Pressegespräch
Wie geht's nach Corona weiter?

Zum Thema "Wie gehts nach Corona weiter?" luden Andreas Schlemmer, Vinzenz Harrer und Bernhard Stranzl (v.l.) sowie Manuela Kuterer (nicht am Bild) in die WKO Außenstelle nach Weiz.
  • Zum Thema "Wie gehts nach Corona weiter?" luden Andreas Schlemmer, Vinzenz Harrer und Bernhard Stranzl (v.l.) sowie Manuela Kuterer (nicht am Bild) in die WKO Außenstelle nach Weiz.
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  • hochgeladen von Josef Hofmüller

Bei einem Pressegespräch in der WKO Außenstelle in Weiz wurde auf die aktuelle Situation und ein Ausblick zu den nächsten Öffnungsschritten nach Corona geblickt. Für einige hat die Krise sogar einen Aufwind gebracht, die meisten leiden aber auch noch an ihren Folgen.

"Ein erster positiver Schritt in Richtung einer gesellschaftlichen Normalität ist die bevorstehende Öffnung der Gastronomie und der Hotellerie Mitte Mai" so beschrieb Regionalstellenobmann Vinzenz Harrer die momentane Situation. Und Harrer weiter: "Darüber hinaus werden aber viele Herausforderungen immer sichtbarer. Neben den Defiziten in der Bildung, dem sozialen Zusammenlaben und der Akzeptanz der pandemiebedingten Auflagen stellen die massiven Teuerungen und Beschaffungsprobleme enorme Hürden für die heimischen Betriebe dar." 
In manschen Branchen sind etwa die Kosten für Rohstoffe, Vormaterialien und Komponenten innerhalb weniger Monate um bis zu 50 Prozent gestiegen. Vor allem Holz, Holzwerkstoffe sowie Stahl und Dämmstoffe sind fast zur Gänze am Markt ausverkauft. Das trägt bei vollen Auftragsbüchern massive Probleme mit sich. Bestehende Aufträge mit Preisbindungen stellen für viele ein unüberwindbares Handicap dar. Dadurch können teils neue Projekte nicht begonnen werden bzw. nicht fertiggestellt werden. Die höheren Preise die in nächster Zeit zu erwarten sind bedeuten zugleich auch eine geringere Kaufkraft. Sollte diese Teuerungen langfristiger anhalten, wird es Bonitäts-und Liquiditätsunterstützungen für einige Betriebe brauchen.

Lehrlingsmangel

Corona hat auch massive Auswirkungen auf die Lehrlingsausbildung mit sich gebracht, die in Zukunft langfristig gravierende Folgen auf unserer Wirtschaft haben wird. Besonders deutlich zeigte dies der September 2020, wo gegenüber des Vergleichszeitraumes von 2019 ein deutlicher Rückgang von rund 2.400 neu abgeschlossener Lehrverträge sichtbar wurde. Aber nicht nur die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft waren davon betroffen, sondern auch das Gewerbe und Handwerk (minus 901) sowie auch die Industrie (minus 489). Ein Grund dafür ist auch, das die Betriebe ihre Schnupperkurse nicht anbieten konnten bzw. kaum Exkursionen von Schulklassen statt fanden. Dies alles führte zu einer größeren Kluft zwischen den Schulabgängern und den zu ausbildenden Betrieben. Zwar wurden auch Online-Bewerbungs-Castings ins Leben gerufen, aber auch trotz dieser oder anderer Maßnahmen konnten die ausgeschrieben Stellen kaum besetzt werden. "Der Kontakt zu den Jungen ist vielerorts verloren gegangen. Vor Corona hatte ich in meinem Betrieb in etwa 15-20 "Schnupperer", im Jahre 2020 keinen einzigen", so Regionalstellenobmann-Stellvertreter Bernhard Stranzl aus St. Margarethen an der Raab. "Um hier entgegenzuwirken, wird größte Anstrengung nötig sein. Seitens der Wirtschaft und den Ausbildungsbetrieben muß mit aller Kraft alles Mögliche unternommen werden, um mit den Jugendlichen wieder in Kontakt zu kommen, damit die Vorteile eines Handwerkes bzw. eines Lehrberufes (auch mit Matura) schmackhaft gemacht werden." betont Stranzl.

Auch Facharbeiter fehlen

In die gleiche Kerbe wie Bernhard Stranzl  schlägt auch Regionalstellenobmann-Stellvertreterin Manuela Kuterer. Auch in ihrem Elektroinstallationsbetrieb und Fachhandel in Anger sucht sie nach wie vor bis jetzt vergeblich mehr Personal. Der Fachkräftemangel hält die Wirtschaft in Schach. "In der heutigen Zeit ist es zu wenig, Lehrlinge über Medien, Annoncen in Zeitungen, Homepage oder Social Media Kanälen anzuwerben. Heute müssen die Betriebe um Lehrlinge kämpfen, nicht umgekehrt. Wir müssen uns die Frage stellen, mit welchen Schritten es schaffbar ist, die hohe Zahl an Arbeitslosen zu verringern und gleichzeitig Facharbeiter auszubilden und zu stärken." betonte Kuterer. Und weiter: "Wir wollen auch noch in Zukunft unseren Kunden ehrliche und beste Arbeit eines Facharbeiters anbieten.

Positive Grundstimmung

"Im Tourismus ist die Grundstimmung über die Öffnung im Mai freudig positiv, aber mit Einschränkungen je nach Betriebsart." erläutert Regionalstellenleiter Andreas Schlemmer. Ein Rundruf bei den Betrieben in den letzten Tagen zeigt ein unterschiedliches Bild. Kleinere Cafes haben meist mit der zwei Meter Abstandsregel ein Problem, da die Lokale von Grund auf eher kleiner sind. Im Restaurantbereich ist man diesbezüglich etwas positiver gestimmt, da bei schönem Wetter im Außenbereich die Abstände leichter einzuhalten sind. Herausfordernd wird aber für alle gleichermaßen das bürokratische "Rundherum" mit Registrierungen, Eintrittstest etc. "Hier ist allein für diesen Aufwand eigenes Personal abzustellen, sodass vorerst kaum kostendeckend aufgesperrt werden kann." fürchtet Schlemmer. Da im Bezirk vorwiegend Ganzjahresbetriebe sind und die Mitarbeiter auf Kurzarbeit angemeldet wurden, gab es fast keine Abgänge des Personals in andere Branchen. "Wir stehen beim Mitarbeitermangel wieder auf dem Niveau von 2019." zitierte Schlemmer einen Weizer Gastronomen. Laut Nachfrage werden alle wieder aufsperren und hoffen auf weiterer Erleichterungen im Juli. 
Klare und verbindliche Planungen für die nächsten Öffnungsschritte sind einer der größten Wünsche vieler Wirte. Vor allem Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und andere gesellschaftliche Veranstaltungen brauchen eine gewisse Vorplan- und Organisationszeit. Gerade solche Zusammenkünfte stellen für viele Gastronomen am Land ein gewisses ein Rückgrat dar.

Ein großes Danke sprach Andreas Schlemmer auch den Kollegen der WKO Fachgruppe Gastronomie/Hotellerie aus, die sehr rasch für alle Betriebe Muster für Präventionskonzepte, Registrierung und Merkblätter ausgearbeitet haben und ihnen damit viel Arbeit erspart haben.

Meistgesuchte Berufe im April 2021 in Weiz und Gleisdorf:

Top 5 in Weiz, offene Stellen:
12 Elektroinstallateure
11 Zimmerer
8 Lebensmittelhandel
8 Schlosser
6 Bau-und Möbeltischler

Top 5 in Gleisdorf, offene Stellen:
24 Elektroinstallateure
15 Rohrinstallateure
14 Zimmerer
9 Bau-und Möbeltischler
7 Platten-und Fliesenleger
Die Arbeitslosigkeit in unserem Bezirk ist derzeit wieder fast auf dem Niveau vor Corona angelangt.


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