf Rosen gebettet: In der Arbeitersiedlung des Puch-Werks (heute: Magna, Anm. der Red.) am Dieselweg verbrachte er  eine schwierige und trotzdem "glückliche Kindheit", wie er immer wieder betonte. Ebenso wie seine Dankbarkeit gegenüber einem System in Österreich, das dem "Arbeiterkind" ein Studium ermöglichte.

Aus der Arbeitersiedlung an die Landesspitze: der SPÖ-Politiker Franz Voves.
  • Aus der Arbeitersiedlung an die Landesspitze: der SPÖ-Politiker Franz Voves.
  • Foto: Philipp
  • hochgeladen von Roland Reischl

Der aktuelle Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl kann dazu ebenfalls (s)eine ungewöhnliche Geschichte erzählen. Ein kleiner Bauernhof ("zum Leben zuwenig, zum Sterben zuviel ...") war die Heimstätte seiner Kindheit. Damals haben ihn vor allem seine Eltern beeindurckt: "Obwohl sie nichts hatten, haben sie Menschen, die zu Besuch kamen, immer etwas abgegeben." So habe er das schon in der Schule gelebt, das Pausenbrot mit jenen geteilt, die noch weniger hatten. "Und auch im Beruf habe ich schnell gesehen, dass oft die Schwächeren zurückgelassen werden." Und ja: "Ich habe früh gelernt, dass ein Miteinander, ein Füreinander einstehen, das Leben für viele besser macht."

Hermann Schützenhöfer, der mit vielen der oben zitierten Politiker ein Stück des Weges gegangen ist, sagt über die Zusammenhänge: "Ich denke schon, dass man ein Gefühl für die sozial Schwächeren entwickelt, wenn man so etwas selbst erlebt hat." Und spricht in diesem Zusammenhang von seinem Mentor, dem ehemaligen ÖVP-Landesrat Franz Wegart: "Er ist bettelarm bei seiner Oma in Radkersburg aufgewachsen, die Grundschule war die einzige Bildung, die er genießen durfte." Die Not, die er in dieser Zeit kennenlernte, hat ihn zeitlebens begleitet. "Er hat immer Angst vor Kälte und vor Hunger gehabt, Angst, dass es wieder einmal schlimmer werden könnte", erzählt Schützenhöfer. Was unter anderem dazu führte, dass er bei Empfängen "sicherheitshalber" Brot für zuhause einpackte oder bei den ersten Schneeflocken am Himmel die Heizung im Dienstauto aufs Maximum aufdrehte ...
"Mir ist es ja unvergleichlich besser gegangen, obwohl auch meine Mutter jeden Schilling drei Mal umdrehte, bevor sie die Hälfte davon ausgab." Dennoch habe ihn diese harte Zeit geprägt, die christliche Soziallehre sei deshalb zu seinem politischen Leitmotiv geworden. Eine Erdung, die Politik menschlicher macht. Oder wie es der "alte" Krainer formuliert hat: "Vergiss die kleinen Leute nicht."

Und hier geht's zum Podcast über Josef Krainer sen.: ÖVP-Podcast

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