Kritik am Standort Österreich
Baumit-Chef Robert Schmid - die Hälfte der Beamten wäre genug
- Robert Schmid, Eigentümer von Marken wie Baumit und Murexin, im Interview: Die Bürokratie trieb ihn für ein Zukunftsprojekt nach Bayern.
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Der Industrielle Robert Schmid, Eigentümer von Marken wie Baumit und Murexin, will in Österreich bleiben. Es wird ihm nicht leicht gemacht. Ein Gespräch.
Herr Schmid, halb Österreich ist mit Ihren Baustoffen errichtet. Die Häuser werden noch lange stehen. Aber: Wie lange tun Sie sich als Unternehmer den Standort Österreich noch an?
Ich bin begeisterter Österreicher und begeisterter Unternehmer. Wir entwickeln und produzieren nachhaltige Baustoffe, die den Menschen und der Landschaft einen Mehrwert bieten. Solange es irgendwie geht, bleibe ich in Österreich. Aber die Rahmenbedingungen werden schwieriger. Die hohe Steuerbelastung und Diskussionen über Vermögens- oder Erbschaftssteuern nehmen vielen Unternehmern die Motivation, Risiken einzugehen und Eigenkapital aufzubauen. Dabei sind gerade finanzielle Reserven wichtig, um Krisen ohne Kündigungen zu überstehen.
Viele Unternehmer klagen über immer mehr Bürokratie. Wie erleben Sie das?
Es gibt heute viele Themen wie Sicherheit, Datenschutz oder Umwelt, die wichtig sind. Grundsätzlich stecken da gute Absichten dahinter. Das Problem ist aber die Übertreibung. Für jedes Thema gibt es eigene Beauftragte und immer mehr Vorschriften. Dadurch wandert Arbeitskraft vom Produktiven ins Administrative. Ich bin überzeugt, dass sich dieser Aufwand in den vergangenen Jahrzehnten mindestens verdoppelt hat.
Welche Folgen hat das für den Wirtschaftsstandort?
Früher konnten Unternehmen ihre Produktivität laufend steigern. Heute werden diese Fortschritte durch immer mehr Verwaltung wieder aufgefressen. Das schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit. Wenn wir weniger produktiv werden, gibt es auch weniger Wohlstand zu verteilen.
- Robert Schmid: "Ich bin überzeugt, dass wir mit deutlich weniger Verwaltungs-Beamten auskommen."
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Sie haben ein weltweit neuartiges Verfahren entwickelt, um klimafreundlicheren Zement herzustellen. Das erste Werk hätte in Österreich entstehen sollen. Warum ist das gescheitert?
Wir haben ein Verfahren entwickelt, mit dem aus einem industriellen Nebenprodukt ein neuer Rohstoff für besonders CO₂-arme Baustoffe entsteht. Das wäre ein wichtiger Beitrag für den Beton der Zukunft gewesen. Die Gutachten waren positiv, trotzdem fehlte letztlich der politische Mut. Sobald ein Projekt neu und ungewohnt ist, übernehmen viele keine Verantwortung mehr und ziehen den Schwanz ein. Deshalb wird dieses Werk nun mit hoher Wahrscheinlichkeit in Bayern errichtet.
Bayern hat auch hohe Umweltstandards. Was machen die Bayern besser?
Dort denkt man Industriepolitik konsequenter. Man weiß, dass Hochlohnländer nur mit Innovationen erfolgreich bleiben. Deshalb versucht man, solche Projekte möglich zu machen und nicht zu verhindern.
Wenn Sie politisch drei Dinge sofort ändern könnten – womit würden Sie beginnen?
Mein Grundsatz wäre: Lasst die Menschen ihre Arbeit machen. Lasst Ärzte heilen, Unternehmer unternehmen und Bauherren bauen. Genehmigungen dauern bei uns oft Jahre, obwohl Projekte längst umfassend geprüft wurden. Diese Komplexität müssen wir deutlich reduzieren.
- Robert Schmid: "Ich bin begeisterter Österreicher – aber die Bedingungen werden schwieriger."
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Sie haben im eigenen Unternehmen das Projekt „MISA – Make it simple again“ gestartet. Hat das funktioniert?
Leider nur sehr eingeschränkt. Ich habe unsere Mitarbeiter gebeten, sich zu überlegen, welche Abläufe einfacher werden könnten. Dabei habe ich festgestellt, dass jeder überzeugt ist, genau das Richtige zu tun. Kaum jemand stellt die eigene Tätigkeit infrage.
Welche Konsequenz ziehen Sie daraus?
Vereinfachung gelingt oft nicht durch Appelle. Man muss zuerst die Strukturen verschlanken. Weniger Mitarbeiter bedeuten automatisch weniger unnötige Tätigkeiten. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern genauso für die öffentliche Verwaltung.
Sie meinen, hätten wir weniger Beamte, würden die sich wieder aufs Wesentliche fokussieren?
Ja. Ich bin überzeugt, dass wir mit deutlich weniger Verwaltungsmitarbeitern auskommen würden, wenn wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Ich glaube etwa die Hälfte wäre ausreichend. Heute sitzen bei einer Besprechung oft fünf Fachleute am Tisch, wo früher einer genügt hat. Alle erfüllen ihre Vorschriften, aber die Komplexität wächst ständig. Weniger Verwaltung würde automatisch dazu führen, Prioritäten zu setzen und Prozesse zu vereinfachen.
Trotz Ihrer Kritik bezeichnen Sie sich selbst als „grün-sozialistischen Kapitalisten“. Warum?
Weil Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg für mich zusammengehören. Nur wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen können Arbeitsplätze sichern, Lehrlinge ausbilden und ihre Region unterstützen. Mein Wunsch an die Politik ist deshalb einfach: Wenn jemand eine gute Idee hat und sie den Menschen nützt, dann sollte man ihn machen lassen – statt ihn immer stärker zu behindern.
Zur Sache - die Schmid Industrie Holding
Die Schmid Industrie Holding GmbH (SIH) ist ein international führender Bau- und Werkstoffkonzern mit Hauptsitz in Niederösterreich. International beschäftigt die Firma mehr als 6.800 Angestellte an 90 Produktionsstätten und Vertriebsniederlassungen in ganz Europa. Bekannte Marken sind Baumit, Murexin, Austrotherm oder Wopfinger. Der konsolidierte Gesamtumsatz der Schmid Industrieholding liegt aktuell bei rund 2,4 Milliarden Euro.
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