25.10.2017, 07:00 Uhr

"Gefragte Frauen" mit Angelika Vauti-Scheucher: Durch Dialog zum Erfolg

Vorbild- und Hebelwirkung: Angelika Vauti-Scheucher setzt sich für Menschenrechte ein, betont, dass Menschenrechte unteilbar sind, und appelliert für aktive Mitgestaltung aller Grazer. (Foto: Jorj Konstantinov)

Den Menschen verpflichtet: Angelika Vauti-Scheucher ist seit Juni Vorsitzende des Menschenrechtsbeirats.

13 Jahre Leiterin des Afro-Asiatischen Instituts, Initiatorin des Multikulti-Balls, acht Jahre Geschäftsführerin der "Kulturservice GmbH", seit 2016 Leiterin der Stabsstelle "Inklusion und Partizipation" am Universalmuseum Joanneum, zudem selbst Trägerin des Menschenrechtspreises des Landes Steiermark und seit Juni 2017 Vorsitzende des Menschenrechtsbeirats der Stadt Graz. Angelika Vauti-Scheucher über Menschenrechte und die Verpflichtung eines jeden Einzelnen.

WOCHE: Wie kam es zu Ihrem Engagement für Menschenrechte und die Rechte von Menschen mit Benachteiligung?
Angelika Vauti-Scheucher: Ich wuchs im südlichen Kärnten auf, wo in den 70er-Jahren heftige politische Diskussionen über die slowenischen Minderheiten an der politischen Tagesordnung standen. Bereits in dieser Frage habe ich gelernt, was es bedeutet, den Weg des Dialogs zu wählen, nicht zu polarisieren oder auszugrenzen. Weiters hat mich das positive Menschenbild, das mir in der Familie vermittelt wurde, geprägt.

Sie waren die erste Frau, die im Jahr 1994 einem Afro-Asiatischen Institut vorstand. Wie blicken Sie darauf zurück?
Es war eine spannende und herausfordernde Aufgabe. Ich hatte Respekt vor der Tätigkeit, musste mir aber auch Respekt erarbeiten. Denn in vielen Weltregionen ist es noch nicht selbstverständlich, dass eine Frau in einer Führungsrolle akzeptiert wird. Aber ich ließ mich nicht entmutigen, und die Arbeit hat mir gezeigt, wie Menschen Feuer fangen und sich für Projekte begeistern können. Der Multikulti-Ball ist so ein Beispiel.

Sie waren auch Koordinatorin des Interreligiösen Beirats in Graz ...
Ja, dieser Beirat ist ein wichtiges Gremium aller anerkannten Religionsgemeinschaften in Graz. Ich bin stolz, dass sich durch dieses Gremium ein sehr guter Austausch auf Augenhöhe mit den religiösen Vertretern ergeben hat. Denn es ist essenziell, kontinuierlich im Gespräch zu bleiben und im Anlassfall Lösungen für schwierige Situationen zu finden.

Der Menschenrechtsbeirat hat eine Monitoring-Funktion und gibt Empfehlungen an die Regierenden. Wie kann man sich das vorstellen?
Wichtig ist zu betonen, dass es dabei immer um Beurteilungen und nicht um Verurteilungen geht. Ich war bereits in mehreren Kommissionen tätig, und Ziel war es immer, eine kritische Beobachtung der Einhaltung von Menschenrechten zu evaluieren und Lösungsvorschläge in einem fairen, aber fordernden Gespräch zu erarbeiten. Eine bestimmte Institution oder Person an den Pranger zu stellen, bringt niemandem etwas. Ich wähle immer den Weg des konstruktiven Dialogs.

Was ist die Aufgabe der Stabsstelle für Inklusion und Partizipation am Universalmuseum Joanneum, die Sie nun leiten?

Es ist eine Schnittstelle zwischen Sozialem und Kultur, die das Museum stärker als Ort des sozialen Geschehens etablieren soll. Wir wollen eine breitere kulturelle Teilhabe schaffen und erarbeiten gemeinsam mit Institutionen und Einrichtungen Formate, die an die Lebensrealität von Menschen anschließen. Dazu gehören natürlich auch Menschen mit Demenz oder psychisch Erkrankte.

Welches Zeugnis stellen Sie der Stadt Graz in puncto Menschenrechte aus?
Graz hat sich 2001 als erste Stadt Europas zur Einhaltung von Menschenrechten verpflichtet. Das hat eine große Vorbildfunktion, ist aber auch Selbstverpflichtung. Bei uns ist auch der Anteil der Ehrenamtlichen beispielhaft, wie etwa beim Krisenmanagement nach der Amokfahrt oder im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015. Dennoch gibt es in Zukunft viel zu tun.

Was kann jeder von uns in der Hinsicht unternehmen?
Wir leben in einem Umfeld, wo wir aufeinander Acht geben sollten. Nicht wegschauen, das Wort ergreifen und Hilfestellungen sind Mittel, mit denen wir viel bewegen können. Wenn wir mit Sensibilität, unverstelltem Blick und Zivilcourage durchs Leben gehen, gelingt das gesellschaftliche Miteinander.

WOCHE-WORDRAP

An Menschen schätze ich ... Ehrlichkeit und Sensibilität.
Kunst ist für mich ... ein wichtiges Nahrungsmittel.
An Graz mag ich ... die Weltoffenheit und das Kulturleben.

STECKBRIEF


Geboren am 20. Juni 1964
Studium der Anglistik/Amerikanistik und Germanistik in Graz
1994 bis 2007: Leiterin des Afro-Asiatischen Instituts
2007 bis 2016: Geschäftsführerin der "Kulturservice GmbH"
Seit 2016: Leiterin Stabsstelle "Inklusion und Partizipation"
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