Corona-Auswirkungen
Firmenpleiten in der Steiermark um 55 Prozent gesunken

Rückgang bei Insolvenzen in der Steiermark – doch die Pleitewelle droht im Herbst.
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  • Rückgang bei Insolvenzen in der Steiermark – doch die Pleitewelle droht im Herbst.
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Es klingt gut, ist aber leider keinerlei Anlass zur Beruhigung: Laut der offiziellen Statistik des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 55 Prozent gesunken. In absoluten Zahlen: In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurde über 50 steirische Firmen das Insolvenzverfahren eröffnet, außerdem kam es – mangels kostendeckendem Vermögen – zu 23 nicht eröffneten Insolvenzverfahren, insgesamt schlitterten also 73 Unternehmen in die Pleite.
Geprägt ist das steirische Insolvenzgeschehen weiterhin von Klein- und Mittelbetrieben aus dem Bereich der Bauwirtschaft, der Gastronomie und den unternehmensbezogenen Dienstleistungen. 293 Dienstnehmer sind von den Pleiten betroffen, (minus 67 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020). Ähnlich ist es auf Gläubigerseite: 770 betroffene Gläubiger bedeuten ein Minus von 40 Prozent.

"Volkswirtschaftlicher Schaden wird groß"

Die Lage ist trotz Rückgang prekär, Grund sind die zahlreichen künstlichen Eingriffe in ein an sich gut funktionierendes Insolvenzwesen. Eines sei klar: „Je länger in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen künstlich am Leben erhalten werden, desto größer wird der gesamte volkswirtschaftliche Schaden sein. Am Ende werden wir vermehrt Insolvenzen erleben, deren Sanierung unmöglich ist, da diese Firmen über keine werthaltigen Aktiva mehr verfügen werden“, erklärt dazu René Jonke, Leiter des KSV am Standort Graz.
Zum Vergleich innerhalb Österreichs: Österreichweit sind die Insolvenzen um 59 Prozent gesunken, im Burgenland (39 Prozent), Salzburg (50 Prozent) und Wien (54 Prozent) sind die Rückgänge geringer als in der Steiermark.

Skeptisch: René Jonke (KSV1870) warnt vor den künstlichen Eingriffen in das Insolvenzwesen.
  • Skeptisch: René Jonke (KSV1870) warnt vor den künstlichen Eingriffen in das Insolvenzwesen.
  • Foto: Furgler
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Leichter Rückgang bei Privatkonkursen

Auch bei den Privatkonkursen gibt es im ersten Quartal 2021 einen leichten Rückgang: 182 Verfahren wurden in der Steiermark eröffnet, das sind um 11 Prozent weniger als im Vorjahr. Der dadurch verursachte Schaden beläuft sich auf 24 Millionen Euro, ein Minus von 4 Prozent gegenüber 2020. Die durchschnittliche Einzelverschuldung ist um 10.000 Euro auf rund 132.000 Euro angestiegen.
In den einzelnen Bundesländern gibt es teils gravierende Unterschiede. Mit minus 37,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2020 hat Salzburg den deutlichsten Rückgang zu verzeichnen, gefolgt von Tirol (-25,8 Prozent) und Niederösterreich (-19,6 Prozent). Dem gegenüber steht Vorarlberg mit einem deutlichen Plus von 30,9 Prozent, das Burgenland mit plus 6,7 Prozent sowie Kärnten mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent. Die Steiermark liegt mit einem Rückgang von 11,2 % leicht über dem Bundestrend.
Ein seriöser Ausblick auf das gesamte Jahr 2021 sei heute nicht möglich. Allenfalls ein Ausblick auf die nächsten 3 bis 4 Monate: „Wir erwarten im 2. Quartal 2021 einen Rückgang bei den Eröffnungen, da Schuldner und ihrer Berater, die auf die vollständige Umsetzung der angekündigten Novellierung des Privatkonkurses hoffen, bei der Antragstellung zögern“, fasst Jonke zusammen.

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