Die Großmaul-Bewegung
Corona und die Querdenker

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Gleisdorf hat sich als Kleinstadt prächtig entwickelt. Hier findet sogar eine internationale Großmaul-Bewegung die Bürgergasse. Umtriebige Wichtigtuer mit ihren „gefühlten“ Wahrheiten mischen sich in das anspruchsvolle Geschehen, einer Seuche wirksam zu begegnen

Sie basteln „Wahrheiten“ wie andere Vogelhäuschen, Blumengestecke oder Armbänder basteln. Sie tun das unbestreitbar mit Kreativität und Emotionen. So sprudeln dann Behauptungen daher, die ich nie belegt finde. Keine Quellenangaben, keine Fakten, keine Widersprüche und auch keine Irrtümer, ohne die es ja Wissenschaft nicht gäbe.

Wissenschaft basiert auf Annahmen und Experimenten, die allemal schiefgehen können. So „falsifiziert" man Annahmen, findet also Fehler, weiß daher, man muß weiter Anstrengungen machen. Keine Wissenschaft ohne Irrtum. Keine Medienwelt ohne kritische Debatten. Das sind mühsame Prozesse. Da gibt es gewöhnlich keine Abkürzungen, nur Umwege.

Wenn ich diese Qanon-Aufkleber in der Gleisdorfer Innenstadt sehe, macht mich deren Botschaft ganz müde. „Das große Erwachen“. „Der Sturm ist da“. Das sind so typische Buben-Phantasien von der eigenen Größe eines Zwerges. Der brüllt: „Ich! Ich! Ich! Ich erwecke euch, ich bringe den großen Sturm. Ich bin jemand! Ich kann was!“

Was genau kann er? Das erfahren wir nicht. Es ist bloß eine Herumtrompeterei, von der die Gemeinschaft nichts hat. Wissenserwerb ist Arbeit. Um das zu kapieren, muß man kein Nobelpreisträger sein. Jede gute Krankenschwester weiß das, jeder Handwerker, der was taugt. Kein Bürgermeister könnte seinen Job nur mit großer Klappe bewältigen. Einer Tagesmutter, die nichts drauf hat, würde niemand sein Kind anvertrauen.

Aber große Klappe hat Saison. Die Corona-Pandemie konfrontiert uns mit hohen Anforderungen. Eine Gefahr, die man nicht spürt, wenn man mit ihr in Kontakt kommt, schafft eine knifflige Situation. Also brauchen wir Lebensklugheit und Abstraktionsvermögen. Und nur wer gleichermaßen Mumm und Grips hat, wird auch in manchen Situationen selbstbewußt sagen können: „Ich weiß das nicht.“

So kenne ich das zum Beispiel von den alten Hacklern aus dem einstigen Puchwerk, mit denen ich seit Jahrzehnten zu tun hab: Man sagt nur, was man kann und man kann das, was man sagt. Wer sowas nicht kapiert, fliegt bei diesen Leuten umgehend raus, denn ein Großmaul stiehlt denen nur die Zeit.

Wir brauchen auch Disziplin, um unsere Bedürfnisse ab und zu im Zaum zu halten, bis die ganze Situation wieder klarer ist.

Ich sehe, mit solchen Fragen will sich die internationale Großmaul-Bewegung gar nicht erst aufhalten. Inzwischen laufen unsere medizinischen Einrichtungen voll und wir überlassen es dem Fachpersonal, sich täglich der Ansteckungsgefahr auszusetzen, um Erkrankte unter schwierigen Bedingungen zu betreuen.

Mein Arzt ist übrigens positiv getestet worden. Ich darf froh sein, daß mir nichts fehlt. Ich kann, berufsbedingt, zu Infektionsquellen sehr viel Abstand halten. So gut haben es nicht alle. „Das große Erwachen“? Tja, manche wachen dann überhaupt nicht mehr auf, sondern fahren in die Kiste. So schaut’s momentan aus. Aber so lange es bloß andere trifft…

+) Übersicht: Zur Pandemie-Debatte

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