Smart Meter-Diskussion
Köstinger lehnt Rechnungshof-Empfehlung ab

Die Energieagenden sind 2018 vom Wirtschafts- ins Nachhaltigkeitsministerium von Elisabeth Köstinger gewandert.
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Anfang Jänner nahm der Rechnungshof die Einführung intelligenter Messgeräte für Strom und Gas unter die Lupe. Bemängelt wurden vom Rechnungshof (RH) insbesondere zwei Studien, die Basis für das Smart-Meter-Gesetz waren (wir berichteten).

Der RH empfahl der E-Control sowie dem Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, die Kosten-Nutzen-Analyse bezüglich der digitalen Messzähler zu aktualisieren. Ein Sprecher von Elisabeth Köstinger sagte zu meinbezirk.at, dass "eine neuerliche Kosten-Nutzen-Analyse nicht geplant sei." Die RMA rief bei Walter Boltz an, der im vom RH untersuchten Zeitraum Vorstand bei der E-Control war. Er findet, dass der RH im Bericht über das Ziel hinausgeschossen sei. "Ziel der Kosten-Nutzen-Analyse war, herauszufinden, ob sich die Smart-Meter-Einführung lohnt und nicht wie viel sie auf den Cent genau kostet."

Boltz: "Einsparpotenzial über 3,5 Prozent"

Er sei überzeugt, dass das Einsparpotenzial deutlich höher sein wird als die im Bericht von 2010 angegebenen 3,5 Prozent. Der RH-Bericht bemängelte nämlich, dass dieser Wert nicht nachvollziehbar sei, weil Pilotstudien anderer Länder ein Einsparpotenzial von höchstens 3,1 Prozent ergaben. Schon ab 3,01 Prozent oder weniger würden die Kosten den Nutzen überwiegen, so die Berechnungen des Rechnungshofs.

"Böswillige Unterstellung"

Außerdem seien Teile der Studie nicht in der Endfassung veröffentlicht worden, wie der RH-Bericht festhält. Der RH verwies auf ein Naheverhältnis zwischen Boltz und der Beraterfirma PWC, die mit der Studie beauftragt wurde. Er war dort bis 2001, also vor seiner Tätigkeit bei der E-Control ab 2011, tätig. Boltz dazu: "Das ist eine böswillige Unterstellung. Zwischen den beiden Tätigkeiten sind zehn Jahre gewesen." Eine externe Qualitätskontrolle habe er nicht gemacht, weil das nicht üblich sei. "Es gab ja eine interne Qualitätskontrolle", so Boltz.

Frage der Mehrkosten

Bis Ende 2018 wurden 600 Millionen Euro in Smart Meter investiert. Der Ausrollungsgrad lag im Dezember bei 17 Prozent – das sind rund eine Million Geräte der 5,7 Millionen. Bis Jahresende sollen 95 Prozent aller Geräte ausgetauscht sein. Der RH kritisiert, dass die E-Control kein Controlling-Konzept habe, das erlauben würde, die Annahme, es käme für Endkunden zu keinen Mehrkosten, zu überwachen sowie im Nachhinein der Ausrollung über die Gesamtkosten eine Aussage zu treffen. Die E-Control bekräftigte mehrfach, dass die Kosten für die Smart-Meter-Einführung über das Messentgelt abgedeckt sind. Futurezone berichtete, dass Anfang 2017 die Netzpauschale auf 30 Euro netto angehoben wurde.

Monatlicher Überblick über Energieverbrauch

Auch Boltz betont gegenüber meinbezirk.at , dass den Endkunden keine signifikanten Mehrkosten entstehen würden. Die Smart Meter würden viele Vorteile bringen, etwa dass Kunden einen monatlichen Überblick über den Energieverbrauch haben und so Nachzahlungen besser vermeiden könnten. 

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Einsparpotential fragwürdig



Die Einführung der Smart Meter wird seit ihrem Anfang von kritischen Stimmen begleitet. Hintergrund ist eine EU-Verordnung, die vorsieht, bis 2020 EU-weit 200 Millionen Ferraris-Zähler durch intelligente Geräte zu ersetzen.

Zum Beitrag

Lesen Sie mehr dazu:
* Der Rechnungshofbericht vom 11.1.2019
* Bericht in der Futurezone

Die Energieagenden sind 2018 vom Wirtschafts- ins Nachhaltigkeitsministerium von Elisabeth Köstinger gewandert.
Walter Boltz war zwischen 2011 und 2016 gemeinsam mit Martin Graf E-Control Vorstand.

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