21.10.2014, 12:46 Uhr

Wenn die Schwiegereltern "schwierig" sind…

Wie die Beziehung zu den Eltern Ihres Partners gelingt. Der Psychologe hat ein paar Tipps.

Eltern hängen immer an ihren Kindern – das ist normalerweise so, egal, wie alt sie sind: Der Beschützerinstinkt ist präsent, erst recht, wenn ein Partner ins Leben des Kindes tritt. Kinder der Kinder, also Enkel, kommen da oft gerade recht: Man kann als Schwiegeropa oder Schwiegeroma vielleicht das nachholen, was man beim eigenen Kind versäumt hat – man gibt gute Ratschläge und will einfach dabei sein.
Für Paare ist es wichtig, dass das „Projekt“ Schwiegerelten“ gelingt, schon vor der Hochzeit. Das braucht Zeit, Respekt und Anerkennung. Sinnvoll ist es, die Sache so zu betrachten: Der neue Partner ist der letzte, der in das Leben der bisherigen Familie tritt. Daher kann es hilfreich sein, respektvoll um Erlaubnis zu fragen, ob man in das „Territorium“ eintreten darf.
Es gibt Wege, wie das „Projekt Schwiegereltern“ sicher nicht gelingt: Wenn Sie Ihren Partner aus den Klauen der unmenschlichen Eltern befreien wollen. Diese Idee entsteht oft, wenn er oder sie ungelöste Probleme mit den Eltern hat. Hier können Sie viel für Ihren Partner tun, ihn stützen. Dabei ist es aber wichtig, sich nie gegen die Eltern zu stellen. Geringschätzung oder Konfrontation bringen auch wenig, wenn Ihr Partner übermäßig stark an die eigene Familie gebunden ist. Entscheidend ist: Geduld und Wertschätzung.
Das heißt aber nicht, dass Sie devot alles befolgen sollen, was die Schwiegereltern von Ihnen wollen, um Ihnen genehm zu sein. Was Sie brauchen, ist eine sogenannte „Wir-Haltung“: „Wir beide, Mann und Frau, haben uns für unseren gemeinsamen Weg entschieden und bitten euch um Unterstützung.“ Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist völlig klar: Die Erziehung liegt immer bei Ihnen beiden als Eltern.
Was aber, wenn die Schwiegereltern etwas ganz anderes wollen? In der Regel helfen Akzeptanz, Dankbarkeit, aber auch freundliche, konstruktive Abgrenzung. Etwa: „Wir schätzen es sehr, dass Ihr auf unsere Kleine aufpasst.“ Dabei sagen Sie auch klar: „Wir wollen nicht, dass sie nach dem Zähneputzen noch Süßigkeiten bekommt.“

So gelingt ein gutes Verhältnis
1) Die Beziehung zu Ihren Schwiegereltern braucht Zeit: Nehmen Sie sich Zeit für Begegnung und auch Auseinandersetzung.
2) Nähern Sie sich Ihren Schwiegereltern mit Wertschätzung. Zeigen Sie Akzeptanz. Dies zu signalisieren öffnet immer die Türen.
3) Grenzen Sie sich ab, wenn Ihnen etwa zu viel ist: Etwa ständig in der Liegenschaft der Schwiegerelten mitzuhelfen. Machen Sie daraus aber keinen Machtkampf, sagen Sie es einfach klar.
4) Bauen Sie eine „Wir-Haltung“ als Paar und als Eltern des Kindes auf.
5) Vermeiden Sie offene Diskreditierung und Abwertung auch wenn es schwierig wird. Ignorieren oder mit steinerner Miene „mauern“ hilft eigentlich auch nie.
6) Reagieren Sie bei Konflikten nicht vorschnell, sondern erst nach einer kleineren Verzögerung.
7) Haben Sie kleine Gesten der Aufmerksamkeit für Ihre Schwiegereltern übrig: Eine kleine Einladung, eine Lieblingsmehlspeise, …
8) Etablieren Sie regelmäßige Rituale und Treffen. So können Sie sich gegenseitig in die Pflicht nehmen und etwas Gemeinsames, Bereicherndes erleben.


DER EXPERTE

Dr. Philip Streit ist Psychologe, Psychotherapeut und Lebens- und Sozialberater.
Seit 20 Jahren leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
Jede Woche beantwortet er in der „WOCHE“ eine Frage
rund um die Themen Erziehung und Beziehung.
Ihre Anregungen und Fragen können Sie per E-Mail an die Redaktion schicken:
elisabeth.poetler@woche.at
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