24.09.2014, 04:00 Uhr

"Wir müssen die Grazer Einfahrtsstraßen attraktiver machen!", fordert Markus Bogensberger

Markus Bogensberger vom Haus der Architektur wünscht sich eine Umgestaltung der Grazer Einfahrtsstraßen. (Foto: Thomas Raggam)

Die Zufahrtsstraßen in Graz präsentieren sich mit ideenloser Architektur und fehlenden Konzepten.

Stellen Sie sich vor, Sie waren noch nie in Graz, einer ehemaligen Kulturhauptstadt Europas, deren Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde. Doch egal, aus welcher Himmelsrichtung Sie anreisen – davon werden Sie erst einmal nichts zu sehen bekommen. Vielmehr erwarten Sie unattraktive Einfahrtstraßen, gespickt mit einem Wildwuchs aus hässlichen Nutzbauten und Betrieben aus dem Rotlicht-Milieu.
"Die Zufahrtsstraßen sind das erste, was Besucher sehen und die Visitenkarte der Stadt, werden aber total vernachlässigt", kennt Markus Bogensberger, Geschäftsführer des Grazer Hauses der Architektur (HDA), das Problem.

Potenzial ist vorhanden
Dabei gebe es durchaus Potenzial, ist der Architekt überzeugt und nennt die Plüddemanngasse: "Dort stehen Tankstellen und Supermärkte und es schaut aus wie ein Gewerbegebiet. Man nimmt die Straße gar nicht als Teil der Stadt wahr, sondern erlebt sie als reine Transitroute. Dabei wäre es eine tolle, zentrale Wohnlage." Ähnliches gilt laut Bogensberger etwa auch für die Kärntnerstraße oder die Conrad-von-Hötzendorf-Straße. "In den nächsten 20 Jahren leben 30.000 Leute mehr in Graz, für die Wohnbau gemacht werden muss. Das ist eine einmalige Chance", sieht der Experte auch die Notwendigkeit, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen.

Höher bauen

Dafür müsste aber bereits jetzt ein Plan entstehen der zeigt, wie sich die Stadt entwickeln soll. Bogensberger plädiert dafür, zu verdichten und höher zu bauen, ohne dabei auf die Lebensqualität zu vergessen: "Es geht darum, keine Legebatterien zu errichten, sondern hochwertigen Lebensraum zu schaffen. Parkplätze könnten unter die Erde verlegt werden, um Platz für Grünflächen zu schaffen", weiß der Architekt. "Das Wichtigste ist, dass ich mich auch als Fußgänger wohlfühle – dann funktioniert eine Gegend. Am Opernring fahren auch viele Autos und trotzdem hält man sich dort gerne auf." Mehr zum Thema finden Sie rechts.

Probleme und mögliche Lösungen


Markus Bogensberger, Geschäftsführer des Grazer „Haus der Architektur“, setzt sich weiter oben für eine Verschönerung unserer Stadt ein und fordert: „Wir müssen die Grazer Einfahrtsstraßen attraktiver machen.“

Die größten Probleme der Zufahrtsstraßen sind schlecht genutzte Flächen und die totale Dominanz des Verkehrs.Bogensberger würde sich deshalb wünschen, jetzt einen Plan zu entwickeln, der vorgibt, in welche Richtung sich die Straßen entwickeln sollen.

Da Graz in den nächsten 20 Jahren einen Zustrom von 30.000 Menschen erleben wird, muss vor allem verdichtet werden: „Ein Supermarkt kann im Erdgeschoss eines fünfstöckigen Hauses untergebracht sein und muss nicht wie jetzt alleine stehen“, nennt Bogensberger ein Beispiel. Gleichzeitig könnten neue Freiflächen entstehen, indem etwa mehr Parkgaragen gebaut, und Grünflächen auf Dächern angelegt werden.


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