Vom Gletscher zum See
Dramatischer Rückgang der Pasterze

Blick von der Franz-Josefs-Höhe in Richtung Grossglockner. Die Aufnahme erfolgte im August 2019.
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  • Blick von der Franz-Josefs-Höhe in Richtung Grossglockner. Die Aufnahme erfolgte im August 2019.
  • hochgeladen von Wolfgang Simlinger

Beim Aufräumen in meinem Elternhaus entdeckte ich zufällig ein Buch aus dem Jahr 1968. Darin finden sich auch Bilder von der Glockner Hochalpenstrasse, die eindrucksvoll zeigen, wie es damals ausgesehen hat. Die Pasterze reichte damals fast bis an den darunterliegenden Margaritzenstausee. Im Bereich der Franz-Josefs-Höhe reichte der Gletscher fast bis an die Talstation der Gletscherbahn. Davon ist heute nichts mehr übrig. Die Pasterze ist nur mehr ein Bruchteil dessen, was sie einmal war.
Vom Parkplatz auf der Franz-Josefs-Höhe kann man mit der Gletscherbahn ein Stück talwärts fahren. Die Bahn wurde bei ihrem Bau so angelegt, dass man von der Talstation bequem den Gletscherrand erreichen konnte. Im Jahr 2012 befand sich direkt unterhalb der Talstation noch Gletschereis. Man musste aber schon sehr weit ins Tal absteigen, um den Gletscher zu erreichen.
Der Rückgang in den darauffolgenden Jahren war allerdings besonders extrem. Vor wenigen Wochen besuchte ich erneut die Franz-Josefs-Höhe. Unterhalb des Parkplatzes ist der Gletscher vollkommen verschwunden, des Gletscherschtor ist im Zeitraum von 1968 bis 2019 um mehr als 1,5km in Richtung Talschluss gewandert.
Ähnliche Bilder findet man im gesamten Alpenraum. Es gibt zahlreiche Publikationen, die sich dem Thema widmen. Die ZAMG und der Alpenverein veröffentlichen regelmässig Gletscherberichte, in denen der Rückgang der Gletscher dokumentiert ist. Auch ich bin mit der Thematik seit den 90er Jahren betraut, habe ich doch im Auftrag der Umweltdata GmbH und der Bundesforste regelmässig Vermessungsarbeiten im Rahmen diverser Kartierungsprojekte im Hochgebirge durchgeführt.

Welche Auswirkungen hat der Schwund der Gletscher auf den Wasserhaushalt?

Gletscher dienen als natürliche Wassersspeicher. Der Grossteil des weltweiten Süsswassers ist in Form von Gletscheries gespeichert. Auch in den Alpen erfüllen die Gletscher ihre Funktion als Wasserspeicher, denn sie geben während der Trockenphasen im Sommer kontinuierlich Wasser ab. Wir zehren momentan von der Substanz und können noch einige Jahre hoffen, dass die Geltscher Wasser abgeben. Brenzlig wird's allerdings, wenn die Gletscher gänzlich verschwinden und im Sommer keine Süsswasserreserven mehr vorhanden sind.

Umso erstaunlicher ist es, dass es immer noch Menschen gibt, die den Klimawandel und den Rückgang der Gletscher anzweifeln und leugnen. Dabei ist es doch sehr einfach, hier an Informationen zu gelangen. Die Grossglockner Hochalpenstrasse ist zwischen Juni und Oktober praktisch durchgehend befahrbar, der Ausblick auf die Pasterze ist somit auch gehfaulen und mobilitätseingeschränkten Menschen möglich. Im nahegelegenen Museum findet man eine interessant gestaltete Ausstellung, die sich dem Thema widmet. Diese Infos sind jedem zugänglich und wertfrei aufbereitet.

Es gibt natürlich auch Webseiten, die den menschengemachten Klimawandel und somit auch den Gletscherschwund in Frage stellen. Genauso wie es Seiten gibt, die die Kugelform der Erde in Frage stellen. Bevor man auf derartigen Unfug reinfällt oder in sogar weiterverbreitet, sollte man besser doch einen Blick in die Natur werfen.

Autor:

Wolfgang Simlinger aus Enns

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