Anfrage der Grünen Steiermark
Nach Asbestfunden, Land sieht "keine Gefährdung der Bevölkerung"
- Bei Proben aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld wurde ein Asbestanteil von über 50 Prozent nachgewiesen.
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Nachdem Greenpeace im Februar auch in der Steiermark erhöhte Asbestwerte gemeldet hatte, nahm der politische Druck auf Umweltlandesrat Hannes Amesbauer zu. Die Grünen werfen dem Land mangelnde Vorsorge und fehlende Transparenz vor – insbesondere bei der Frage, wohin möglicherweise belastetes Material aus burgenländischen Steinbrüchen geliefert wurde. In einer Anfragebeantwortung weist Amesbauer die Kritik zurück und verweist unter anderem darauf, dass nach derzeitigem Stand keine Gefährdung der Bevölkerung vorliege.
STEIERMARK. Vor rund vier Monaten hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace die ersten Asbestfunde im Südburgenland publik gemacht. Mitte Februar erreichte die Causa schließlich auch die Steiermark. Bei Proben aus Hartberg und Neudau im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld wurden laut Greenpeace erhöhte Asbestwerte festgestellt. Auch aus zwei obersteirischen Steinbrüchen wurden Proben entnommen, die Konzentration lag dort jedoch unter den Grenzwerten. Greenpeace empfahl dennoch, die betroffenen Steinbrüche großflächig zu überprüfen.
Grüne pochen auf Vorsorge-Prinzip und Transparenz
Seit Bekanntwerden der ersten Asbestfunde im Südburgenland pochen die Grünen in der Steiermark auf eine politische Konsequenzen. „Es geht um Vorsorge. Wenn an Orten, an denen täglich Menschen unterwegs sind, stark belastetes Material liegt, braucht es Maßnahmen und Transparenz“, erklärte Kontrollsprecher Lambert Schönleitner bereits im Februar.
- Für Grünen-Kontrollsprecher Lambert Schönleitner geht es vor allem um Vorsorge und Transparenz.
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Ende März brachten die Grünen schließlich eine schriftliche Anfrage an Umweltlandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) ein. Unter dem Titel „Wie reagiert die Landesregierung auf die Asbestgefahr? Gesundheitsschutz statt NGO-Bashing!“ wollten die Abgeordneten unter anderem wissen, welche konkreten Schritte das Land seit Bekanntwerden möglicher Belastungen gesetzt hat, ob Steinbrüche und Lieferketten überprüft wurden und welche Erkenntnisse zu belastetem Material in der Steiermark vorliegen.
Land sieht „keine Gefährdung“
In seiner Anfragebeantwortung, die MeinBezirk vorliegt, weist Amesbauer den Vorwurf unzureichender Reaktionen zurück. Das Land habe die Thematik „selbstverständlich sehr ernst genommen“, sehe derzeit jedoch „keine Gefährdung jeglicher Art für die Bevölkerung“. Laut Land wurde die Landesregierung durch Medienberichte auf mögliche Asbestbelastungen aufmerksam. In der Folge habe es Gespräche mit der Abteilung 13, der Abteilung 15, der Bezirkshauptmannschaft Hartberg-Fürstenfeld sowie den Gemeinden Neudau und Hartberg geführt worden. Auch mit der burgenländischen Task Force habe es Austausch gegeben.
- Asbest-Causa: Landesrat Hannes Amesbauer erklärt, dass "nach dem derzeitigen Stand keine Gefährdung der Bevölkerung" vorliege.
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Bei einer „umfassenden Erörterung“ am 24. Februar 2026 mit mehreren Behörden und Regierungsmitgliedern sei man schließlich zum Ergebnis gekommen, dass „keinesfalls Gefahr im Verzug herrsche“, weshalb „weiterführende Schritte rechtlich nicht umsetzbar wären“.
Keine zentrale Prüfung von Lieferketten
Ein zentraler Punkt der Grünen-Anfrage betraf mögliche Lieferketten asbesthaltigen Materials in die Steiermark. Die Abgeordneten wollten wissen, ob das Land Listen der belieferten Orte, Gemeinden oder Betriebe von den betroffenen Steinbruchbetreibern eingefordert habe.
Die Antwort des Landes fällt deutlich aus: Eine zentrale Datenerhebung wurde nicht durchgeführt. Amesbauer verweist darauf, dass Steinbrüche dem Mineralrohstoffgesetz unterliegen und damit primär die Montanbehörden des Bundes sowie die Bezirksverwaltungsbehörden zuständig seien. Wörtlich heißt es, es liege „an den jeweiligen Einkäufern (etwa Gemeinden oder auch Private), ihre Lieferketten zu überprüfen“. Andernfalls würde ohne gesetzliche Grundlage eine „Generalzuständigkeit“ des Landes entstehen.
Auch eine systematische Überprüfung potenziell belasteter Standorte in der Steiermark wurde laut Anfragebeantwortung nicht veranlasst. Nach Auskunft der zuständigen Fachabteilungen gebe es derzeit „keinerlei Verdachtsmomente in der Steiermark, die weitreichende Schritte rechtfertigen würden“.
- Auch in der Oststeiermark, konkret in den Gemeinden Neudau und Hartberg, konnte Greenpeace asbesthaltiges Material sicherstellen.
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Die Grünen thematisierten zudem den Einsatz belasteten Materials beim Geothermieprojekt in Neudau. Laut Landesregierung seien die Zufahrtsstraßen bergbaurechtlich genehmigt worden. In den naturschutz- und wasserrechtlichen Verfahren des Landes habe es jedoch „keine rechtliche Grundlage zur Prüfung einer allfälligen Asbestproblematik“ gegeben.
Keine Grenzwerte für Außenluft
Mehrfach verweist das Land darauf, dass es für Asbest in der Außenluft „derzeit keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte“ gebe. Verbindliche Grenzwerte existierten lediglich im Arbeitnehmerschutz für Innenräume. Auf die Frage der Grünen, ob Gesundheitsbehörden in die Bewertung der Situation eingebunden wurden, wird erklärt, dass diese nicht in den eigenen Zuständigkeitsbereich fallen würden und man hierzu keine Antwort geben könne. Eine Beiziehung erschiene allerdings „nicht angezeigt, da es keine gesetzlichen Grenzwerte gibt“.
Gleichzeitig empfiehlt das Land aus Vorsorgegründen, künftig auf „asbesthaltiges Gestein im Straßenbau“ sowie auf entsprechenden Streusplitt im Winterdienst zu verzichten.
Aus Sicht des Landes müssten Behörden „auf Basis von Fakten, Zuständigkeiten und geltender Rechtslage“ handeln. Politische Zuspitzungen oder NGO-Kampagnen würden hingegen vor allem zur Verunsicherung der Bevölkerung beitragen. „Nach dem derzeitigen Stand liegt keine Gefährdung der Bevölkerung vor“, hält Hannes Amesbauer fest.
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