Warnung
Verschwörungstheorien auf Telegram als lukratives Geschäft
- Laut einer neuen Studie der Bundesstelle für Sektenfragen wird immer stärker versucht, mit Verschwörungstheorien in österreichischen Telegram-Netzwerken Geld zu verdienen.
- Foto: Unsplash
- hochgeladen von Lara Hocek
Laut einer neuen Studie der Bundesstelle für Sektenfragen wird immer stärker versucht, mit Verschwörungstheorien in österreichischen Telegram-Netzwerken Geld zu verdienen. Vor allem reichweitenstarke, rechtsextreme Kanäle werden dabei Teil von zunehmend professionalisierten Vertriebsnetzwerken.
ÖSTERREICH. Aus der spontanen Protestkommunikation während der COVID-19-Pandemie ist eine stabilisierte Gegenöffentlichkeit hervorgegangen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine neue Studie der Bundesstelle für Sektenfragen. Vor allem die reichweitenstärksten Verbreitungskanäle sind Teil zunehmend professionalisierter Vertriebsnetzwerke und bewerben ein breites Produktangebot – von Nahrungsergänzungsmitteln und Krisenvorsorgeartikeln bis zu politischem Merchandise. Die einflussreichen Akteurinnen und Akteure nutzen ihre Reichweite sowohl für Spendenaufrufe als auch um Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten. Dafür werden fortlaufend neue Bedrohungsszenarien konstruiert, um ökonomische Interessen abzusichern.
Das Geschäft mit der Angst
"In Phasen kollektiver Verunsicherung steigt die Anfälligkeit für einfache Deutungsmuster, exklusive „Wahrheiten“ und vermeintlich alternative Lösungsangebote – eine Nachfrage, die gezielt adressiert und kommerziell verwertet wird." heißt es in einer Aussendung zu der Studie.
Krisenzeiten wie die COVID-19-Pandemie, geopolitische Spannungen oder wirtschaftliche Unsicherheit wirken dabei als Katalysatoren.
- Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, sind nicht mit Fakten oder Tatsachen zu erreichen.
- Foto: Shutterstock
- hochgeladen von Mag. Maria Jelenko-Benedikt
Spendenaufrufe, kommerzielle Angebote und exklusive Inhalte werden durch die Verunsicherung legitimiert. Sie stützt ein Geschäftsmodell, das von den Krisenerzählungen lebt, die es selbst erzeugt. Die Bedrohungsszenarien schüren zudem gezielt Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, weshalb die Bundesstelle auf eine potenziell demokratiegefährdende Wirkung der eingesetzten Kommunikationsstrategien hinweist.
Zentrale Rolle von Telegram
Durch die Untersuchung konnte die anhaltend hohe Aktivität von Verschwörungstheoretikern und -theoretikerinnen in österreichischen Telegram-Netzwerken bestätigt werden. Die Zahl der veröffentlichten Nachrichten steigt dabei weiter an und überschritt im Sommer 2024 mit knapp 60.000 Beiträgen pro Monat erstmals den bisherigen Höchststand aus Covid-Zeiten. Mit rund 3,5 Millionen Aufrufen pro Tag weisen die Nachrichten nach wie vor eine relativ stabile kumulative Reichweite auf.
- Die monetären Handlungsaufrufe überstiegen zum Jahresbeginn 2024 mit knapp 2.300 Nachrichten pro Monat den Höchstwert, den politische Handlungsaufrufe je erreichen konnten.
- Foto: Dimitri Karastelev/Unsplash
- hochgeladen von Christoph Lamprecht
Spendenakquise, die häufigste Form der Mobilisierung
Spendenaufrufe stellen mit 31,5 Prozent der Handlungsaufrufe die häufigste Form der Mobilisierung dar. Diese werden zunehmend professionell betrieben, beispielsweise durch standardisierte Kommunikation und direkte Zahlungslinks. Viele Spendenaufrufe vermitteln das Gefühl, durch einen Beitrag aktiv Teil eines kollektiven Widerstands gegen eine vermeintlich globale Verschwörung oder ein illegitimes System zu sein und werden oft mit der Fortführung des politischen Aktivismus oder der alternativen Berichterstattung begründet.
Auch die Kommerzialisierung nimmt mit mittlerweile 16,2 Prozent der Handlungsaufrufe stetig zu. Im Zentrum stehen dabei insbesondere alternativmedizinische Präparate, Nahrungsergänzungsmittel, politisches Merchandise, Krisenvorsorgeartikel und verschwörungstheoretisch geprägte Literatur. Ergänzt wird dieses Feld durch Coachingformate und energetische Heilangebote. Trotz einer breiten Produktpalette dominieren wenige große Plattformen wie der AUF1-Shop und der Kopp Verlag.
- Spendenaufrufe stellen mit 31,5 Prozent der Handlungsaufrufe die häufigste Form der Mobilisierung dar.
- Foto: Markus Winkler/unsplash
- hochgeladen von Sophie Wagner
Gegen Regierungskritiker
Kritik der Freiheitlichen, die Bundesstelle würde mit ihrer Tätigkeit gegen Regierungskritiker vorgehen, konterte Geschäftsführerin Ulrike Schiesser, dass man unabhängig und weisungsfrei agiere. Die Verantwortlichen bedauern, dass das Monitoring-Projekt aufgrund von Sparmaßnahmen der Regierung nicht weiter betrieben werden kann, da man in zwei Jahren Fachwissen aufgebaut habe, für das es keine andere Stelle gebe. Für eine solide Fortführung bräuchte man rund 180.000 Euro.
Das könnte dich noch interessieren:
Aktuelle Nachrichten aus Österreich auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.