Corona-Pandemie
Glaubenskrieg Corona

Der Dreißigjährige Krieg, diese Katastrophe Europas in den Jahren 1618 bis 1648, wird mir inzwischen verständlicher. Wie konnte ein Glaubenskrieg in Zeit und Raum derart eskalieren? (Immerhin bemühte sich der Schwedenkönig um einen Einmarsch in Wien.)

Ich bekomme via Social Media täglich mehrere Lese- und Hörtips, zu denen mir versprochen wird, deren Beachtung würde mir mehr Klarheit, sogar Wahrheit darüber bieten, was uns Politik, Wissenschaft und Journalismus bezüglich Corona a) aufbürden und b) verschweigen.

Ein Vortrag von dieser Person, ein Interview mit jener. Ein Report von der wichtigsten Protestveranstaltung. Hier eine Glosse, da ein Statement. Jede Menge private Handy-Videos…

Ich bin ein Büchernarr. Das heißt, ich bin seit fast 60 Jahren leseerfahren und darin geübt, Informationen zu sortieren, zu begreifen. Ich bin Autor, Freelancer, hab also dazu auch die Zeitressourcen und reichlich Antrieb, mir interessante Themen zu erschließen.

Das bedeutet, ich hab quer durch 2020 viel Zeit darauf verwendet, mich über die Corona-Pandemie zu informieren. Doch bei allem, was dazu kursiert, bei dem, was ich darüber gelesen und gehört habe, würde ich es nicht wagen, jemanden zu beraten.

Ich nutze diesen Prozeß eines laufenden Wissenserwerbs für mich. Ich mag meinen Wissenstand in privaten Gesprächen debattieren. Aber das schließt aus, mich mit Lese- und Hörtips öffentlich hervorzutun, denn erstens bin ich doch nur ein interessierter Laie und zweitens braucht auch die Wissenschaft noch etliche Zeit, ihre Annahmen zu überprüfen und Irrtümer auszuschließen.

Dagegen ist dieses private Herumstümpern an so einem komplexen Thema eine entsetzliche Wichtigtuerei. Manches davon erscheint mir vor allem als ein Ausdruck unbewältigter Autoritätskonflikte. Das hielte ich an einem Teenager für plausibel, bei Menschen im fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt löst sowas in mir Fluchtreflexe aus.

Anlaß für diese Glosse war eine WhatsApp-Nachricht, die mir gestern von einer Bekannten zugschickt wurde; mit einem Youtube-Link, der mich zu einem schaurigen Geschwafel auf einer Grazer Protestkundgebung führte.

Was sich derzeit alles für ein rebellisches Verteidigen von Demokratie hält, ist stellenweise genau der Obskurantismus, den die Tyrannis braucht, um aus all dem halbgaren Zeugs eine Stimmung zu brauen, in der dann zwei Typen ihre Chance bekommen: a) der redegewandte Volkstribun und b) der angriffslustige SA-Mann.

Genau diese Typen waren noch immer die Vorhut grauenhafter Verhältnisse, welche sich auf den Kompost von Halbwissen, Esoterik, Kolportage und Wut gründen. Das kam quer durchs 20. Jahrhundert allerweil daher, wenn Schreihälse die Demokratie schlechtreden konnten und sich selbst als Lösung der von ihnen behaupteten Probleme hervortaten.

Post Scriptum
Die originellste Ansage aus dem Web hab ich so in Erinnerung: „Was soll das denn für eine Verschwörung sein, wenn sogar du Spacken etwas davon weißt?“

+) Übersicht: Zur Pandemie-Debatte

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen